Nordseewoche vor Helgoland: Wenig Wind, dafür viel Sonne
Mit seiner neuen Yacht "Avanti" hat Andreas Wulf bei der Nordseewoche die ersten Wettfahrten bestritten. Für den erfahrenen Cuxhavener Segler stand dabei nicht nur der sportliche Erfolg im Mittelpunkt.
Für den Cuxhavener Segler Andreas Wulf war es eine besondere Nordseewoche. Seine nigelnagelneue Avanti feierte Premiere - zumindest auf Wettfahrtebene. Erst vor wenigen Wochen hat er das elf Meter lange Boot aus Frankreich abgeholt. Aufgeregt ist Wulf nicht, dafür ist er schon zu lange dabei. Als Neunjähriger begann er mit dem Segeln, seitdem hat ihn die Faszination nicht losgelassen. Auf der Nordseewoche ist er nach eigenen Schätzungen schon zwischen 45 und 50 Mal mitgesegelt. "Ich segel mein Leben lang", sagt Wulf am Abend vor seiner ersten Wettfahrt an diesem Wochenende. An insgesamt vier Rennen nimmt er an diesem langen Wochenende teil. "Ich freue mich einfach, dass es diese Wettfahrt gibt", sagt er. Im vergangenen Jahr feierte die Nordseewoche ihren 100. Geburtstag. Die Nordseewoche hat Tradition - nicht nur im Hause Wulf. Auf der Zubringerfahrt nach Helgolang am Sonnabendmorgen geht der Cuxhavener mit seiner fünfköpfigen Crew in der letzten Startgruppe auf Tour. Nach 3:23:53 Stunden erreicht er die Hochseeinsel als Zehnter. Eine solide Zeit. "Wir haben auch schon mal neun Stunden nach Helgoland gebraucht", sagte er vor dem Start mit einem Schmunzeln im Gesicht. An diesem Wochenende herrschen für die Segler vernünftige Bedingungen - auch wenn der Wind stärker hätte sein können. Die sogenannte Sundowner-Wettfahrt am Freitagabend von Wedel nach Cuxhaven wurde daher deutlich verkürzt gestartet und gewertet. Anfangs kamen die Yachten noch gut voran, doch im Verlauf des Abends schlief der Wind zunehmend ein. Ähnliche Befürchtungen hatte die Wettfahrtleitung auch für die Rennen am Sonnabend. Die Strömung half den Crews aber gut weiter, der Wind ließ allerdings wieder nach. Die Wettfahrtleitung hatte die Windverhältnisse kontinuierlich im Blick. So wurde auch der Noblex-Cup von Cuxhaven nach Helgoland verkürzt und auf der Bahn gezeitet. Die meisten Segler störte dies nicht. Abgesehen von der Windflaute herrschten perfekte Bedingungen mit ganz viel Sonnenschein. "Wenn ich es mir aussuchen könnte, dann lieber so", sagte Wulf.

Er kenne auch das Segeln unter Schwerwetter. "So ist es doch für alle traumhaft", sagt er. Denn für ihn ist das Segeln weitaus mehr als nur Wettkampf. Es ist auch ein gewisses Gefühl von Freiheit. "Man lässt viel hinter sich. Es ist eine ziemliche Entschleunigung", sagt er. Anstrengen müsse man sich trotzdem. Gerade bei den Wettfahrten wie der Nordseewoche. Die großen Segelflächen auf seiner "Avanti" sind mit reiner Muskelkraft zu bedienen. "Wir haben keine Kraftunterstützung durch Hydraulik oder Elektrik", so Wulf. Das 40 Kilogramm schwere Segel muss per Hand rund 16 Meter in die Höhe gezogen werden. "Nach der Fahrt weiß man, was man getan hat", sagt Andreas Wulf. Am Ende des Tages überwiegt aber die Freude beim Segeln. Bei den anderen Wettfahrten landet Wulf auf den Plätzen neun (Capitell-Cup) und drei (Helgoländer Acht). Am späten Sonntagnachmittag ging es dann für die "Avanti" zurück nach Cuxhaven. Insgesamt 17 andere Boote sind zu dieser Zeit auf der Langstreckenregatta Pantaenius Rund Skagen. Alle zwei Jahre ist sie Teil der Nordseewoche. Auch 2026 gehört diese Langstreckenregatta wieder zu den Höhepunkten vieler Offshore-Crews. Der erste Teil führt über die Nordsee Richtung Skagen, dann geht es durch die dänische Inselwelt Richtung Kiel - dem Zielhafen. Erst die offene Nordsee, dann die dänische Inselwelt. Erst Offshore-Härte, dann Feingefühl im Revier. Diese Kombination macht Pantaenius Rund Skagen so besonders. Die Bestzeit für diesen 510-Seemeilen-Klassiker liegt bei 43 Stunden und 46 Minuten. Der Rekord ist schon 26 Jahre alt. Ob er in diesem Jahr geknackt werden kann?
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