Cuxhavens Wandel: Wie die Energiewende den Hafen prägt
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserschaft der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute geht es um die Frage: Was bleibt vom alten Cuxhaven?
Wer heute durch den Hafen fährt, sieht Dinge, die es vor wenigen Jahrzehnten hier nicht gab. Riesige Stahlkonstruktionen ragen in den Himmel, Spezialschiffe liegen an den Kais, Kräne bewegen Bauteile, die eher an Raumfahrt als an Seefahrt erinnern. Cuxhaven ist dabei, eine der wichtigsten Drehscheiben der Energiewende zu werden. Und manchmal hört man dabei die Frage: Was bleibt eigentlich vom alten Cuxhaven?
Die Frage klingt nach Sorge. Vielleicht auch nach Wehmut. Denn das alte Cuxhaven hat viele Bilder hinterlassen: Fischkutter im Morgengrauen. Netze auf den Kaianlagen. Den Geruch von Salz, Diesel und frischem Fang. Männer und Frauen, deren Arbeitsalltag vom Wetter und vom Meer bestimmt wurde. Doch Städte sind keine Museen.
Wer das alte Cuxhaven bewahren will, darf es nicht mit einem eingefrorenen Foto verwechseln. Denn auch das "alte" Cuxhaven war einmal neu. Der Hafen wurde ausgebaut. Neue Industrien kamen. Andere verschwanden. Generationen vor uns mussten ebenfalls erleben, wie sich ihre Welt veränderte.
Vielleicht liegt die eigentliche Frage deshalb woanders. Nicht: Was bleibt vom alten Cuxhaven? Sondern: Was macht Cuxhaven eigentlich aus? Sind es die Berufe? Die Gebäude? Die Schiffe? Oder ist es etwas Tieferes?
Vielleicht ist es die Verbindung zum Meer. Die Fähigkeit, vom Meer zu leben und mit seinen Launen umzugehen. Früher fuhren Menschen hinaus, um Fische zu fangen. Heute fahren andere hinaus, um Windenergie zu ernten. Das Werkzeug hat sich verändert. Die Beziehung zur See ist geblieben.
Auch die Menschen ähneln sich mehr, als man zunächst denkt. Wer auf einem Fischkutter gearbeitet hat, wusste, dass Respekt vor Wind und Wetter keine theoretische Tugend ist. Wer heute auf einer Offshore-Plattform arbeitet, weiß das ebenfalls. Die Kulisse wandelt sich. Der Charakter bleibt.
Vielleicht wird man in fünfzig Jahren auf die Windkraftanlagen genauso blicken wie heute auf die alten Fischereihäfen: als Teil der Geschichte dieser Stadt. Als Zeugnis einer Zeit, in der Cuxhaven erneut den Mut hatte, sich neu zu erfinden. Das alte Cuxhaven verschwindet also nicht einfach. Es lebt weiter - nicht in den Dingen, die sich ändern, sondern in der Haltung der Menschen, die hier zu Hause sind. Denn eine Hafenstadt ist nicht stark, weil alles bleibt, wie es ist. Sie ist stark, weil sie gelernt hat, mit den Gezeiten zu gehen.
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