Die 6c der Realschule Cuxhaven testet seit einem Jahr Deskbikes im Unterricht. Foto: Domke-Feiner
Die 6c der Realschule Cuxhaven testet seit einem Jahr Deskbikes im Unterricht. Foto: Domke-Feiner
Deskbikes im Praxistest

Bewegung im Klassenzimmer: Warum Schüler der Realschule Cuxhaven im Unterricht radeln

30.01.2026

In der Realschule Cuxhaven wird der Schulalltag auf ungewöhnliche Weise belebt: Schülerinnen und Schüler radeln im Klassenraum. Ein Service-Club hat seinen Anteil daran.

Zwei unscheinbare Fahrräder unter Schreibtischen sorgen seit einem Jahr für mehr Bewegung im Schulalltag der Klasse 6c an der Realschule Cuxhaven. Die sogenannten Deskbikes sind dort fest im Unterricht integriert und werden von Schülerinnen und Schülern regelmäßig genutzt.

"Ziel des Projekts ist es, dem zunehmenden Bewegungsmangel im Schulalltag entgegenzuwirken und gleichzeitig die Konzentration zu fördern", erklärt Klassenlehrer Ralf Burat. "Dieses Angebot ist ein weiteres unserer Schule im sportlichen und gesundheitsfördernden Bereich", fügt Schulleiter Hans Christian Seebeck hinzu.

Vor zwei Jahren wurde seine Schule mit dem Gütesiegel "sportfreundliche Schule" durch das Niedersächsische Kultusministerium und den Landessportbund Niedersachsen ausgezeichnet. Neben einem gesunden Mittagsangebot, dem Konzept des beweglichen Klassenzimmers sowie dem Wahlpflichtkurs Sport, erweitern die Deskbikes nun das Angebot. Der 6c gefällt es.

Es ist gerade die dritte Stunde und an den beiden höhenverstellbaren Schreibtischen mit Fahrrad sitzen Jette Küber und Josi Arendt. Die beiden 12-Jährigen radeln moderat und erarbeiten ihre Aufgaben für den Geschichtsunterricht. "Mir gefällt das Fahren sehr gut. Ich mag Sport und kann mich bei der Bewegung besser konzentrieren." Auch ihre Klassenkameradin Josi ist von dem Angebot begeistert. "Ich brauche viel Bewegung. Ich mache in meiner Freizeit Ju-Jutsu und spiele Handball. Ich habe gemerkt, dass ich bei langem Sitzen unruhig werde. Das Radfahren ist ein guter Ausgleich".

Josi Arendt (r.) und Jette Küber erledigen ihre Aufgaben an den Deskbikes. Die Schülerinnen und ihr Lehrer Ralf Burat (l.) ziehen ein positives Fazit. Foto: Domke-Feiner

Auch wenn es natürlich Jugendliche wie Jette und Josi gibt, die sich gerne bewegen, so ist Bewegungsmangel ein signifikantes Problem bei vielen Teenagern. Fachleute beobachten seit Jahren, dass Kinder und Jugendliche sich im Alltag immer weniger bewegen. Langes Sitzen, hoher Medienkonsum und wenig körperlicher Ausgleich prägen zunehmend auch den Schulalltag. Dabei empfehlen Fachorganisationen, wie die Weltgesundheitsorganisation, mindestens 60 Minuten Bewegung pro Tag für Kinder und Jugendliche. Die Realität sieht häufig anders aus.

An der Realschule Cuxhaven wollte man dem nicht länger tatenlos zusehen. Die beiden Räder wurden vom Service-Club Round Table 155 Cuxhaven mit 675 Euro gesponsert. Präsident Enrico Bonelli überreichte den Scheck und schaute sich interessiert die Räder im Einsatz an. "Beim Radeln im Unterricht geht es nicht um sportliche Leistungen", erklärt Klassenlehrer Burat. Es gehe vielmehr um leichte Aktivierung und einen Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Bewegung. "Ich fahre nicht zu schnell, weil sich ansonsten meine Schultern zu sehr bewegen und ich dann nicht mehr ordentlich schreiben kann", berichtet Josi Arendt von ihren Erfahrungen.

Der Schulleiter der Realschule Hans Christian Seebeck (links) und Klassenlehrer Ralf Burat (rechts) freuen sich über die Round-Table-Spende von Präsident Enrico Bonelli. Foto: Domke-Feiner

Ralf Burat zieht nach den vergangenen zwölf Monaten wie seine Schüler ein durchweg positives Fazit. Dadurch, dass die Räder sehr leise sind, störe das Fahren im Unterricht nicht. "Am Anfang durften wir in bestimmter Reihenfolge auf die Räder. Inzwischen machen wir das als Klasse eigenständig. Wir schauen, wer es gerade besonders braucht, und achten auch darauf, dass es gerecht zugeht", erklärt Jette Küber.

Auch ihr Lehrer sitzt regelmäßig auf einem Ergometer. "Das ist mein privates Rad. Ich wollte mit gutem Beispiel vorangehen", betont der passionierte Sportlehrer. Auf die Frage, ob dieses Angebot auch in weiteren Klassen angeboten werden sollte, sind sich die Pädagogen Burat und Seebeck sofort einig. "Gerne würden wir dieses Angebot ausweiten. Es hängt, wie viele Dinge, von unseren finanziellen Mitteln ab." Round-Table-Präsident Bonelli, der von dem Gezeigten sichtlich angetan war, versprach, diesen Wunsch mitzunehmen.

Von Myriam Domke-Feiner

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Lesen Sie auch...
Was bisher bekannt ist

Das Merz-Kabinett: Cuxhavener Fritz Güntzler lehnt Ministeramt ab - die Hintergründe

von Tim Larschow

Bundeskanzler Friedrich Merz will laut Medienberichten das Verkehrsministerium neu besetzen. Auf Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sollte der gebürtige Cuxhavener Fritz Güntzler (CDU) folgen. Doch der traf eine überraschende Entscheidung.

In der Helios-Klinik

Infusion verwechselt: Krankenhaus-Panne in Cuxhaven empört Ehefrau des Patienten

von Wiebke Kramp

Eine in der Helios-Klinik verwechselte Infusion, die eigentlich dem Bettnachbarn ihres Mannes gegolten habe, empört auch Tage danach eine Frau aus Cuxhaven-Lüdingworth. "Das hätte tödlich enden können...", mahnt sie. Das Krankenhaus bezieht Stellung.

Jüngste Projektreise

Hilfe aus Cuxhaven: Wie für Frauen in Burkina Faso aus Wunschträumen Realität wird

von Maren Reese-Winne

Was für die Cuxhavenerin Kathrin Seyfahrt eine "ganz normale Projektreise" ist, wäre für die meisten anderen eine Herausforderung, vor der sie kapitulieren würden. Bei 45 Grad schaute sie sich jetzt in ihren Projekten in Burkina Faso um.  

Austausch und Engagement 

"Türen öffnen im Viertel": Austausch an der Ape in Alt-Cuxhaven

von Märthe Werder

In Alt-Cuxhaven startet eine innovative Aktion: Die Ape von "Tante Emma" wird zum Treffpunkt im Viertel. Sie lädt die Bewohner ein, Ideen und Wünsche zu teilen und gemeinsam die Nachbarschaft zu gestalten.