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Der starke Wind zwingt zum Umplanen. "Neu-Neuwerk", ein Miniaturleuchtturm, angelehnt an das Original, markiert den neuen Wendepunkt.
Der starke Wind zwingt zum Umplanen. "Neu-Neuwerk", ein Miniaturleuchtturm, angelehnt an das Original, markiert den neuen Wendepunkt.
Kurzfristige Umstrukturierung

"Man läuft so ins Ungewisse": Das war der Red-Bull-Wattlauf 2026 in Cuxhaven

21.09.2026

Der Red-Bull-Wattlauf 2026 in Cuxhaven fordert die Teilnehmer heraus. Mit Wind, Wasser und Schlick kämpfen sie sich durch das Wattenmeer und erleben ein außergewöhnliches Rennen, das mit neuem Wendepunkt überrascht. Der Tag im Rückblick. (mit Video)

Der Boden gibt nach, Wasser spritzt, der Wind peitscht ins Gesicht. Draußen wartet die Flut. Rund 1500 Läuferinnen und Läufer haben sich beim Red-Bull-Wattlauf 2026 ins Wattenmeer gestürzt. Schon nach den ersten Metern wird deutlich: Dieser Lauf ist ein Kampf gegen Schlick, Wind und Wasser, gegen die Uhr und vor allem gegen sich selbst.

Einer der Starter ist Florian Neuschwander. Der 45-Jährige aus Inzell (Bayern) läuft seit drei Jahrzehnten und ist längst Profi. Seine Welt sind die langen Distanzen, darunter der legendäre 100-Meilen-Lauf Western States in den USA. Sein Trainingsprinzip lautet: jeden Tag Sport. Für den Wattlauf trainierte er in Holland und bereitete sich am Strand bei Gegenwind auf Cuxhaven vor. Seit sechs Jahren lebt Neuschwander vegan. Von sich selbst sagt er: "Ich fühle mich topfit."

Was ihm der Profisport gibt, beschreibt Neuschwander vor allem mit Freiheit. Er liebe es, einfach loszurennen. 2013 wurde er Vizeweltmeister im Ultra-Trail. In Cuxhaven ist er zum zweiten Mal dabei. Besonders fasziniert ihn die Weite des Watts: Ins Nichts hineinzulaufen, sei ein völliger Gegensatz zu seiner Heimat in den Bergen.

Florian Neuschwander (45) aus Inzell (Bayern) läuft seit drei Jahrzehnten und ist längst Profi. Er gewinnt die Kurzstrecke beim Red Bull Wattlauf 2026.

Auch David Schönherr kennt die Härten langer Läufe. Der 37-Jährige aus Münster (Nordrhein-Westfalen) ist Ultraläufer, Physiotherapeut und Sportwissenschaftler. Er bereitet sich mit vielen Ausdauerläufen vor und setzt bei der Ernährung auf Ausgewogenheit statt auf Pulver und Nahrungsergänzung. Dreimal gewann Schönherr den Wings-for-Life-World-Run in München.

Auch er wollte das Watt zunächst kennenlernen: Schuhe, Untergrund und die besonderen Bedingungen. Denn hier gelten andere Regeln als auf Asphalt, Waldwegen oder im Gebirge. Was ihn reizt, sind die Weite, die Frachter am Horizont und die ungewöhnliche Vorstellung, vom Festland in Richtung Insel zu laufen.

Lukas Müller, 24, aus München (Bayern), ist ebenfalls am liebsten in Bewegung. Laufen und Radfahren gehören zu seinem Alltag, Krafttraining ergänzt sein Programm. Sein größtes sportliches Highlight war bislang der Ironman Hamburg, auf den er sich sieben Monate lang mit rund 25 Trainingsstunden pro Woche vorbereitete. Als Social-Media-Influencer verbindet er Sport und Beruf. Was ihn am Watt fasziniert? "Man läuft so ins Ungewisse." Genau darin liegt für ihn der Reiz.

Zwischen Nordseeluft und müden Beinen: Teilnehmerinnen und Teilnehmerlaufen bei Cuxhaven durch das Watt.

Im Lauf selbst werden die Unterschiede zwischen den Athleten nebensächlich. Schlick und knietiefes Wasser bremsen die Beine, Böen schlagen ins Gesicht. Stimmen aus dem Feld werden zum gemeinsamen Antrieb.

Eigentlich sollte der Weg wieder bis zur Insel Neuwerk führen. Doch das Wetter schreibt seine eigene Geschichte. Kräftiger Westwind hat große Wassermengen in die Südwestseite der Deutschen Bucht gedrückt. Die Flut kommt früher als erwartet. Aufgeben ist keine Option. Also wird umgedacht: "Dann bauen wir uns einfach unsere eigene Insel."

Die Idee des Veranstalters BSP wird Realität. "Neu-Neuwerk" entsteht: Ein Miniaturleuchtturm, angelehnt an das Original, markiert den neuen Wendepunkt.

20,3 Kilometer, Gegenwind und jede Menge Wattliebe: Auch die Unterstützung darf beim Wattlauf nicht fehlen.

Der Start wird auf 13 Uhr verschoben. Vom "Tracking Gate" im Stadion am Meer geht es hinaus: Wasser, Schlick, Priele, Wind und die Flut. Jeder Schritt muss sitzen. Die Beine brennen. Dann taucht der Wendepunkt auf: "Neu-Neuwerk". Für einen Augenblick ist der Kampf gewonnen.

Der Red-Bull-Wattlauf 2026 zeigt, was diesen Lauf außergewöhnlich macht. Wer durch das Watt läuft, nimmt mehr mit als eine Zeit auf der Uhr: Stolz auf den eigenen Körper, auf den eigenen Willen und darauf, weitergemacht zu haben. Das Keuchen weicht dem Lachen, die Erschöpfung der Freude.

Auf der Langstrecke über 20,3 Kilometer triumphiert Eric Ole Völkening in 1:24:49 Stunden. Bei den Frauen gewinnt Deike Keilers-Burkhardt in 1:37:53 Stunden. Die Premiere der neuen Kurzstrecke über 8,3 Kilometer entscheiden Florian Neuschwander und Marie Heymann für sich.

Siegerehrung: Auf dem zweiten Platz landen Marten Grube (v.l.) und Marie-Madeleine Lüders. Erste werden Deike-Keilers-Burkhardt und Eric Ole Völkening. Den dritten Platz sichern sich Franz-Josef Ismaier und Sandra Sahlmann.

"Die größte Herausforderung war heute ganz klar der Wind", sagt Völkening. "Gegen die Böen anzulaufen, hieß einfach: Kopf aus und durch." Deike Keilers-Burkhardt beschreibt das Erlebnis ähnlich emotional: "Im Watt fühlt man sich ein bisschen wie ein kleines Kind, das durch den Matsch läuft. Genau das macht so viel Spaß." Jobst von Paepke von BSP Media zieht ebenfalls eine positive Bilanz: "Trotz widrigsten Wetters hatten wir ein großartiges Erlebnis für die Läuferinnen und Läufer."

So wird Neu-Neuwerk 2026 zur Geschichte eines Rennens, das sich sein eigenes Ziel geschaffen hat: eine eigene Insel, einen eigenen Wendepunkt und eine Geschichte, die bleibt.

Von Joachim Tonn

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