Ist das ein Storch - oder sollte ich mal zum Sehtest?
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserinnen und Leser der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute: Eine neue "Vogelart".
Neulich auf der B 73 zwischen Otterndorf und Cuxhaven: Mein Blick schweift über die weiten Felder und plötzlich steht er da - der Storch. Weit weg, allein, mittendrin. Nichts Ungewöhnliches, könnte man meinen. Schließlich haben wir hier jede Menge der gefiederten Stammgäste. Was allerdings ungewöhnlich war: Der Storch bewegte sich nicht. Also gar nicht. Er stand da nur leicht gebeugt. Ich musste den Blick allerdings immer wieder von ihm lösen - ich musste mich schließlich auch auf den Straßenverkehr konzentrieren. Aber jedes Mal, wenn ich wieder hinsah: derselbe Storch, dieselbe Haltung. Irgendwann dämmerte es mir. Das war kein Storch. Das war ein schwarz-weißer Leitpfosten. Mitten auf dem Feld.
Und ich musste mir eingestehen: Ich hatte mich gerade von einem Stück Kunststoff täuschen lassen. Oder vielleicht ist das der wahre Sehtest unserer Zeit. Nicht mehr: "Können Sie die Buchstaben in der dritten Reihe lesen?", sondern: "Erkennen Sie den Unterschied zwischen einem Storch und einem Verkehrsbegrenzungspfosten auf 300 Meter Entfernung?" Man könnte jetzt natürlich sagen: Ab zum Optiker. Oder ich erkläre den Leitpfosten einfach zur neuen Vogelart. Der lateinische Name: Avis Reflectus. Er brütet bevorzugt auf Feldern, bewegt sich nie und ist besonders gut darin, Autofahrer zu täuschen. Vielleicht sehen Sie ihn ja auch bald.