Am Ende geht es nur um Content
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserschaft der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute: Wie ein Strandbesuch medial "ausgeschlachtet" wird.
Sonntagnachmittag, Strandabschnitt am Freibad Steinmarne. Die Damen, die einen Steinwurf entfernt ein paar Strandkörbe umlagern, haben sich heiser gesungen. Zwischen Andrea Berg, Reinhard Mey und Smokie kreisen Dosen mit Spirituosen.
Ich beobachte die Szene aus den Augenwinkeln. Ein freies Wochenende, müssen Sie wissen, heißt nicht, dass man den Job vollkommen hinter sich ließe. Allein schon wegen dieser Kolumne hier, die wie ein unersättliches Tier ständig gefüllt werden will, mit originellen (und auch mal weniger originellen) Geschichten. Solch ein Moment ist da ein gefundenes Fressen! Während ich ein paar Habseligkeiten meiner Tochter - Eimerchen, Sonnenmilchflasche und ein XXL-Aufpuste-Tier - zusammenraffe, überlege ich, ob das Berufsethos von mir verlangt, kommunikative Brücken zu schlagen. Unnötig dieser Gedanke, denn die Vorsängerin steuert geradewegs auf mich zu: Ob sie sich das Einhorn (Handbewegung in Richtung Schwimmtier) für ein paar Fotos ausleihen könne.
Seepferd, denke ich. Das ist ein Seepferd. "Wenn das kaputtgeht", sage ich, "wird meine Tochter stinksauer!"
Sie bleibt ungerührt. "Wenn das kaputtgeht, kaufe ich deiner Tochter ein Neues!" - "Wohl kaum", setze ich nach. "Ist aus dem Italienurlaub!" Schweigen, dann: "Darf ich trotzdem?" Ich gebe mich geschlagen, halte ihr wortlos das Tier hin. Die Frau zischt damit ab, 15 Meter entfernt lässt sie sich johlend auf das Tier fallen. Eine Freundin, das Handy im Anschlag, schießt etliche Bilder. Instagram, dämmert es mir. Ich bin nicht der Einzige, der hier am Strand auf Content-Jagd ist.
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