Wind, Gleichberechtigung und starke Zeiten: Das war der Küstenmarathon in Otterndorf
Beim 26. Küstenmarathon in Otterndorf triumphierten über 1800 Läuferinnen und Läufer. Internationale Athleten und lokale Favoriten trotzten Wind und Regen, während das Event mit fairen Prämien für Frauen und Männer punktete.
Der Wind war der unliebsame Begleiter beim 26. Sparkassen Küstenmarathon zum Weltkindertag in Otterndorf. Besonders am Deich blies es den mehr als 1800 Läuferinnen und Läufern kräftig entgegen. Schnelle Zeiten waren dadurch schwieriger zu erreichen. Trotzdem gab es spannende Rennen, starke Leistungen der Lokalmatadoren und eine besondere Botschaft abseits der Strecke.
Mehr als 2100 Läuferinnen und Läufer waren gemeldet - ein absoluter Melderekord. 1802 Läufer sowie 280 Bambinis gingen letztendlich an den Start, 1790 erreichten das Ziel: "Das ist das beste Ergebnis, das wir je hatten", freut sich Annette Butzke aus dem Küstenmarathon-Organisationskomitee.
Über die Königsdisziplin, den Marathon, setzte sich Paul Langkop vom SC Melle in 2:47:22 Stunden durch. Bei den Frauen gewann Judith Gnade vom 1. Marinekuttergeschwader in 3:41:58 Stunden. Für die als Favoritin gestartete Florentine Beese nahm das Rennen dagegen nicht das erhoffte Ende: Die 25-Jährige lag lange Zeit an der Spitze, musste den Marathon letztlich aber aufgeben.
Auch auf der Halbmarathon-Distanz war das Rennen von anspruchsvollen Bedingungen geprägt. Der Äthiopier Moges Dargie Mengesha, der im vergangenen Jahr noch den 10-Kilometer-Lauf in Otterndorf gewonnen hatte, setzte sich diesmal über 21,1 Kilometer durch. Er benötigte 1:06:05 Stunden. Bei den Frauen gewann Lara Huneke vom ATS Buntentor Bremen in 1:28:44 Stunden.
Der angekündigte Dreikampf an der Spitze fiel dabei zumindest zeitlich etwas deutlicher aus als erwartet. Yannick Michiels, der belgische World-Games-Goldgewinner im Orientierungslauf, kam nach 1:09:28 Stunden als Dritter ins Ziel. "Der Wind war heftig", sagte Michiels anschließend. Ein kurzer, aber kräftiger Regenschauer habe ihn zusätzlich überrascht. Eine schnellere Zeit sei unter diesen Bedingungen nicht drin gewesen.
Der Wind machte auch den Läuferinnen und Läufern auf den anderen Strecken zu schaffen. Besonders am Deich blies es kräftig. Das bekam unter anderem Thorsten Unruh vom TSV Ihlienworth zu spüren. Er konnte sich zunächst sogar an die schnelle Svenja Pingpank hängen. Irgendwann musste er jedoch abreißen lassen. "Der Wind am Deich war echt heftig", sagte Unruh, der in 36:13 Minuten Zweiter über zehn Kilometer wurde.
Den Sieg über diese Distanz holte sich der Äthiopier Yihun Fantahun Gezahign. Der Vorjahressieger über 25 Kilometer blieb in 29:56 Minuten als einziger unter der 30-Minuten-Marke. Bei den Frauen wiederholte Svenja Pingpank ihren Erfolg aus dem Vorjahr. Die Läuferin von Hannover Athletics gewann in 35:11 Minuten - und legte anschließend noch einmal nach: Auch über fünf Kilometer war sie nicht zu schlagen. Dort siegte sie in 17:03 Minuten.
Bei den Männern über fünf Kilometer setzte sich Filimon Gezae von der LG Bremen-Nord in 15:34 Minuten durch. Damit knüpfte er an seine starken Auftritte in Otterndorf an.
Starke Cuxland-Ergebnisse
Auch die Läuferinnen und Läufer aus der Region mischten bei den Entscheidungen vorne mit. Rieke Hülsen vom TSV Otterndorf kam im Marathon als Dritte nach 3:50:24 Stunden ins Ziel. Im Halbmarathon belegte Kerstin Ziebell vom TSV Ihlienworth den zweiten Platz.
Über zehn Kilometer wurde Thorsten Unruh Zweiter, Marie Stoppkotte vom TSV Otterndorf belegte bei den Frauen Rang drei. Auch über fünf Kilometer gab es Podestplätze für die Region: Clara Müller vom TSV Otterndorf wurde überraschend in 20:23 Minuten Zweite. Die junge Läuferin wurde dabei in der U14 gewertet. Alexander Sachs vom MTV Lüdingworth kam bei den Männern auf Platz drei, Marle Westphalen vom SC Balje wurde Dritte bei den Frauen.
