Nicht jede Lampe muss brennen
Die beliebte Kolumne "Moin Cuxhaven" begeistert die Leser der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Auch auf cnv-medien.de sorgt sie für Unterhaltung. Heute geht es um Selbstachtung durch bewusstes Ausschalten unnötiger Gedanken.
Es gibt Häuser, in denen brennt nachts noch Licht, obwohl längst niemand mehr wach ist. In der Küche, im Flur, vielleicht in einem Zimmer, das seit Jahren nicht mehr benutzt wird. Man hat sich daran gewöhnt. Licht an heißt schließlich: Alles in Ordnung.
Auch unser inneres Haus ist manchmal so beleuchtet. Nur dass wir dort nicht auf den Lichtschalter drücken, sondern auf Erinnerungen, Sorgen und alte Gespräche. Da brennt noch eine Lampe für den Satz, den jemand vor drei Tagen gesagt hat. Eine andere für das Gespräch, das längst beendet ist, aber in unserem Kopf zuverlässig in die Verlängerung geht. Irgendwo oben das Licht der Sorge: Was könnte passieren? Was wird aus diesem oder jenem? Dabei ist Aufmerksamkeit eine merkwürdige Währung. Wir geben sie ständig aus, oft ohne zu merken, dass wir längst über unsere Verhältnisse leben.
Vielleicht wäre es deshalb manchmal klug, durch das eigene innere Haus zu gehen und ein paar Lichter auszuschalten. Nicht aus Gleichgültigkeit. Sondern aus Selbstachtung. Nicht jeder Gedanke verdient eine ganze Etage. Nicht jede Sorge braucht einen Dauerplatz. Und manches Problem kommt auch ganz gut ohne unseren nächtlichen Bereitschaftsdienst aus.
Hier an der Küste weiß man das eigentlich: Wenn das Wattenmeer bei Ebbe das Licht zurückwirft, braucht es keine Lampen mehr. Es leuchtet ganz von selbst. Vielleicht sollte heute Licht bleiben, wo wir wirklich zu Hause sind. Bei einem Menschen, den wir lieben. Bei etwas, das uns Freude macht. Oder, ganz revolutionär, bei uns selbst. Und wenn es dadurch ein wenig dunkler wird? Vielleicht sehen wir dann endlich die Sterne. Einen hellen Montag.
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