"Seehund" in Hemmoor getauft: 1,8 Millionen Euro für Sicherheit an und auf der Oste
Bis die Sektflasche am Rumpf der neuen "Seehund" zerschellte, hatte das Arbeitsschiff bereits eine weite Reise hinter sich. Vom Mittellandkanal ging es über den Elbe-Seitenkanal nach Hamburg und schließlich nach Basbeck, wo die Taufe gefeiert wurde.
Bis die Sektflasche am Mittwoch (21. Oktober 2026) am Rumpf des neuen Arbeitsschiffs "Seehund" zerschellte, hatte der Neubau bereits eine weite Reise hinter sich. Von Sachsen-Anhalt aus führte der Weg durch den Mittellandkanal und über den Elbe-Seitenkanal nach Hamburg, vorbei an der Elbphilharmonie und den Landungsbrücken, bis nach Basbeck. Dort wurde das Schiff in seinem neuen Heimathafen feierlich getauft.
Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat sein neues Unterhaltungsschiff am Mittwoch offiziell in Dienst gestellt. Die mehr als 17 Meter lange "Seehund" ersetzt ein gleichnamiges Schubboot aus dem Jahr 1976, das inzwischen außer Dienst gestellt wurde. Der Neubau soll die Unterhaltungsarbeiten auf der fast 70 Kilometer langen unteren Oste zwischen der Mündung und Bremervörde künftig effizienter machen. Damit leistet das Schiff auch einen Beitrag zum Küstenschutz und zur Sicherheit der Deiche.

Arbeiten direkt vom Wasser aus
"Da das bisherige Schiff inzwischen deutlich in die Jahre gekommen war und Ersatzteile nicht mehr verfügbar waren, haben wir den Neubau in Auftrag gegeben", erläuterte Jörn Drosten, Leiter des Geschäftsbereichs Betrieb und Unterhaltung in der NLWKN-Direktion. Er begrüßte die Gäste im künftigen Heimathafen der "Seehund".

Welche Aufgaben das neue Schiff übernehmen muss, schilderte Hartwig Meyer, Projektleiter des Neubaus beim NLWKN in Stade. Das Einsatzspektrum reicht von der Gehölzpflege über die Sicherung der Deichfüße bis hin zum Bau von Buhnen und dem Setzen neuer Pricken. Dabei muss das Schiff mit ganz unterschiedlichen Bedingungen zurechtkommen: Während die Oste an manchen Stellen sehr schmal ist, erreicht sie im Bereich des Sperrwerks eine Breite von bis zu 120 Metern. "Von den Deichen aus können wir nicht arbeiten, sondern nur vom Wasser aus", erklärte Meyer. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Baggerponton, der seitlich am Schiff mitgeführt wird. Mit der neuen "Seehund" können die Mitarbeiter Baumaterial, Spezialgeräte und weitere Ausrüstung zuverlässig zu den Einsatzorten bringen.
Investition in den Küstenschutz
Auch Anka Dobslaw, Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, betonte die Bedeutung des Schiffs für die Region. "Für die Region, unsere Gewässer und unsere Deiche setzen Sie sich jeden Tag ein, dafür vielen Dank", sagte sie. Mit dem Neubau sei nicht einfach ein neues Arbeitsgerät in Dienst gestellt worden, sondern auch in die Zukunft und die Sicherheit der Menschen entlang der Oste investiert worden.

Niedersachsen hat die Oste 2010 von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes übernommen und den NLWKN mit ihrer Unterhaltung betraut. Für den Neubau wurden rund 1,8 Millionen Euro aus Corona-Sondermitteln des Landes eingesetzt. Zu den zentralen Aufgaben der "Seehund" gehört die Sicherung der Deichfüße - ein wichtiger Bestandteil des Küstenschutzes, insbesondere mit Blick auf mögliche Sturmfluten.
Corinna Barthel, Geschäftsführerin der Schiffswerft Hermann Barthel, blickte auf den Bau des Schiffs in Derben in Sachsen-Anhalt und seine anschließende Überführung nach Basbeck zurück. Der Besatzung wünschte sie allzeit gute Fahrt und eine sichere Heimkehr in den Heimathafen.
Den Abschluss der Feier bildete die Taufrede von Sabrina Lorenz, Verwaltungschefin des NLWKN und Taufpatin des Schiffs. Sie hob dabei die besondere Bedeutung der Oste für die Region hervor: "Die Oste ist das größte landeseigene, tidebeeinflusste Gewässer in Niedersachsen und prägende Lebensader der Region." Anschließend ging es nach draußen zum Neubau. Dort sprach Lorenz den Taufspruch und ließ die Sektflasche am Rumpf zerschellen.


Alles lässt sich in der Höhe verstellen
Das neue Unterhaltungsschiff ist mehr als 17 Meter lang und knapp fünf Meter breit. Der Tiefgang beträgt 1,1 Meter. Mit dem seitlich geführten Ponton erreicht die Einheit eine Länge von rund 24 Metern und eine Breite von etwa elf Metern. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 8,6 Knoten.
Für bessere Manövrierbarkeit ist das Schiff mit einem Bugstrahlruder ausgestattet. Das Steuerhaus lässt sich mithilfe einer Hubvorrichtung um rund 1,3 Meter anheben, damit die Besatzung einen besseren Überblick hat. Am Heck befindet sich ein Ladekran mit einer maximalen Auslage von 9,2 Metern, der unter anderem zum Bergen von Treibgut eingesetzt werden kann. Die Masten lassen sich hydraulisch absenken, sodass das Schiff auch bei höheren Wasserständen unter Brücken hindurchfahren kann.
Zur Ausstattung gehört außerdem ein Umkleideraum mit Raumluftwäschetrockner. So kann unter anderem die Sägeschutzkleidung der NLWKN-Mitarbeiter nach und während des Einsatzes schnell getrocknet und gewechselt werden.


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