Petra von Grabe mit Hund Oscar, der nicht nur das Maskottchen des Seminars an der Abendrothstraße ist, sondern der ihr auch dabei half, in Cuxhaven neue Bekanntschaften zu schließen. Foto: Reese-Winne
Petra von Grabe mit Hund Oscar, der nicht nur das Maskottchen des Seminars an der Abendrothstraße ist, sondern der ihr auch dabei half, in Cuxhaven neue Bekanntschaften zu schließen. Foto: Reese-Winne
Interview 

Begeisterung für den Lehrerberuf und für die Stadt Cuxhaven vermitteln: So geht's

von Maren Reese-Winne | 05.09.2026

Petra von Grabe leitet das Studienseminar für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen in Cuxhaven; keine Bildungseinrichtung wie jede andere: Sie setzt vor allem auf Sichtbarkeit und persönliche Bindung. Das spricht sich herum.

Frau von Grabe, seit wann leiten Sie das Studienseminar für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen in Cuxhaven und warum haben Sie sich damals für Cuxhaven beworben?

Obwohl ich aus Bayern komme, hat das Wasser immer eine besondere Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Außerdem hatte ich schon die Arbeit als Pädagogikseminarleiterin am Studienseminar Lüneburg als überaus bereichernd empfunden. Die Aufgabe reizte mich also sehr; auch der Zeitpunkt passte. Dann reichte ein einziger Tag in Cuxhaven, um mich in die Stadt zu verlieben. Im April 2018 konnte ich die Nachfolge Marianne Munzinger-Jothes als Seminarrektorin antreten und habe das nicht bereut.  

Wie erleben Sie das Klima an Ihrem Seminar und den Austausch mit den Ausbildungsschulen?

Das Klima bei uns im Seminar ist durch Wertschätzung, Offenheit und Vertrauen geprägt. Unser Team - Lehrkräfte, die mit einem Stundenkontingent zu uns abgeordnet werden und hier die Fach- und Pädagogikseminare leiten - ist überaus engagiert. Das kann überhaupt nicht hoch genug geschätzt werden, denn für die Ausbildung brauchen wir die Besten der Besten. Besonders stolz bin ich darauf, dass zehn der 24 Mitglieder unseres Kollegiums selbst ihr Referendariat bei uns absolviert haben. Auch die Zusammenarbeit mit den Schulen ist überaus erfreulich. Für sie ist die Beteiligung an der Ausbildung nicht nur eine Pflichtaufgabe. Viele können es nicht erwarten, neue Anwärterinnen und Anwärter aufzunehmen. Der Zufluss aus dem Studienseminar sichert auch ganz wesentlich die Lehrkräfteversorgung in der Region.

Was ist der Vorbereitungsdienst eigentlich genau und was erwartet die Anwärterinnen und Anwärter?

Der Vorbereitungsdienst (gleichbedeutend mit dem Referendariat) umfasst eineinhalb Jahre und bereitet die Absolventinnen und Absolventen, die bereits ihren Master in ihren jeweiligen Fächern absolviert haben,  auf den Wechsel in die Schule vor. Von der ersten Woche an stehen sie vor der Klasse und erteilen sowohl eigenverantwortlichen als auch durch Fachlehrkräfte betreuten Unterricht. Damit unterstützen sie bereits die Schulen. Parallel dazu erfolgt der Unterricht in den Pädagogik- und Fachseminaren bei uns; in der Regel jahrgangsgemischt. Das zieht einen lebendigen Erfahrungsaustausch auch unter den Anwärterinnen und Anwärtern nach sich, was wir sehr begrüßen. In der Übergangszeit von der Uni in die Schule lernen die Anwärterinnen und Anwärter, ihre Fachlichkeit auf die Schülerinnen und Schüler zu übertragen und kompetenzorientierten Unterricht zu planen und durchzuführen.  

Petra von Grabe leitet das Studienseminar für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen in Cuxhaven. Foto: Reese-Winne

Welche neuen Herausforderungen haben sich entwickelt und wie kann das Seminar den Lehrkräftenachwuchs darauf vorbereiten?

Zu den neuen Herausforderungen zählen sicherlich so große Themen wie die Inklusion, die Übermacht der sozialen Medien und der verantwortungsvolle Umgang mit der KI. Zur Vertiefung dienen dabei insbesondere unsere Zusatzqualifikationen "Medienbildung" und "Deutsch als Zweitsprache". Eine große Herausforderung hatten wir in der Corona-Zeit zu bewältigen, in der wir innerhalb kürzester Zeit den gesamten Betrieb auf Online-Betrieb umgestellt haben.  

Unter Absolventinnen und Absolventen und in entsprechenden Foren hat das Seminar einen hervorragenden Ruf. Was sehen Sie als Ihre besonderen Kennzeichen und Stärken?

