Der "Dichtersmann" Franz Julius Grabes liebte es durchaus, sich ein wenig in Szene zu setzen. Foto: Archiv
Der "Dichtersmann" Franz Julius Grabes liebte es durchaus, sich ein wenig in Szene zu setzen. Foto: Archiv
Heimatgeschichte

Auf den Spuren eines Lüdingworther Originals: Er war ein "Sohn" des Ortes

von Kai Koppe | 14.02.2024

Mit einem Vortragsabend hat der Geschichts- und Heimatverein an einen einst bekannten "Sohn" des Ortes erinnert: Der Heimatdichter Franz Julius Grabe galt als Tausendsassa, der schrieb, aber auch komponierte - und die örtliche Poststation betrieb.

Seine Veröffentlichungen sind heutzutage mit Glück noch auf antiquarischem Wege erhältlich. Zu Lebzeiten von Franz Julius Grabe erreichten dessen Gedichte und Prosatexte weite Verbreitung. Nicht nur im norddeutschen Raum wurde der in Lüdingworth lebende Dichter gelesen, sondern auch jenseits des großen Teichs: In den Auswanderer-Communities an der amerikanischen Ostküste stand Grabes zum Großteil in plattdeutscher Sprache verfasstes Werk so hoch im Kurs, dass man den Verfasser im Jahr 1894 zu einem Ehrentag in die USA einlud.

In der Kaufmannsbrust schlug ein Dichterherz

Fotografisch ist dieser Besuch verbürgt, und die Schwarz-Weiß-Aufnahme mit Grabe in der Mitte (und einem Sternenbanner im Rücken der Teilnehmer) durfte im Rahmen des jüngsten Vortragsabends des Geschichts- und Heimatvereins Lüdingworth nicht fehlen. Rolf Meyer berichtete mit Leidenschaft und großer Detailkenntnis über das Leben und das künstlerische Schaffen eines Mannes, der im Nachbarort Altenbruch aufwuchs und in Jugendtagen eigentlich Musiker oder Schauspieler werden wollte.

Dieses wohl bekannteste Porträt Franz Julius Grabes wurde auch im Rahmen des Vortragsabends gezeigt. Foto: Archiv

Doch die Maßgabe, dass man etwas "Ordentliches" zu lernen hatte, galt damals (Mitte des 19. Jahrhunderts) mehr denn heute. Franz Grabe absolvierte eine Kaufmannslehre, die ihm als späteren Betreiber eines Manufakturwarenladens in der Jacobistraße zugutegekommen sein wird. In welcher der musisch begabte Schulmeistersohn allerdings nie Erfüllung fand - einen Umstand, den er in einem an einen Bruder verfassten Brief-Gedicht thematisierte, in welchem er die Zerrissenheit einer Person auf den Punkt brachte, die einerseits den Krämer, andererseits aber den Dichter "spielte".

Kirchgang mit Nebenwirkungen

Aus heutiger Sicht spannend sind dabei vor allem die vielen Alltagsdetails, die in solchen Texten zur Sprache kommen und auf die Meyer als Vortragender ein besonderes Augenmerk legte. Unter den Zuhörern im "Norddeutschen Hof" stieß diese Art der Aufbereitung auf große Resonanz: Im Nu schwelgte der halbe Saal in Erinnerungen und beteiligte sich an Rekonstruktionsversuchen - ganz gleich, ob es um Personen oder um Lokalitäten ging, die zu Grabes Zeiten das Lüdingworther Dorfleben geprägt hatten. Dazu zählten nicht zuletzt drei oder vier Wirtschaften, die sich (wie heute noch am Lokal der Familie Janssen ersichtlich) "ründ üm de Kark" etablierten - mit den entsprechenden Nebenwirkungen auf den Gottesdienstbesuch, die Franz Grabe innerhalb seinen Döhntjes zum Thema machte. Mit dem Vortrag von Text-Kostproben, die auf humoristische Weise auch Aspekte wie den einstigen Schulunterricht oder das Liebesleben im Hadelner Land abbilden, war Rolf Meyer bereits im zweiten Teil des kurzweiligen, mit viel Bildmaterial garnierten Grabe-Abends angekommen. Im Publikum war man sich einig, dass es dem Geschichts- und Heimatverein mit dieser Veranstaltung gelungen ist, nicht nur Bewusstsein, sondern auch Begeisterung für die Historie des Ortes zu wecken.

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