Marc Itgen präsentierte die Energieinsel Medemgrund. Foto: Rohde
Marc Itgen präsentierte die Energieinsel Medemgrund. Foto: Rohde
Mittelstands- und Wirtschaftsunion

Veranstaltung in Cuxhaven: Grüne Energie als Chance für die Küstenregion

von Ulrich Rohde | 01.07.2026

In Cuxhaven entsteht eine Zukunftsvision: Die Energieinsel Medemgrund könnte die Küstenregion revolutionieren. Innovative Projekte und nachhaltige Lösungen zeigen das Potenzial für eine klimafreundliche Industriepolitik.

Eine Insel mit zwei Bergen ist es nicht, was da möglicherweise in der Elbmündung entstehen könnte. Vielmehr soll es eines der größten und ehrgeizigsten Offshore-Industrieprojekte werden, die jemals in der Region konzipiert worden sind. Die Rede ist von der "Energieinsel Medemgrund".

Marc Itgen (IG Cux) präsentierte diese Zukunftsvision während der Veranstaltung "Nachhaltige Energie aus der Region für die Region", zu der die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Kreisverband Cuxhaven ins EWE-Forum eingeladen hatte. Neben den Referenten Itgen, Uwe Leonhardt (UmaAG), Thies Winkelmann und Hausherr Thorsten Wüstenberg (Leiter EWE-Netzregion Cuxhaven-Delmenhorst) begrüßte der MIT-Vorsitzende Dr. Dirk Timmermann unter anderem auch Landrat Thorsten Krüger und Bürgermeister Thomas Brunken.

Wirtschafts-Ingenieur Itgen stellte das Vorhaben Medemgrund vor. Dabei handelt es sich um eine künstliche Insel östlich Cuxhavens mit unterirdischem Kavernenspeicher-Netzwerk und CO2-basierter chemischer Wertschöpfung. Unterhalb Cuxhavens befinden sich Salzstöcke, die zur Wasserstoff- und CO2-Speicherung geeignet sind. Ziel des Projekts ist es, einen Energie-und Rohstoff-Hub von industriepolitischer Bedeutung zu errichten. Erdacht und fortentwickelt haben die Energieinsel Marc Itgen und Lutz Machulez-Hellberg seit nahezu einem Jahrzehnt. Das wachsende Interesse an günstiger, nachhaltig produzierter Energie - insbesondere für die energieintensive Industrie - macht das Projekt zunehmend relevant.

Für Itgen ist klar: Statt energieintensive Wertschöpfung ins Ausland zu verlagern, hätte sie an der deutschen Küste eine Zukunft. Die Insel könnte durch Nutzung von Elbe-Baggergut errichtet werden. Dort würden Elektrolysekapazitäten, gespeist aus nicht genutzter Offshore-Windenergie, entstehen. Die Produktion von Wasserstoff könnte direkt mit Speichern gekoppelt werden. Der in den Salzkavernen gespeicherte Kohlenstoff würde als industrieller Rohstoff genutzt. Die Logistik mit der Nähe zu Häfen, Industriezentren und Pipelines stellt einen weiteren Vorteil der Energieinsel dar.

Beste Standorte für 
logistisches Zentrum

Uwe Leonhardt ergänzte in seinem Kurzvortrag, dass durch eine solche Energieinsel Industriestrom zu "sagenhaft günstigen Preisen" erzeugt werden könne. Beispielgebend führte er die Hafenerweiterung Maasvlakte II in Rotterdam an, wo auf 2000 Hektar die Terminals CO2-neutral betrieben werden und zudem der größte grüne Wasserstoff-Hub Europas entsteht. Das müsse die Benchmark für die Energieinsel Medemgrund sein. "Wir haben die besten Standorte für ein logistisches Zentrum mit günstiger Energieversorgung", so Leonhardt.

Mit etwas kleinerem Maßstab, aber nicht weniger weitreichend, berichtete Thies Winkelmann, Betreiber einer großen Biogasanlage in Spieka-Neufeld, von der Transformation seines Geschäftsmodells. Das bestand über 20 Jahre aus der Stromerzeugung. Mit dem Wegfall der EEG-Förderung lohnt sich das nicht mehr.

Winkelmanns Lösung: Biomethan ins Gasnetz einspeisen und zudem in Form von Biomethan oder Bio-LNG als Kraftstoff vermarkten. Zugute kommt ihm dabei, dass Mineralölkonzerne den CO2-Ausstoß ihrer Kraftstoffe schrittweise senken müssen, indem sie sie durch klimafreundliche Kraftstoffe ergänzen. Dabei spielen Biokraftstoffe aus Gülle, Mist oder Bioabfällen eine wichtige Rolle. Die Kombination aus Einspeisung ins Gasnetz und separater Vergütung der Treibhausgasminderungsquote in Form einer Prämie macht dieses Modell für Winkelmann wirtschaftlich. Auch die so genannte Bio-Treppe, der schrittweise Einsatz klimaneutraler Brennstoffe in neuen Gasheizungen sowie die Grüngasquote im Gasnetz spielen dem Biogasanlagen-Betreiber in die Karten.

Regionalnetz für Wasserstoff befindet sich im Aufbau

Dennoch würden etliche Anlagen nach dem Wegfall der EEG-Förderung abgeschaltet, ergänzte Thorsten Wüstenberg. Zwar gehe die Anzahl der Erdgashausanschlüsse tendenziell zurück. Dennoch bezweifelt er, dass der geplante Ausstieg aus der fossilen Gasversorgung im Haushaltsbereich bis 2045 umgesetzt werden kann. Ein adäquater Ersatz durch Biogas werde allein aufgrund der zu geringen Anzahl an Produzenten nicht erreichbar sein.

Gleichwohl beschäftige sich auch die EWE mit grünen Gasen, vor allem mit Wasserstoff, der durch die bestehende Netzinfrastruktur transportiert werden könnte. Allerdings komme dies überwiegend für gewerbliche Abnehmer in Frage. Im Versorgungsgebiet der EWE gebe es einen Bedarf von 43 Milliarden Kilowattstunden Energie. "Soviel Wasserstoff können wir auf Sicht nicht selbst herstellen. Das muss aus dem Ausland zugekauft werden." Die EWE Netz bereite für gewerbliche Kunden gegenwärtig ein Wasserstoff-Regionalnetz vor. Das größte Problem für die Energiewirtschaft sei jedoch, so Wüstenberg, dass es keine langfristigen regulatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen gebe. 

Sieht Chancen für industrielle Entwicklung: Uwe Leonhardt. Foto: Rohde
Thies Winkelmann hat sein Geschäftsmodell umgekrempelt. Foto: Rohde
Thorsten Wüstenberg: Wasserstoff als Fortschrittsmotor. Foto: Rohde

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