Ein Hauch von Hyrox in Wanna: Das erste "High Race" - mit Teilnehmern im hohen Alter
Große Treckerreifen, schwere Gewichte, ganz normale Sit-Ups. Was sich wie eine wilde Kombination anhört, war am Sonnabend Realität in Wanna. Bei der ersten Ausgabe des "High Race" stellten sich Fitness-Begeisterte Kraft- und Ausdauerübungen.
Von Tobias Flottmann
Während die ersten erfolgreichen Sportler schon durchs Ziel laufen, werden ein paar Stationen weiter noch Reifen umgeworfen, 20-Kilo-Säcke getragen und Bälle hochgeworfen. Glückliche und gleichzeitig schmerzverzerrte Gesichter prägen an diesem Tag den Sportplatz in Wanna.
Es war das erste Mal, dass der TSV Wanna das "High Race" veranstaltet hat. Die Idee einer Abwandlung des Fitness-Wettkampfs "Hyrox" entstand in der Abteilung für HIIT (High-Intensity Interval Training) im Verein. 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gingen an den Start, um ihren Körper an die Grenzen zu bringen. Zu Beginn der Veranstaltung stellte der Nieselregen die Athleten vor eine weitere Herausforderung. Im Laufe des Tages klarte das Wetter jedoch auf.

Verschiedene Fitnessübungen
An acht Stationen absolvierten die Sportler verschiedene Fitnessübungen. Diese enthalten beim "High Race" in Wanna ein gewisses Dorf-Flair. Neben gewöhnlichen Fitness-Aufgaben wie Ausfallschritten mit Gewichten oder Sit-Ups mussten die Teilnehmer beispielsweise einen etwa 90 Kilogramm schweren Treckerreifen über zwölf Meter bewegen, indem sie ihn mehrfach "flippen" oder beim sogenannten "Farmers Carry" Holzgestelle mit Gewicht trugen. Teils wurden die Stationen und Geräte selbst gebaut. Unterstützung gab es dabei aus dem Dorf. Zwischen den Stationen liefen die Athleten dann entweder 500 oder 1000 Meter über den Schulhof der Grundschule Wanna.

Positive Bilanz nach Ungewissheit
Weder die Sportler noch die Verantwortliche Jenny Hamcke wussten so ganz, was auf sie zukommt. "Das erste Mal ist gruselig", gestand die zweite Vorsitzende des TSV Wanna. Im Nachhinein zeigte sie sich glücklich: "Wir waren sehr zufrieden und haben uns riesig über die positiven Rückmeldungen gefreut", so Hamcke. Besonders dankbar war sie über die ungefähr 50 bis 60 Helfer, die das Fitness-Highlight erst möglich gemacht haben. "Die sind alle aus dem Dorf und jeder hilft", freute sie sich. An den Stationen dienten die Helfer nicht nur als Kontrollinstanz, sie motivierten die Teilnehmer, wenn die Kräfte anfingen zu schwinden: "Komm!", "Weiter, zieh durch!" oder "Nur noch ein paar Meter!", gab es von ihnen immer wieder zu hören.

Glücklich und erschöpft im Ziel
Auch das Organisationsteam ging an den Start. Kristin Budau, die im Vorhinein mithalf, die Veranstaltung zu ermöglichen, nahm zusammen mit Corinna Pries die Herausforderung an. "Auch wenn man es mitorganisiert hat, wusste man nicht, was einen erwartet", gab die 35-Jährige zu. Ziel der Beiden war es, den Parcours in unter einer Stunde zu schaffen. Nach knapp 56 Minuten liefen sie strahlend über die Ziellinie, wo sie von Freunden und Familie in Empfang genommen wurden. Für Veranstalterin Hamcke sind diese Momente mit das Schönste am Event. Angekommen im Ziel, überreichte jemand aus dem Helferteam den erschöpften Sportlern sofort ihre Medaille. Anschließend durften sie sich auf der "Finisher-Wand" verewigen.

Große Begeisterung der Teilnehmer
Ob sie alleine oder zu zweit an den Start gingen, war den Fitness-Begeisterten selbst überlassen. Auch die Möglichkeit eines Mixed-Doppels war gegeben. An den Stationen mussten dann die für Männer vorgesehenen Gewichte verwendet werden. Annette Krauss und Matthias Walther stellten sich dieser Herausforderung. So richtig wussten sie an der Startlinie nicht, was sie erwartete. Ursprünglich kommen sie aus dem Ausdauersport und haben schon angesehene Triathlon-Wettbewerbe abgeschlossen. Ihr Ziel: "Einfach dabei sein. Wir wollen das unterstützen, weil es einfach mega cool ist", so Walther.

Mit 67 und 70 den Parcours geschafft.
Zum Helferteam gehörten auch Verwandte von Jenny Hamcke. "Eigentlich ist meine ganze Familie mit dabei", lachte sie. Auch ihr Schwiegervater, Hans-Peter Hamcke, ging zusammen mit Wolfgang Ditmer an den Start. Mit 67 und 70 Jahren waren sie beiden TSV-Mitglieder die ältesten Teilnehmer. Nach einer Stunde und elf Minuten überquerten sie unter großem Jubel der Zuschauer die Ziellinie. Nur minimal verpassten sie ihr eigentliches Ziel von einer Zeit unter einer Stunde und zehn Minuten. Überglücklich waren sie trotzdem: "Man kann zufrieden sein, dass man es geschafft hat", findet Hamcke. "Gemeinschaftlich", ergänzt Mitstreiter Ditmer.

Nächstes "High Race" schon in Planung
In den Gesichtern der Teilnehmer war selbst während der anstrengenden Aufgaben meist ein Lächeln zu sehen. "Dass alle so gut drauf sind" freute Jenny Hamcke sehr. Von den meisten kam direkt die Rückmeldung, nächstes Jahr wieder mit dabei sein zu wollen. Der Plan sei es, das "High Race" fest im Vereinskalender zu verankern. Für 2027 laufen schon die Planungen für die zweite Auflage. An der Unterstützung im Verein und im Dorf wird es nicht scheitern. Da ist sich Jenny Hamcke nach der gelungenen Premiere sicher.

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