Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Cuxhaven zu Gast bei Siemens-Gamesa
Hoher Besuch in Cuxhaven: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte gemeinsam mit Ministerpräsident Stephan Weil Donnerstagmorgen (5. September) das Siemens-Gamesa-Werk. Sie verschafften sich Einblick in die Produktion der Offshore-Anlagen.
Bei Sonnenschein und leichter Brise - so wie man es in der Windbranche gerne sieht, trafen der Bundespräsident und Entourage am Morgen noch vor der erwarteten Zeit auf dem Altenbrucher Gelände an der Elbe ein. Im Beisein des CEO Vinod Philip und Werksleiter Kristoffer Mordhorst verschaffte sich ein sichtlich gut gelauntes Staatsoberhaupt bei einem Rundgang einen Einblick in die vier Produktionslinien für ein Maschinenhaus für Offshore-Windenergieanlagen. In dem Siemens-Gamesa-Werk in Cuxhaven entstehen diese Maschinenhäuser, die im Fachjargon Nacelle heißen, nicht nur, sie werden auch direkt vor der Haustür der Halle verschifft.
Beim Besuch der Produktionsstätte durfte der Bundespräsident selbst Hand anlegen. Die beiden Mitarbeiter Nico Mauer und Torsten Harms aus der Generatoren-Produktionslinie unterwiesen Frank-Walter Steinmeier am elektrischen Drehmomentschrauber. "Er hat sich sehr gut angestellt, keine Hemmungen gezeigt, der kann hier anfangen", zollten die Handwerker im Anschluss Frank-Walter Steinmeier Lob. "Ein bisschen Feeling muss man schon haben und er hatte es nach dem ersten Dreh raus." Begeistert waren die Mitarbeiter besonders von seiner Empathie: "So ein herzlicher Mensch."
Nach eigenen Angaben hat Siemens-Gamesa 200 Millionen in die Errichtung des Werks investiert. Die 2017 in Betrieb genommene Herstellungsstätte ist die einzige Produktion für Offshore-Maschinenhäuser in Deutschland. Nabe, Generator und Gehäuse, die drei Komponenten des Maschinenhauses entstehen in getrennten Fertigungslinien. Am Ende der Produktion werden sie in einer vierten Linie "verheiratet".
Was das bedeutet, vermittelten zwei Vorarbeiter dem Bundespräsidenten. Beide sind mit Leib und Seele bei Siemens-Gamesa beschäftigt. Sebastian Helmowski meinte: "Das ist ein kleiner grüner Daumen, den ich hier hinterlasse." Und Daniel Costa-Rivas hegte gegenüber unserem Medienhaus die Hoffnung für den Standort, dass die Weichen auf grün bleiben und man weiter unterstützt werde.

Pro Tag verlasse ein Maschinenhaus die Halle, in dieser vierten Produktionslinie seien auch die meisten Mitarbeiter beschäftigt - es sind 300 Mann in drei Schichten, erklärten die Vorarbeiter. Insgesamt sind bei Siemens-Gamesa in Cuxhaven mehr als 1000 Mitarbeitende.
Die in Cuxhaven hergestellten Maschinenhäuser bilden das Herzstück der aktuellen Offshore-Anlagen SG 14-236 beziehungsweise SG14-222 DD. Deren Rotorblätter besitzen einen Durchmesser von 236 beziehungsweise 222 Mete. Sie werden in Hull (England) und Aalborg (Dänemark) gefertigt. Eine dieser Anlagen kann laut Hersteller 19.000 Haushalte rein rechnerisch mit sauberer Energie beliefern.
Mit zwei Geschenken verließ Frank-Walter Steinmeier Cuxhaven in Richtung Stade. Eine hölzerne Kugelbake gab es von Oberbürgermeister Uwe Santjer, und Werkschef Kristoffer Mordhorst übergab ein Modell der Offshore-Anlage. Für den Begleittross aus dem Konzern und der Politik gab es als zum Schluss in der Produktionshalle Selfies mit dem Staatsoberhaupt.
Santjer nutzte die Gelegenheit, ein paar persönliche Sätze mit dem Bundespräsidenten zu wechseln. "Er hat zu mir auf dem Weg zum Auto gesagt: Was Ihr in Cuxhaven aufbaut, macht Mut - und das in schwierigen Zeiten." Der OB versteht dies als "großes Kompliment und Ritterschlag". Das verleihe den Bemühungen seiner Stadt Rückenwind für die Energiewende.
Steinmeiers Reise ist Teil seiner Veranstaltungsreihe "Werkstatt des Wandels". Sie soll die strukturellen Veränderungen der Gesellschaft und deren Auswirkungen beleuchten. Das stand beim Anschlussbesuch bei der Dow in Stade ebenfalls im Fokus. Dort ging es darum, wie energieintensive Industrieprozesse modernisiert werden können. Dazu gab es Expertenrunden aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.
"Es gibt Orte des Gelingens"
Der Bundespräsident warb für die Energiewende: "Das erste Ziel dieser Gespräche ist, wir müssen der Transformation nicht mit Angst begegnen." In Richtung Siemens-Gamesa und Dow meinte Steinmeier: "Es gibt Orte des Gelingens."
Die Chefin von Dow Deutschland, Julia S. Schlenz, machte ihren Standpunkt deutlich, dass es bei allen Bemühungen zur Dekarbonisierung am Ende aber eine Rendite geben und es wirtschaftlich darstellbar sein müsse. Die Technik, grünen Wasserstoff einzusetzen, sei nicht das Problem: "Aber damit haben wir dann nicht eine Tonne mehr produziert".

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