Segler Gordon Nickel peilt bei der EM den nächsten großen Coup an
Gordon Nickel, herausragender Steuermann im ORC-Seesegeln, strebt nach zwei Deutschen Meistertiteln nun bei der Europameisterschaft in Klaipėda den Sieg an.
Wenn andere ihr Wochenende planen, hat Gordon Nickel längst schon wieder seine Segeltasche gepackt und ist auf dem Weg zur nächsten Regatta. Der 31-Jährige gehört inzwischen zu den gefragten Steuermännern im internationalen ORC-Seesegeln. Nach zwei Deutschen Meistertiteln innerhalb weniger Wochen wartet jetzt der Saisonhöhepunkt: die Europameisterschaft im litauischen Klaipėda.
Mal geht es nach Kiel, mal nach Warnemünde - und bald eben auch nach Litauen. Seit April ist der 31-Jährige nahezu ununterbrochen unterwegs. Nur zwischendurch kehrt der gebürtige Cuxhavener in sein Zuhause im Kreis Stade zurück oder besucht seine Eltern in Cuxhaven. "Ich springe im Moment von Event zu Event", sagt Gordon Nickel. Der Kalender ist voll - so voll, dass er inzwischen sogar Anfragen ablehnen muss. "Es sind einfach zu viele." Dass internationale Teams den 31-Jährigen verpflichten möchten, kommt nicht von ungefähr. Mit seinen Erfolgen der vergangenen Jahre hat sich Gorden Nickel in der internationalen ORC-Szene einen hervorragenden Ruf erarbeitet.
Wenn zwischen den Regatten doch einmal ein paar freie Tage bleiben, zieht es Gordon Nickel oft zurück nach Cuxhaven. Dort trifft er seine Eltern - und tauscht das Segelboot gegen den Golfschläger. "Das ist mein Ausgleich, dabei bekomme ich den Kopf frei." Gerade in einer Saison mit vielen Wettkämpfen seien solche Momente wichtig, um neue Energie zu tanken. Im Winter wechselt der studierte Nautiker dann ohnehin das Deck. Wenn die Segelsaison beendet ist, arbeitet er für mehrere Monate als Offizier auf einem Kreuzfahrtschiff, bevor im Frühjahr die nächste Regattasaison beginnt.
Den Grundstein für seinen bisherigen Erfolg legte Gordon Nickel im vergangenen Jahr. Bei der ORC-Weltmeisterschaft im estnischen Tallinn segelte er auf der dänischen XR 41 "DIXI 5" um Skipper Erik Stannow als Mitglied der Kerncrew zum Vizeweltmeistertitel in der Klasse B.

In dieser Saison folgte der nächste Schritt. Bei der Kieler Woche steuerte Nickel die XR 41 "Niramo" des dänischen Eigners Søren Arleth zum Titel des Internationalen Deutschen Meisters im Inshore-Seesegeln. Lange Zeit zum Feiern blieb allerdings nicht. Wenige Wochen später gewann der Cuxhavener bei der Warnemünder Woche erneut die Deutsche Meisterschaft - diesmal auf der "DIXI 5".
Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass Gordon Nickel die beiden Meistertitel mit zwei unterschiedlichen Booten und zwei verschiedenen Spitzenteams gewann. Im leistungsstarken ORC-Seesegeln ist das alles andere als selbstverständlich und unterstreicht den Stellenwert, den sich der 31-Jährige inzwischen erarbeitet hat. Er wird von verschiedenen internationalen Teams als Steuermann und taktischer Kopf verpflichtet.
Jetzt richtet sich der Blick auf den Saisonhöhepunkt. Bei der ORC-Europameisterschaft im litauischen Klaipėda geht Nickel erneut mit der "Niramo" an den Start. Nach den Erfolgen der vergangenen Monate reist das Team mit hohen Erwartungen an. "Ein Podium ist Pflicht. Aber eigentlich fahren wir hin, um zu gewinnen", sagt Gordon Nickel. Bis dahin stehen noch intensive Trainingseinheiten auf dem Programm. Neben der Arbeit auf dem Wasser hält sich der Cuxhavener mit Radfahren, Laufen und Padel fit. Mindestens genauso wichtig sei die Regeneration. "Man muss auf seine Erholung aufpassen, damit es zum Ende keinen Leistungsabfall gibt." Die körperliche Fitness sei das eine, sagt Gordon Nickel. Entscheidend sei aber auch, über die gesamte Regatta hinweg die Konzentration hochzuhalten. Die Voraussetzungen stimmen also. Nach dem Vizeweltmeistertitel im vergangenen Jahr und zwei Deutschen Meisterschaften innerhalb weniger Wochen zählt Gordon Nickel zu den deutschen Seglern, die bei der Europameisterschaft mit berechtigten Medaillenhoffnungen an den Start gehen.
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