Weil es auf den Dialog ankommt: Fest der Demokratie in der Cuxhavener Innenstadt
Bunter ging's nicht: Mit dem Fest der Demokratie am Sonnabend auf dem Penzancer Platz, initiiert durch das Bündnis "Cuxhaven für Respekt und Menschenwürde", sollte bewusst die Schwere von einem wichtigen Thema genommen werden.
Allerdings waren sich alle Beteiligten vor der Bühne am Bali-Kino der Bedeutsamkeit des Themas bewusst: Die Demokratie ist nicht einfach so da, sie ist bedroht und muss täglich aktiv verteidigt werden.
Anlass für das Fest war ebenso wie beim parallel stattfindenden Ehrenamtstag auf dem Kaemmererplatz der durch den Bundespräsidenten ausgerufene "Ehrentag", der an den Geburtstag des Grundgesetzes erinnern sollte. Wie bei einem Geburtstag darf es dann aber auch bunt und fröhlich zugehen, dachten sich die Aktiven. Bei den Omas gegen Rechts spielte die Farbe Pink die Hauptrolle.

Ein Blickfang war die Aktion "Eine Decke für Demokratie": Der Flickenteppich aus handbemalten quadratischen Stoffstücken wuchs beständig. Ein Blickfang waren aber auch die Omas selbst, wenn sie zuerst mit einzelnen Buchstaben durch die Fußgängerzone liefen und dann daraus das Wort "Demokratie" formten. Alles andere als selbstverständlich war es für sie außerdem, vor Publikum zu singen.

Die politischen Parteien (SPD, CDU, Die Grünen, Die Linke) waren bemüht, den Wahlkampf in den Hintergrund zu stellen und vielmehr über Mitwirkungsmöglichkeiten ins Gespräch zu kommen; bei der CDU erfolgte dies als Gespräch am (mitgebrachten) Gartenzaun, die SPD erfragte von den Gästen ihre Ideen, die sie für ein erweitertes Grundgesetz wünschen würden (zwei Beispiele: "Seid gut zueinander" und "Keine Steuern auf Lebensmittel").

Das von den Grünen verteilte Saatgut diente als Einladung, selbst seine persönliche Klimawende zu beginnen - ganz im Sinne der Aktiven von Health for Future, einer Gruppe von Beschäftigten des Gesundheitswesens im Cuxland: "Wir wollen natürlich auch selbst vorausgehen", so Hausarzt Philipp Dietz, der zur Veranstaltung mit dem Fahrrad aus Hemmoor gekommen war.


So schnell wird Bedrohung Realität
Was es bedeutet, nur wegen der sexuellen Neigung Beleidigung und Bedrohung am eigenen Leib zu erfahren, berichtete die Gruppe "queeres Cuxhaven".

Dabei, so stellte Hauptrednerin Emma Heilemann (16) aus Cuxhaven fest, stelle Gleichberechtigung, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sexueller oder religiöser Zugehörigkeit, keineswegs ein "nettes Extra", sondern die Grundlage unserer Demokratie dar. Es sei gefährlich, wenn Menschen beginnen würden, zu entscheiden, wer mehr wert sei und wer weniger.
An dem Punkt, an dem andere Menschen abgewertet, ausgegrenzt oder ihnen Rechte abgesprochen würden, ende Demokratie. Und daher sei Faschismus auch keine Meinung wie jede andere, denn er basiere darauf, Menschen ungleich zu behandeln, sie abzuwerten und Macht über Freiheit und Menschenrechte zu stellen.
Demokratie bedeute, Diskussion zuzulassen und zu versuchen, andere Meinungen zu verstehen. In einem zunehmend angespannten Klima trauten sich viele jedoch nicht mehr, offen zu sprechen - aus Angst, in eine Schublade gesteckt zu werden. Um als linksextrem verdächtigt zu werden, reiche inzwischen schon das Bekenntnis zum ersten Artikel unseres Grundgesetzes: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."


"Kein Gnadenakt, sondern ein Grundrecht"
"Demokratie bedeutet, dass Inklusion kein Gnadenakt ist, sondern ein Grundrecht", stellte auch Helle Vanini, Geschäftsführerin des Paritätischen Cuxhaven, fest. Dazu gehörten barrierefreies Wohnen, einfache Sprache und ein Arbeitsleben, das Talente sehe und Menschen nicht ausgrenze. Helle Vanini rief aber auch zum Dialog auf: In der Diskussion um die Wehrpflicht dürfe die Jugend nicht als Personalreserve betrachtet werden, vielmehr gebiete es der Respekt, auch ihre Zukunftsängste wahrzunehmen: "Zusammenhalt entsteht nicht durch Zwang, sondern durch gesehen werden und Zuhören."

Etwas, zu dem es an diesem Tag viele Gelegenheiten gab, zum Beispiel bei den Gruppen des Paritätischen, bei den Gewerkschaften ver.di und DAG und dem Waldorfkindergarten. Manchmal galt es aber auch einfach nur, innezuhalten und zuzuhören, und zwar bei der Jugendband "Catfish" und den Beiträgen von "Any Sounds" (Anni und Sarah), die Kostproben aus ihrem Programm "Female Classics" gaben, in dem sie starken Frauen der Musikgeschichte ein Denkmal setzen. Das war wirklich große Klasse!




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