Bachfest Hamburg zu Gast in Altenbruch: Virtuose Klänge verzaubern St. Nicolai
Das Internationale Bachfest Hamburg brachte festliche Klänge nach St. Nicolai Altenbruch. Virtuose Darbietungen von Soyoung Park und Antonio Di Dedda ließen die historischen Orgeln in besonderem Glanz erstrahlen.
Der Osterfestgottesdienst in St. Nicolai Altenbruch war dieses Mal ein ganz besonderer: Zu Gast war das Internationale Bachfest Hamburg mit der Geigerin Soyoung Park und dem Organisten Antonio Di Dedda. Die drei großen Bauerndome des einstigen Landes Hadeln - St. Nicolai Altenbruch, St. Jacobi Lüdingworth und St. Severi Otterndorf - sind bekanntlich mit ihren bedeutenden historischen Orgeln Teil des bis einschließlich 17. April stattfindenden Bachfestes Hamburg.
Die erst kürzlich abgeschlossene große Restaurierung der Gloger-Orgel in St. Severi war für den Initiator und Künstlerischen Leiter des Internationalen Bachfestes Hamburg, Hansjörg Albrecht, der Anlass, das Orgel-Dreigestirn unbedingt mit ins Boot des Bachfestes und seines bis in die umliegenden Regionen reichenden Netzwerkes zu nehmen.
In Lüdingworth wird Albrecht am kommenden Sonnabend, 11. April, um 11 Uhr in einem Konzert selbst an der Wilde-Schnitger-Orgel zu hören sein. Wenige Stunden später, um 18 Uhr, dirigiert er dann in St. Severi das Bach-Kantaten-Konzert in großer Besetzung.
Mit der Südkoreanerin Soyoung Park und dem in Mailand geborenen Antonio Di Dedda waren an Ostern in Altenbruch zwei beeindruckende Interpreten zu hören. Johann Sebastian Bachs Sonate für Violine solo Nr. 3 in C-Dur BWV 1005 gehört zu den Gipfeln der barocken Geigenliteratur. Vor allem weil es ein Werk ist, das Zweierlei verlangt: Virtuosität und Expressivität und beides auf höchstem Niveau.
Keine leichte Kost
Soyoung Parks Geigenspiel bot genau das in lupenreiner Klarheit und mit spürbarer Empfindungsstärke. Mit ihrer überlangen Fuge ist die 25-minütige Solo-Sonate für den Zuhörer wahrlich keine leichte Kost. Gespielt von einer Könnerin wie Soyoung Park entfaltet sie natürlich die ihr eigene Faszination.
Mit den beiden Präludien und Fugen von Johann Sebastian Bach (C-Dur BWV 545 und G-Dur BWV 550) brachte Antonio Di Dedda den Orgel-Schatz der Altenbrucher St. Nicolai-Kirche in seiner ganzen Schönheit zum Klingen. Die unvergleichlichen Flötenregister der Klapmeyer-Orgel schienen es dem Interpreten, seit 2024 Professor für Orgel und Improvisation an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, besonders angetan zu haben - und das zu Recht. Di Dedda ist ein glänzender Orgelspieler - sehr klar in der Kontur und mit einem sicheren Gespür für klangliche Besonderheiten. Das C-Dur-Präludium und Fuge ist ein glanzvoller Einstieg in den Osterfestgottesdienst, das Präludium und Fuge in G-Dur am Ende dann eine überaus reizvolle Begegnung mit den frühen norddeutschen Einflüssen auf Bachs Orgelwerk. Dazwischen die Orgelsonate F-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach, dem Bach-Sohn, der mit seinem "galanten Stil" einen so ganz anderen Weg beschreitet.
"Mitten in den Kämpfen des Lebens auf Jesus (zu) schauen" - das war in diesem Osterfestgottesdienst einer der Leitsätze in der Ansprache von Pastor Erik Neumann. Die Einbeziehung von Darstellungen auf dem Hauptaltar von St. Nicolai gab den österlichen Betrachtungen auf diese Weise so etwas wie eine "bildliche" Realität.
Von Ilse Cordes