Wer viel Sport treibt, wird wahrscheinlich schon mal Muskelkater gehabt haben. Symbolfoto: Britta Pedersen/dpa
Wer viel Sport treibt, wird wahrscheinlich schon mal Muskelkater gehabt haben. Symbolfoto: Britta Pedersen/dpa
Moin Cuxhaven

Die gute Seite des Muskelkaters: Warum der Schmerz unseren Körper verbessert

von Joscha Kuczorra | 21.02.2026

Seit vielen Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserinnen und Leser der Cuxhavener Nachrichten. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung und Information. Heute: der Kater, der Fortschritt bringt.

Man spürt ihn beim Aufstehen, beim Treppensteigen oder sogar beim simplen Griff nach der Kaffeetasse. So gut wie jeder hatte ihn schon mal: Muskelkater. Sei es nach dem ersten Joggen seit Monaten, nach einem euphorischen Nachmittag voller Gartenarbeit oder nach dem Streichen der Zimmerdecke. Plötzlich entdeckt man Muskeln, von denen man nicht wusste, dass sie existieren. Und sie melden sich lautstark zu Wort.

Im ersten Moment ist Muskelkater vor allem eines: unangenehm. Man bewegt sich wie ein rostiger Roboter und überlegt ernsthaft, ob Treppen nicht völlig überschätzt sind. Doch gleichzeitig steckt in diesem Schmerz eine seltsame Genugtuung. Er ist der Beweis, dass der Körper gearbeitet hat. Dass er gefordert wurde. Dass man nicht nur gesessen, sondern gelebt hat.

Muskelkater entsteht nicht durch Milchsäure, wie man früher dachte. Stattdessen entstehen bei ungewohnten oder intensiven Bewegungen winzige Risse in den Muskelfasern. Der Körper reagiert darauf mit einer Art Reparaturprogramm. Es kommt zu kleinen Entzündungsreaktionen, Wasser lagert sich ein, der Muskel schwillt minimal an. Und genau das verursacht den Schmerz.

Das Faszinierende daran: Dieser Prozess ist kein Schaden im eigentlichen Sinne, sondern ein Fortschritt. Der Muskel repariert sich nicht einfach nur, er baut sich stärker wieder auf. Er passt sich an die Belastung an, damit er beim nächsten Mal besser vorbereitet ist. Muskelkater ist also gewissermaßen der Bauplan für eine verbesserte Version von uns selbst.

Vielleicht ist Muskelkater deshalb auch eine Lektion in Geduld. Er erinnert uns daran, dass Entwicklung selten bequem ist. Dass Wachstum manchmal zwickt. Und dass der Körper ein erstaunlich lernfähiges System ist.

Mit jedem Muskelkater sagt er: Ich habe verstanden. Beim nächsten Mal bin ich stärker.

Und so gesehen ist Muskelkater nicht nur ein Schmerz. Er ist eine Nachricht. Eine kleine, unangenehme, aber ehrliche Erinnerung daran, dass Veränderung stattgefunden hat.

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Joscha Kuczorra

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