Journalistin Jessica Benjatschek genießt die Ruhe des Wingster Waldes. Inspiriert von ihrer prägenden Atlantiküberquerung, schreibt sie jetzt über ihre Erfahrungen in der grünen Natur. Foto: Brettschneider
Journalistin Jessica Benjatschek genießt die Ruhe des Wingster Waldes. Inspiriert von ihrer prägenden Atlantiküberquerung, schreibt sie jetzt über ihre Erfahrungen in der grünen Natur. Foto: Brettschneider
Neues Zuhause mitten im Wald

Wie eine Neu-Wingsterin in einem Monat den Atlantik mit 47 Frauen überquerte

von Bengta Brettschneider | 21.08.2026

Die Journalistin Jessica Benjatschek lebt mit ihrem Mann naturnah mitten im Wald der Wingst und schreibt darüber. Durch ihre Erfahrungen, wie eine Atlantiküberquerung, hat sie gelernt, die Kontrolle abzugeben und die Natur intensiv zu erleben.

Für viele junge Menschen ist das Dorf ein Ort, den man irgendwann verlässt. Jessica Benjatschek kennt diesen Weg. Sie selbst wuchs in einem 300-Seelen-Dorf in Mecklenburg-Vorpommern auf und zog zum Studium nach Hamburg. Heute geht ihr Weg wieder in die andere Richtung - allerdings ganz bewusst. Sie lebt mit ihrem Mann mitten im Wald in der Wingst.

"Ich wollte wirklich ganz bewusst, ganz naturnah leben", erzählt die Journalistin. Mehrere Jahre hätten die beiden nach dem passenden Ort gesucht. Es sollte kein Wochenend- oder Ferienhaus sein, sondern ein Zuhause. Ein Ort, an dem sie bleiben und beobachten könne, wie sich die Umgebung über Jahre und Jahrzehnte verändere. Auch ein Garten spielte dabei eine wichtige Rolle.

In der Wingst habe sie schließlich etwas gefunden, das sie an anderen Orten vergeblich gesucht habe. "Ich habe mich noch nie so wohlgefühlt wie in der Wingst."

Noch bevor ihr Abiturzeugnis ausgestellt war, suchte sie das Weite. In Hamburg studierte sie zunächst Journalismus, später Kulturanthropologie und Religionswissenschaften.

Der erste Corona-Lockdown brachte sie wieder näher an die Frage, wie sie eigentlich leben möchte. Nach ihrem Volontariat zog sie gemeinsam mit ihrem Mann nach Hamburg-Bergstedt. Zwar noch Hamburg, aber mitten im Naturschutzgebiet. Schnell merkten sie, dass sie noch mehr Natur haben wollen.

Kleine Dinge, große Geschichten

Seit rund einem Jahr schreibt sie in einem regelmäßig erscheinenden Newsletter "Waldeinsamkeit" über ihr Leben mitten im Wald. Es geht um Jahreszeiten, Tiere und Insekten - und um die Frage, was passiert, wenn man einen Ort nicht nur besucht, sondern ihn über lange Zeit beobachtet.

Eine besonders prägende Erfahrung war ihre Atlantiküberquerung auf einem Traditionssegler. Eigentlich begann das Abenteuer mit einem journalistischen Auftrag: 3 Tage auf der Ostsee. Die Reise war ihre erste Segelerfahrung überhaupt. Bald darauf war sie mehr als einen Monat unterwegs, 24 Tage davon auf offenem Meer. An Bord: 47 Frauen zwischen 19 und 67 Jahren.

Das Schiff wurde für Benjatschek schnell zu einer Art Parallelwelt. Das Seemannsvokabular habe sie anfangs völlig überfordert. Sie sei es gewohnt gewesen, Zusammenhänge zu verstehen, bevor sie etwas ausprobiert. Auf dem Schiff funktionierte das nicht.

Mit der Zeit wurde es leichter, die Kontrolle abzugeben und sich darauf einzulassen, Dinge nicht sofort zu beherrschen.

"Ich habe mich nie zuvor von fremden Menschen so angenommen gefühlt"

Gerade das Zusammenspiel der Frauen habe sie nachhaltig beeindruckt. Unterschiedliche Altersgruppen, Lebensentwürfe und Berufe trafen auf engstem Raum aufeinander. Niemand konnte sich aus dem Weg gehen.

Und genau darin lag für sie eine besondere Erfahrung. Sich nicht verstecken zu können und trotzdem angenommen zu werden. "Ich habe mich nie zuvor von fremden Menschen so angenommen gefühlt."

Auch im Alltag habe sie etwas davon behalten. Sie habe nicht mehr das Gefühl, für alles verantwortlich sein zu müssen. Wenn eine Person krank ausfalle, gehe das Leben weiter. Das Schiff segle trotzdem.

Und was kommt als Nächstes? Eine Mischung aus Schreiben und Begegnungen. Benjatschek möchte sich stärker in der Region einbringen, Geschichten erzählen, Reden für besondere Anlässe halten und Menschen zusammenbringen. Der Umzug in die Wingst sei für sie deshalb mehr als ein Wohnortwechsel gewesen. "Ich merke, dass mit diesem Umzug in die Wingst eine andere Lebensphase eingeläutet wurde."

Am 25. September liest Jessica Benjatschek bei "Kultur in der Kurve" in Cadenberge. Organisiert wird die Lesung vom Kulturkreis am Dobrock. Karten gibt es im Vorverkauf unter vorverkauf@kulturkreis-amd.de für 10,00 €, an der Abendkasse für 12,00 €. Wer Interesse an ihrem Newsletter hat, wird unter waldeinsamkeitnewsletter.substack.com fündig.

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