Heimathafen Cuxhaven für einen geschichtsträchtigen Seenotkreuzer
Der Cuxhavener Fährhafen hat einen neuen Dauergast: Neben dem Seenotrettungskreuzer "Anneliese Kramer" hat nun auch die ehemalige "Theodor Heuss", heute "THeuss", hier ihren Heimathafen.
Dass dieses Schiff, welches von 1957 bis 1985 für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) im Einsatz war, jetzt in Cuxhaven liegt, ist seinem neuen Besitzer zu verdanken. "So ein schönes Schiff", schwärmt der neue Eigentümer Gerhard Schlichting. Dem Cuxhavener gehört unter anderem der Baggersee in Nordholz. Dort plante der Unternehmer, einen Steg zu bauen - doch es fehlte das passende Schiff. "Daher habe ich schon länger nach Schiffen Ausschau gehalten, die zum Verkauf stehen, aber nie ein geeignetes gefunden", erklärt Schlichting. Als er jedoch das Inserat über den Verkauf des ehemaligen Seenotkreuzers "Theodor Heuss" sah, fasste er zusammen mit seiner Geschäftspartnerin Dunja El-Zein den Entschluss, das traditionsreiche Schiff zu erwerben.
Der Cuxhavener Yacht-Club
"Wir sind zusammen nach Hamburg-Harburg gefahren, wo das Schiff die vergangenen Jahre gelegen hatte. Als wir es sahen, kam uns als erstes die Idee, es in den Oldenburger Hafen zu verlegen, um dort an Land unter anderem einen Fisch- und Kaffeestand zu eröffnen", erinnert sich Schlichting, der dort zusammen mit Dunja El-Zein seinen Geschäftssitz hat. Die Stadt Oldenburg habe Schlichting zwar einen Liegeplatz anbieten können, allerdings die Landnutzung für sein Konzept nicht zusagen können - eine Alternative musste her. Dieter Rudat ist der erste Vorsitzende des Cuxhavener Yacht-Clubs und schon lange mit Gerhard Schlichting befreundet. "Wir kennen uns seit Ewigkeiten. Er bot mir einen Liegeplatz im Fährhafen an und wollte auch beim Überführen der 'THeuss' helfen", erzählt Gerhard Schlichting, der mittlerweile auch Mitglied des Cuxhavener Vereins ist. Am 20. April fuhren Dieter Rudat und der zweite Vorsitzende des Clubs, See- und Elblotse Jörg Gutsche, nach Harburg, um das Schiff zu seinem neuen Heimathafen zu befördern.
Technik und Steuerung schon 60 Jahre alt
"Die Herausforderung bestand darin, dass es in den 50er-Jahren gebaut worden war - also auch Technik und Steuerung schon 60 Jahre alt waren. Die Elektronik an Bord war allerdings auf dem neusten Stand", erklärt Gutsche. Für die "THeuss" ging es nun also nach Cuxhaven. Durch die Schleuse in Harburg, unter der Kattwyk- und Köhlbrandbrücke hindurch raus auf die Elbe und vorbei an Blankenese und Wedel, mit dem Ziel Fährhafen. "Bei Nacht war das sehr schön", berichtet Lotse Gutsche und fügt hinzu: "Obwohl die Hauptmaschine des Schiffes nicht mehr vorhanden war, erreichten wir auf der Elbe mit Strom und bei bestem Wetter immer noch 14,5 Knoten." Ursprünglich konnte die "Theodor Heuss" sogar problemlos 20 Knoten fahren.
Schifffahrtsgeschichte im Fährhafen
Die DGzRS hatte einst bei Bau und Erprobung der damaligen Prototypen "Bremen" und "Hermann Apelt" eine Vielzahl an Erkenntnissen gesammelt. Um das Ziel, einen hochseetüchtigen und schnellen Seenotkreuzer mit Tochterboot zu bauen, mussten die Hauptabmessungen und die Schiffsform allerdings überarbeitet werden. Ein umfangreiches Versuchsprogramm mit Modellrümpfen wurde durchgeführt. Sinn der Testreihe war, eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Knoten durch die Rumpfform zu erzielen.
Die "Theodor-Heuss-Klasse"
Die DGzRS bestellte daraufhin Ende 1955 nach Abschluss der Modellerprobung bei der Schiffs- und Bootswerft Schweers in Bardenfleth einen neuen Seenotkreuzer. Dieser wurde Anfang 1957 abgeliefert und erhielt den Namen "Theodor Heuss". Die Länge des neuen Seenotkreuzers wurde mit 23,20 Metern festgelegt, die Breite auf 5,30 Meter und der Tiefgang auf 1,40 Meter - geboren war die 23,2-Meter-Klasse oder auch "Theodor-Heuss-Klasse". Zukünftig liegt die "THeuss" nur wenige Meter entfernt von dem von Cuxhaven operierenden Seenotrettungskreuzer "Anneliese Kramer". "Das war eine einmalige Gelegenheit. Was jetzt mit dem Schiff passiert, weiß ich noch nicht, aber die Ideen kommen von selbst. Das Schiff wird auf jeden Fall im Cuxhavener Fährhafen bleiben, seinem neuen Heimathafen", verspricht Schlichting.