Nordholzer Lukas Ney gewinnt alles - doch beim Saisonfinale platzt der Titeltraum
Lukas Ney aus Nordholz dominiert die Rallycross-Saison und reist als Favorit zum Finale nach Oschersleben. Doch ein Lagerschaden beendet seinen Titelkampf, bevor das erste Rennen überhaupt begonnen hat. Die Enttäuschung sitzt tief.
Lukas Ney aus Nordholz dominiert die Rallycross-Saison und reist als Favorit zum Finale nach Oschersleben. Doch ein Lagerschaden beendet seinen Titelkampf, bevor das erste Rennen überhaupt begonnen hat. Die Enttäuschung sitzt tief - ans Aufhören denkt der 39-Jährige trotzdem nicht.
Manchmal reicht ein einziger Moment, um eine ganze Saison auf den Kopf zu stellen. Monatelang arbeitet man auf ein Ziel hin, gewinnt Rennen, sammelt Punkte und lässt die Konkurrenz hinter sich. Der Titel ist zum Greifen nah. Und dann ist plötzlich alles vorbei. Nicht, weil die Leistung nicht reicht, sondern weil die Technik streikt.
Lukas Ney aus Nordholz weiß inzwischen, wie sich das anfühlt. Der Rallycrossfahrer hatte in der Deutschen Rallycross-Meisterschaft (DRX) eine Saison nach Maß hingelegt. Mit seinem Škoda Fabia gewann er Vorläufe und Rennen, fuhr die maximale Punktzahl ein und setzte sich in der Klasse Super 1600 (RX3) an die Spitze. Vor dem letzten Rennwochenende in Oschersleben war der Meistertitel in Reichweite. Doch ausgerechnet beim großen Finale machte ihm ein Motorschaden einen Strich durch die Rechnung. "Dass das bei so einem Rennen passiert, ist natürlich bitter - und ist es immer noch", sagt der 39-Jährige. Die Enttäuschung ist auch im Rückblick noch zu hören. "Ich war echt enttäuscht, weil ich alles dafür getan habe."
Dabei hatte das Jahr kaum besser beginnen können. Im April ging Ney, Mitglied des Sportfahrer Clubs Cuxhaven im ADAC-Team Weser-Ems, mit 15 Klassen-Konkurrenten in die Saison. Der Auftakt auf dem Estering in Buxtehude war für ihn ein Heimspiel. Gleich am ersten Rennwochenende ließ er keinen Zweifel daran, dass mit ihm zu rechnen ist. Er gewann sämtliche Vorläufe und Rennen. Auch beim nächsten Lauf am Pfingstwochenende in Gründau in Hessen und anschließend im niederländischen Valkenswaard lief alles nach Plan.
Der Nordholzer knüpfte damit an seine Erfolge aus dem Vorjahr an, als er die Gesamtwertung seiner Klasse gewonnen und sich den Vizetitel in der DRX-Gesamtwertung gesichert hatte. Sein bewährter Škoda Fabia schien auch diesmal das perfekte Auto zu sein. Während andere um Punkte kämpften, fuhr Ney von Erfolg zu Erfolg. Ein für August geplantes Rennwochenende in Schlüchtern fiel wegen Waldbrandgefahr aus. Damit richtete sich der Blick auf das Finale im Oktober.

In der Motorsport Arena Oschersleben wartete eine Premiere: Erstmals sollte dort ein Rallycross-Rennen ausgetragen werden. Auch für Ney war die Strecke Neuland. "Das Training war gut und ich bin Erster geworden", erzählt er. Eigentlich ein Auftakt, wie ihn sich ein Titelkandidat nur wünschen kann. Doch schon während des Zeittrainings bemerkte er, dass etwas nicht stimmte. "Ich habe schon gesehen, dass der Öldruck ziemlich geschwankt hat." In der Box bestätigte sich der Verdacht: Der Motor hatte einen Lagerschaden. Ein Start war damit ausgeschlossen. Weiterzufahren hätte den Motor womöglich vollständig zerstört.
So endete der Titelkampf für Ney, bevor das erste Rennen des Finalwochenendes überhaupt begonnen hatte. Besonders bitter war die Ausgangslage: Ney war bis dahin ohne Punktverlust durch die Saison gekommen. Im Kampf um den Gesamtsieg der Meisterschaft hatte er sich mit Dietmar Brandt im VW Golf, der in der Klasse DRX1 antrat, die Idealpunktzahl von jeweils 170 Zählern geteilt. Alles war offen. Doch Lukas Ney stand eben in der Box statt an der Startlinie.
Abgereist ist er an diesem Wochenende trotzdem nicht. Er blieb bis zum Ende, erlebte die Meisterfeier und nahm zumindest noch eine Platzierung mit: In der Gesamtwertung der Deutschen Rallycross-Meisterschaft wurde er Dritter. Auch aus anderen Ländern erreichten ihn Nachrichten. Motorsportfreunde aus ganz Europa meldeten sich, um ihm ihr Mitgefühl auszusprechen. Trotzdem ist Oschersleben für Ney kein Ort, den er möglichst schnell vergessen möchte. Im Gegenteil. "Nächstes Jahr komme ich auf jeden Fall wieder nach Oschersleben, ich habe schließlich noch eine Rechnung offen."
Derzeit ist der Motor seines Škoda ausgebaut und wird bei einem Tuner wieder instandgesetzt. Ob Ney in der kommenden Saison noch einmal mit dem Auto antritt, ist allerdings offen. Er möchte den Fabia verkaufen, denn seine sportlichen Pläne reichen inzwischen über die bisherige Klasse hinaus. "Ich möchte mehr internationale Rennen in einer anderen Klasse fahren. Dafür brauche ich ein anderes Auto."
Im November steigt Ney wieder in den 3-Stunden-Cup in Österreich ein. Bis Februar stehen dort sechs Rennen auf dem Programm. Es geht ihm dabei nicht nur darum, im Rennrhythmus zu bleiben. Er will Daten sammeln und sich fahrerisch weiterentwickeln. Und dann wird im nächsten Jahr wieder angegriffen.
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