Gleiche Prämien für Frauen und Männer
Der Küstenmarathon setzt nicht nur sportlich ein Zeichen. Seit 25 Jahren gilt in Otterndorf ein Prinzip, das bei vielen anderen Sportveranstaltungen keineswegs selbstverständlich ist: Frauen und Männer erhalten die gleichen Siegprämien. Den Grundstein dafür legte vor 25 Jahren die damalige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Otterndorf, Martina Rademacher. Sie führte die Cuxland-Wertung ein - verbunden mit der Vorgabe, Frauen und Männer bei den Prämien gleichzustellen. Das Prinzip wurde auch auf die allgemeinen Siegprämien des Küstenmarathons übertragen. "Männer und Frauen bezahlen ja auch das gleiche Startgeld, also sollten sie auch die gleiche Siegprämie bekommen", sagt Martina Rademacher.
Die Cuxland-Wertung gilt bis heute. Läuferinnen und Läufer, die einem Verein aus dem Kreis Cuxhaven angehören, erhalten auf den vier Strecken eine Prämie, sofern sie innerhalb der jeweiligen Sollzeit ins Ziel kommen. Für den ersten Platz gibt es jeweils 75 Euro, für den zweiten 50 und für den dritten 25 Euro - unabhängig vom Geschlecht.
Auch bei den allgemeinen Siegprämien wird nicht zwischen Männern und Frauen unterschieden. Im Marathon und Halbmarathon werden jeweils 800 Euro für den ersten, 600 Euro für den zweiten und 400 Euro für den dritten Platz ausgeschüttet. Über zehn Kilometer gibt es 500, 400 und 300 Euro, über fünf Kilometer 200, 150 und 75 Euro.
Die Sollzeiten spielten in diesem Jahr allerdings eine Rolle. Im Marathon schaffte es kein Teilnehmer innerhalb der vorgegebenen Zeit ins Ziel. Im Halbmarathon blieben bei den Männern Moges Dargie Mengesha, Dickson Kurui und Yannick Michiels unter der Sollzeit von 1:24:00 Stunden. Bei den Frauen gelang dies Siegerin Lara Huneke. Über zehn Kilometer schafften es Yihun Fantahun Gezahign und Svenja Pingpank innerhalb der jeweiligen Sollzeit von 32 beziehungsweise 36 Minuten. Über fünf Kilometer blieben Filimon Gezae und Joseph Katip bei den Männern sowie Pingpank bei den Frauen unter den vorgegebenen 16 beziehungsweise 18 Minuten.
Wenn Läufer aufeinander treffen
Eine Besonderheit des Küstenmarathons liegt auch im Ablauf: Die verschiedenen Wettbewerbe starten zu unterschiedlichen Zeiten. Dadurch begegnen sich Läuferinnen und Läufer verschiedener Strecken auf dem Kurs. Gerade im Zielbereich kann das zu engen Situationen führen. Während die einen nach dem Zieleinlauf austrudeln, abklatschen oder ihren Erfolg feiern, müssen andere noch eine weitere Runde absolvieren.
Die Teilnehmer kennen diese Situation und suchen sich ihren Weg. Auf der Strecke kann es allerdings ebenfalls brenzlig werden. Heino Grewe-Ibert und Silke Schröder vom VfL Wingst waren als Führungsfahrradfahrer beim Halbmarathon unterwegs und erlebten solche Situationen. Ein Problem seien Läuferinnen und Läufer mit Kopfhörern. "Wer mit Kopfhörern läuft, hört unsere Klingel nicht", sagt Grewe-Ibert. Beim Training sei das kein Problem. "Im Wettkampf sollte es nicht erlaubt sein." Vielleicht wird das eine neue Regel beim 27. Küstenmarathon.
Die Erstplatzierten:
Marathon: 1. Paul Langkop (2:47:22 Stunden, SC Melle), 1. Judith Gnade (3:41:58, 1. Marinekuttergeschwader).
Halbmarathon: 1. Moges Dargie Mengesha (1:06:05, TuS Kelsterbach), 1. Lara Huneke (1:28:44, ATS Buntentor Bremen).
10-km-Lauf: 1. Yihun Fantahun Gezahign (29:56 Minuten), 1. Svenja Pingpank (35:11, Hannover Athletics).
5-km-Lauf: 1. Filimon Gazae (15:34 Minuten, LG Bremen-Nord), 1. Svenja Pingpank (17:03, Hannover Athletics).
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