Mein Leben mit Madonna und Klebestift: Die "Bravo" feiert runden Geburtstag
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserschaft der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute: 70 Jahre Bravo.
Am 26. August 1956 erschien die erste Bravo. Vor 70 Jahren also. Eine Zeitschrift, die Generationen von Jugendlichen zuverlässig mit drei Dingen versorgte: Stars, Tipps von Dr. Sommer und Gesprächsstoff für den nächsten Schultag. Für mich hatte die Bravo Mitte der Achtzigerjahre vor allem einen Namen: Starschnitt. Jüngeren Menschen muss man dieses Kulturphänomen erklären. Ein Starschnitt war gewissermaßen Instagram in sehr langsam. Woche für Woche bekam man ein Stück eines Prominenten geliefert, musste sammeln, ausschneiden und zusammenkleben. Wer heute ein Bild eines Superstars sehen will, tippt dessen Namen ins Handy. Wir brauchten dafür zwölf Ausgaben, eine Schere, Klebstoff und einen freien Sonntagnachmittag. Mein Meisterwerk war Madonna. Zwölf Teile, lebensgroß, auf Knien. Schon das Zusammensetzen hatte etwas Feierliches. Hier ein Unterschenkel, dort ein Arm, nächste Woche vielleicht ein Stück Bauch. Man lernte Geduld. Und Anatomie. Irgendwann lag Madonna vollständig auf dem Fußboden meines Jugendzimmers: rund 1,30 Meter Popgeschichte, sorgfältig an den Schnittkanten zusammengefügt. Dann kam der große Augenblick: Sie wurde an die Wand geklebt. Damit war das Zimmer praktisch neu möbliert. Heute sind Stars ständig verfügbar, in jeder Pose, jeder Auflösung, auf jedem Bildschirm. Vielleicht war der Starschnitt gerade deshalb etwas Besonderes: Man musste sich seinen Star noch erarbeiten.
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