Vor dem Anpfiff sind alle Experten
Seit Jahren begeistert die Kolumne "Moin Cuxhaven" die Leserinnen und Leser der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung. Inzwischen sorgt die Rubrik auch auf cnv-medien.de für Unterhaltung. Heute: Die Bundestrainer bringen sich in Position.
Es geht wieder los. In wenigen Wochen beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft. Spätestens seit Mitte dieser Woche bringen sich Millionen von Menschen in Position. Für die nächsten Wochen rückt der eigentliche Job in den Hintergrund. Das Land braucht sie nach eigener Einschätzung dringender an anderer Stelle. Egal ob Handwerker, Feuerwehrleute oder Krankenpfleger - ab sofort sind sie alle Fußball-Bundestrainer. Der eigentliche Jobinhaber Julian Nagelsmann bekommt damit viel Unterstützung. Ob er will oder nicht. Das ist nicht neu, dieses Schicksal ereilte auch schon seine Vorgänger. Doch was früher in Kneipen am Tresen oder in Deutschlands Wohnzimmern besprochen wurde, wird heutzutage ungefiltert ins Netz geschrieben. Gefühlt hat jeder eine ganz besondere Meinung, die er unbedingt der Welt mitteilen muss. Bei der Kadernominierung wurde jeder Spieler kleinteilig bewertet und in Frage gestellt. Warum Leroy Sané und nicht Said El Mala? Wie kann man Manuel Neuer zurückholen? Und wo ist bitteschön Europa-League-Finalist Matthias Ginter in der Liste zu finden? Fragen über Fragen, doch die Kaderplätze sind nun mal begrenzt. Am Ende muss Julian Nagelsmann mit seinem Team dafür geradestehen. Wenn es läuft, ist Nagelsmann der Macher, wenn es nicht läuft, ist er das große Problem. Auch nichts Neues. Auch vor der Weltmeisterschaft 2014 gab es diese Diskussionen. Damals stand Joachim Löw in der Verantwortung. Auch er musste sich viel Kritik gefallen lassen, warum er zum Beispiel nicht Mario Gomez mitgenommen hat, dafür aber den angeschlagenen Sami Khedira. Das Ergebnis sollte allen bekannt sein. Deutschland wurde Weltmeister. Ob Deutschland in diesem Jahr auch um den Titel mitspielen kann, wird sich zeigen. Nach dem Turnier sind wir schlauer. Denn das hat uns die Vergangenheit gelehrt: Fußball wird immer von hinten erzählt. Am Ende geht es um das nackte Ergebnis - dann ist es in der öffentlichen Wahrnehmung fast egal, wie das Spiel vorher lief. Vielleicht liegt genau darin die Faszination des Fußballs: Vor dem ersten Anpfiff hat jeder seine eigene Wahrheit. Erst Wochen später entscheidet das Ergebnis darüber, wer als Experte gilt - und wer angeblich schon immer alles besser wusste. Bis dahin bleibt nur eines: diskutieren, hoffen und mitfiebern.
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