Glücksmomente jetzt wahrnehmen: Das Geheimnis liegt darin
Die beliebte Kolumne "Moin Cuxhaven" begeistert die Leser der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Auch auf cnv-medien.de sorgt sie für Unterhaltung. Heute geht es um das Glück, das wir oft zu spät wahrnehmen.
Wir sind ein Volk von Wartenden. Wir warten auf besseres Wetter, bessere Zeiten, bessere Blutwerte. Wir warten, bis die Kinder groß, die Sorgen klein und die Verhältnisse endlich übersichtlich geworden sind. Dann, so versprechen wir uns, werden wir glücklich sein.
Das Glück hat bei uns einen schlechten Terminplan. Es steht immer für später im Kalender. Nur das Leben hält sich nicht daran. Es schiebt uns neue Aufgaben auf den Tisch, kaum dass wir die alten abgeräumt haben. Und wenn ausnahmsweise einmal alles in Ordnung ist, beginnen wir uns zu fragen, wie lange das wohl anhalten wird. Der Mensch, dieses merkwürdige Geschöpf, kann sich sogar einen Sonnentag mit dem Regen von morgen verderben.
Dabei könnte das Glück längst neben uns sitzen. Beim ersten Kaffee, wenn der Herbst die Spinnweben versilbert. In einem Lied, das wir lauter mitsingen, als unsere Stimme erlaubt. Oder in einem Gespräch, bei dem wir so lachen, dass selbst die Weltlage für einen Augenblick Pause macht. Wir suchen das große Glück und übersehen dabei seine kleinen Geschwister.
Vielleicht liegt das auch daran, dass wir uns ständig verbessern sollen. Gesünder, erfolgreicher, gelassener. Selbst das Glück ist inzwischen eine Aufgabe geworden. Es wird optimiert, dokumentiert und gelegentlich mit einem Sonnenaufgangsfoto ins Internet gestellt. Als müsste man dem Leben erst einen Beweis vorlegen, bevor man es genießen darf.
Dabei ist Glück kein Gütesiegel für ein vollkommenes Leben. Es ist manchmal nur die Fähigkeit, das Gute wahrzunehmen, obwohl das Schwierige noch da ist. Wir dürfen uns nach Veränderung sehnen und trotzdem heute schon zufrieden sein. Wir dürfen Sorgen haben und dennoch lachen. Denn das Leben beginnt nicht erst, wenn alles geklärt ist. Es findet jetzt statt.
Vielleicht sollten wir deshalb die ewige Frage, was uns noch zum Glück fehlt, einmal umdrehen: Was war heute schon gut, ohne dass wir es besonders bemerkt haben? Vielleicht war es nur ein Sonnenstrahl auf dem Küchentisch. Vielleicht ein freundlicher Mensch. Das Glück muss ja nicht mit Pauken und Trompeten erscheinen. Manchmal kommt es leise daher, beinahe unverschämt bescheiden. Und während wir noch auf bessere Zeiten warten, ist es längst da.
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