Wer bei uns ans Seminar kommt, kann sich einer sehr persönlichen Begleitung sicher sein. Die Grundlage für jedes Lernen besteht darin, eine Beziehungsebene herstellen zu können. Diesen Anspruch stellen wir auch an uns selbst. Wir wollen jede einzelne Person sehen und wahrnehmen. Das fängt schon damit an, dass ich jeden und jede vor Beginn persönlich anrufe. Sehr häufig wird uns zurückgemeldet, dass das der entscheidende Faktor für den Weg nach Cuxhaven war.
Unsere zweite große Stärke ist unbestritten unsere große Fächerauswahl. Mit insgesamt 22 Fächern - teilweise in Kooperation mit anderen Standorten - stehen wir ganz oben in Niedersachsen. Als einziges Seminar für Grund-, Haupt- und Realschulen im ganzen Land bieten wir ein Fachseminar Informatik an; im Fach Technik sind wir die einzigen innerhalb der Regionalabteilung. Das hat sich herumgesprochen. Die Kooperationen laufen sehr gut, auch weil wir an unseren Standorten Stade, Lüneburg, Buchholz, Verden, Celle und Cuxhaven sowie mit dem sonderpädagogischen Seminar in Lüneburg unsere Terminpläne miteinander abstimmen.

Wünschen Sie sich noch mehr Unterstützung für diese Bildungsinstitution in Cuxhaven und wie könnte diese ausfallen?

Auf jeden Fall wünsche ich mir, dass wir unsere Tätigkeit langfristig fortsetzen können. Sponsoren sind uns auch jederzeit willkommen, schließlich hängt die Lehrkräfteversorgung in der Region ganz wesentlich von uns ab. Sehr wichtig ist mir die Wertschätzung für unser Kollegium und die öffentliche Wahrnehmung dieser elementaren Aufgabe.

Wie stehen Sie den jungen Leuten in Krisensituationen zur Seite?

Die Corona-Pandemie hat ihre Spuren hinterlassen. Seit dieser Zeit ist der Bedarf an psychologischer Unterstützung deutlich gestiegen. Erste Ansprechpartner sind dann die Pädagogik-Seminarleiterinnen und -leiter, meine Konrektorin Bettina Zeeb und ich. Unsere Türen stehen immer offen. Wir hören zu und öffnen Türen zu Hilfsangeboten. Häufig liegt dem steigenden Druck ein hoher Anspruch an sich selbst zugrunde. Manchmal ist es sinnvoll, dann eine Auszeit einzulegen. Eine Rückkehr ans Seminar ist möglich; die bisherige Lernzeit wird angerechnet.

Wie machen Sie jungen Menschen Mut für den Weg in den Lehrerberuf und warum haben Sie sich damals dafür entschieden?

Ich habe keinen geraden Weg in den Lehrerberuf zurückgelegt, sondern hatte bereits eine Berufsausbildung hinter mir, bevor ich am Abendgymnasium die Allgemeine Hochschulreife erwarb und dann ein Studium der Betriebswirtschaft begann. Dem Studienberater an der Universität Lüneburg, der nicht nachließ, bis mir selbst klar war, dass ich Lehrerin werden wollte, bin ich bis heute dankbar. Im Lehramtsstudium fühlte ich mich sofort richtig angekommen. Ich war mit Leib und Seele Grundschullehrerin, denn nirgendwo sonst können Kinder so intensiv in ihrer Entwicklung begleitet werden. Die Begeisterung und Freude zu erleben, wenn sie lesen lernen und wie sich ihnen die Welt eröffnet, ist unvergleichlich. Gerade deshalb würde ich mir wünschen, dass die Kerncurricula der Grundschule noch mal genau darauf konzentriert werden, was wirklich wichtig ist: Basiskompetenzen erwerben in Schreiben, Lesen, Rechnen, Sport, gesunder Ernährung und Medienbildung.
Auf jeden Fall ist dies einer der schönsten und wichtigsten Berufe: Du hast es in der Hand, ob du im Leben von Menschen Spuren hinterlässt und welche Spuren das sind. Ich habe genau eine solche Erfahrung mit einem Lehrer in der siebten Klasse der Hauptschule gemacht. Bis dahin hatte ich nicht viele Momente voller Selbstvertrauen  erlebt. Er hingegen vermittelte mir die Überzeugung: "Du kannst das!" 

Selbst nicht den geradlinien Weg gegangen

Zur Person: Petra von Grabe leitet das Studienseminar für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen in Cuxhaven. Nach dem Hauptschulabschluss in Augsburg (Bayern) absolvierte sie eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin, zog 1986 nach Hamburg und besuchte dort berufsbegleitend das Abendgymnasium, das sie mit der Allgemeinen Hochschulreife abschloss. An der Uni Lüneburg nahm sie anschließend ein Studium der Betriebswirtschaftslehre auf, bis sie dann ins Lehramtsstudium wechselte und die Fächer Deutsch, Sachunterricht und Werken wählte. Während der Studienzeit wurde sie Mutter von drei Kindern.

Nach dem Referendariat in Lüneburg wurde sie Lehrerin an einer Haupt- und einer Grundschule (die Anne-Frank-Grundschule war gleichzeitig eine der ersten Ganztags-Grundschulen in Niedersachsen) und war gleichzeitig Pädagogikseminarleiterin am Studienseminar Lüneburg. 2009 übernahm sie die Schulleitung an der Grundschule Barskamp und wechselte dann im Februar 2015 als Regierungsschuldirektorin ins Dezernat 2 der Schulbehörde in Lüneburg (zuständig für den Bereich Uelzen). Im April 2018 schloss sich dann der Schritt nach Cuxhaven an, wo sie in diesem August ihr 25-jähriges Dienstjubiläum erlebte.  

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Maren Reese-Winne

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