Eine Tanne schwebt über Altenbruch: Ein Symbol der Freundschaft mit Hafnarfjördur
Eine zwölf Meter hohe Cuxhavener Tanne erleuchtet jedes Jahr den Weihnachtsmarkt in Hafnarfjördur (Island) und symbolisiert die langjährige Freundschaft der Partnerstädte. Dieses Jahr ist es die Nordmanntanne von Michael Wolf aus Altenbruch.
Es ist ein Abschied mit Wehmut - und zugleich der Beginn einer besonderen Reise: Wo die Nordmanntanne von Michael Wolf aus Altenbruch über Jahre gewachsen ist, klafft nun eine Lücke. Zwölf Meter hoch ist der Baum geworden, der 23 Jahre lang in seinem Garten stand. Jetzt wird er zum Weihnachtsgruß aus Cuxhaven an die isländische Partnerstadt Hafnarfjördur. Dort soll er den Weihnachtsmarkt schmücken und eine Tradition fortsetzen, die seit mehr als 30 Jahren besteht.
"Sie wächst in die Hecke und wird unten bereits lichter. Durch die Aktion jetzt bekommt sie noch einen guten Zweck", erzählt Wolf. Leicht gefallen ist ihm die Entscheidung nicht. Schließlich hatte er die Tanne vor 23 Jahren geschenkt bekommen. Umso emotionaler ist der Moment, als ihm die Mitarbeiter des Fällteams nach getaner Arbeit eine Baumscheibe überreichen. 25 Jahresringe lassen sich darauf zählen.


Gesundheitszeugnis für die Nordmanntanne
Auch die Größe des Baumes erzählt ihre eigene Geschichte. "Anfangs reichten zwei bis drei Lichterketten", erinnert sich der Altenbrucher. Heute würden selbst ein Dutzend Lichterketten kaum noch ausreichen. Die Nordmanntanne bringt am Haken des Krans 1,6 Tonnen auf die Waage.

Dass der Baum nun eine neue Aufgabe bekommt, ist kein Zufall. Gärtnermeister Richard Schütt sucht jedes Jahr im Auftrag des Partnerschaftsvereins Hafnarfjördur-Cuxhaven nach einer geeigneten Tanne für den Weihnachtsmarkt in der isländischen Stadt. Die Nachbarn von Michael Wolf kennt Schütt schon länger. Über sie kam der Kontakt zustande - und damit die Gelegenheit, dem Baum eine zweite, ganz besondere Bestimmung zu geben.
Bevor die Tanne am Donnerstagmorgen gefällt werden konnte, stand allerdings eine wichtige Kontrolle an. Sören Janke, Pflanzengesundheitsinspektor bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, untersuchte das Gehölz und den Stamm auf mögliche Schädlinge. Nach der Fällung nahm er auch die Baumkrone in Augenschein. Schließlich soll der Weihnachtsbaum nicht nur schön aussehen, sondern auch die pflanzengesundheitlichen Anforderungen für die Einfuhr nach Island erfüllen. Dann gibt Janke grünes Licht: "Der Baum ist gesund und bekommt das Gesundheitszeugnis. Der Baum kann auf die Reise gehen", sagt er.
Für die Fällung ist ein Kran der Firma Niemczyk im Einsatz. Mitarbeiter der Stadt Cuxhaven helfen mit. Unter den Augen vom Naturschutzamt wird die Tanne aus dem Garten gehoben. Auch einige Isländer, die in Cuxhaven leben, verfolgen die Aktion.

Ein Baum als Zeichen der Freundschaft
Seit mehr als drei Jahrzehnten schenkt Cuxhaven seiner isländischen Partnerstadt eine Tanne für den dortigen Weihnachtsmarkt. Der Baum stammt jedes Jahr von Privatpersonen oder Organisationen aus der Stadt oder dem Landkreis Cuxhaven. Was im Garten eines Spenders gewachsen ist, wird so zum Mittelpunkt eines Festes, das Tausende Menschen zusammenbringt.
Bei den Vorbereitungen, der Fällung und dem feierlichen Anleuchten auf Island ist jedes Jahr auch Wilhelm Eitzen dabei. Seit 2008 engagiert er sich für die Freundschaft zwischen den beiden Städten, seit zehn Jahren ist er Vorsitzender des Partnerschaftsvereins.
"Es ist schön, dass wir hier so viele Leute haben, die einen Baum spenden. Und auf Island ist es auch eine Wertschätzung und ein Zeichen der Verbundenheit", sagt Eitzen. Beim Anleuchten sind auch Vertreter aus der Politik und die deutsche Botschafterin dabei. Für Eitzen ist der Weihnachtsbaum deshalb weit mehr als festliche Dekoration: "Der Baum steht für mehr. Es ist immer ein toller Moment, wenn über 1000 Leute auf dem Weihnachtsmarkt stehen, das ganze Drumherum stimmt, Musik gespielt wird und alle beieinander sind. Und der Baum steht im Mittelpunkt und hält die Partnerschaft lebendig."
Zusammenhalt über Ländergrenzen hinweg
Hafnarfjördur liegt in einem rund 7000 Jahre alten Lavafeld des Búrfell, nur wenige Busminuten von der isländischen Hauptstadt Reykjavík entfernt. Am Freitag, 13. November, soll die Tanne auf dem Weihnachtsmarkt feierlich angeleuchtet werden. Eine kleine Delegation des Cuxhavener Partnerschaftsvereins wird wie in jedem Jahr dabei sein. Erstmals reist auch Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer mit.
Bis dahin muss der Baum noch eine weite Strecke zurücklegen. In Cuxhaven wird er auf das Schiff "Helgafell" verladen. Wolf Dick, ehemaliger isländischer Konsul und Mitglied des Partnerschaftsvereins, kümmert sich um die Verschiffung. Die Route führt über Schweden nach Island.

Für Wilhelm Eitzen ist die Tradition auch ein Zeichen dafür, wie wichtig persönliche Beziehungen zwischen Ländern sind: "Es ist aktuell wichtiger denn je, Freundschaften wie diese mit Island zu pflegen. Über die Jahre sind persönliche Freundschaften entstanden, die weit über die Städtepartnerschaft hinausgehen. Es geht nicht nur darum, sich gegenseitig zu besuchen oder einmal im Jahr einen Weihnachtsbaum zu schenken. Es geht darum, die Verbindung zwischen den Menschen lebendig zu halten, sich füreinander zu interessieren und zu zeigen, dass man auch über Ländergrenzen hinweg zusammensteht."
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