Anregungen aus der Bevölkerung waren gefragt, als es im Juni 2025 um die Frage ging, wie Cuxhaven sich gegen die Folgen des Klimawandels wappnen sollte. Kein Thema, das die Massen in die Bürgerhalle holte - obwohl alle betroffen sind. Foto: Reese-Winne
Anregungen aus der Bevölkerung waren gefragt, als es im Juni 2025 um die Frage ging, wie Cuxhaven sich gegen die Folgen des Klimawandels wappnen sollte. Kein Thema, das die Massen in die Bürgerhalle holte - obwohl alle betroffen sind. Foto: Reese-Winne
Wissen und mitgestalten

Cuxhaven: Aktiv in der Heimatstadt mitmischen - wo das überall geht

von Maren Reese-Winne | 08.03.2026

In Cuxhaven gibt es mehr Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung als man denkt, doch nicht alle werden wahrgenommen. Warum bleiben manche Themen im Verborgenen, während andere die Bürgerhalle füllen? Entdecken Sie Wege zur Mitgestaltung.

Die Versammlung im Grodener Gemeindehaus, in der kürzlich das in Arnhausen geplante Regenrückhaltebecken kritisch beleuchtet wurde, war ein klassisches Beispiel für eine gar nicht so seltene Konstellation: Lange, nachdem schon politische Entscheidungen erfolgt sind, nimmt die Diskussion noch mal Fahrt auf. Warum manche Themen länger "unter dem Radar" bleiben als andere, dafür gibt es wohl keine allgemeingültige Erklärung - aber Möglichkeiten zur Mitwirkung gibt es jede Menge.  

Wissen und Beteiligung schaffen Transparenz, Verständnis und schützen vor Populismus mit der Versuchung, stets nur über "die da oben" zu klagen. Während jedoch beispielsweise die Ortsratssitzungen meist vor vollen Rängen stattfinden, fällt die Resonanz auf andere Einladungen unterschiedlich aus. Als es im vergangenen Juni um die Frage ging, wie Cuxhaven sich gegen die Folgen des Klimawandels wappnen könnte, verloren sich gerade mal 15 bis 20 Personen in der Bürgerhalle. Doch Beteiligung funktioniert sogar bereits viel niedrigschwelliger. Wir haben mal gestöbert.

Einwohnerfragen: Einwohnerinnen und Einwohner können Fragen an den Rat, die Ausschüsse oder Ortsräte stellen. Sie müssen schriftlich bis spätestens zehn Tage vor der Sitzung eingereicht worden sein und werden zu Beginn der Sitzung öffentlich beantwortet. Die Themen müssen nicht gleichzeitig auf der Tagesordnung der betreffenden Sitzung stehen, es muss sich jedoch um Angelegenheiten handeln, die in die Zuständigkeit der Stadt fallen. Details über die Art der Fragestellung und die Möglichkeit von Nachfragen (nicht zu lang, nicht zu viel) gibt es auf der Homepage der Stadt. Wer nicht selbst bei der Sitzung anwesend ist, erhält eine schriftliche Antwort.

Teilnahme an Rats- und Ausschusssitzungen: Neben den oft vorab im Ratsinformationssystem veröffentlichten Vorlagen und Anträgen werden viele durchaus sehr interessante Sachverhalte auch mündlich erörtert, was spannende Diskussionen auslösen kann. Rederecht für Zuhörende besteht nicht; Ausnahme: In der Einwohnerfragestunde am Ende jeder Sitzung können Fragen gestellt werden - aber nur zu den jeweiligen Tagesordnungspunkten dieser Sitzung.

Mängelmelder: Schlagloch, illegaler Müll, ausgefallene Straßenbeleuchtung? Bitte in den Mängelmelder der Stadt (www.cuxhaven.de) eintragen.

"Santjer schnackt": Mit seiner so benannten Tour durch die Stadtteile erreicht Oberbürgermeister Uwe Santjer seit 2023 jährlich über 1000 Interessierte; über 60 waren es vergangene Woche in Groden. Am 12. März geht es in Oxstedt (18 Uhr, Vereinsheim VfB Oxstedt, Sportplatz) weiter. Der kurze Draht ins Rathaus soll Anliegen frühzeitig aufdecken und den Dialog fördern. Interessierte sind  unabhängig von ihrem Wohnort in der Stadt willkommen. Die Veranstaltungsreihe setzt die in der Corona-Zeit intensivierten Dialogmöglichkeiten (damals notgedrungen online oder telefonisch) jetzt in Präsenz fort. Schon Kindergartengruppen empfängt Santjer zudem regelmäßig im Rathaus; neuerdings steht er mit Schulen auch per Videokonferenz in Kontakt.   

Großes Interesse erzeugte die Bürgerveranstaltung zum Thema Hafenkopf hervor, bei der Leitlinien für das Projekt vorgestellt wurden. Foto: Koppe

Infoveranstaltungen/frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit: Gibt es zu den verschiedensten Themen. Bei der Präsentation der Pläne für den Bebauungsplan Nr. 216 (Hafenkopf Alter Fischereihafen) platzte kürzlich die Bürgerhalle aus allen Nähten. Laufende Bauleitpläne sind auf der Homepage der Stadt einzusehen (bei der Suche "Bekanntmachungen" eingeben, dann weiter zu "Bauen, Wohnen und Stadtplanung"). Oft kann auch online mitgeredet werden.

Bürgerbeteiligung: Nicht nur zuzuhören, sondern auch mitzuwirken, dazu lädt die Stadt regelmäßig ein: Beispiele sind die Planung für das "Deichband", das Wohngebiet unter dem Fernsehturm oder die Landesgartenschau. 

Demonstrationen: Da sein, Gesicht zeigen, Solidarität spüren: Meistens ein sehr gutes Gefühl. Zum Beispiel bei der Lichterkette in der Bucht im November 2025.

Ein gutes Gefühl, nicht allein zu sein: Eine Lichterkette für Demokratie und Menschenwürde brachte im November 2025 Menschen auf dem Deich zusammen. Foto: Reese-Winne

Wählen gehen. Ist klar, nicht? Jede Stimme zählt.

Zeitung lesen: Gehört einfach dazu. Wer sich informiert, kennt Zusammenhänge über längere Zeiträume, weiß, was läuft und kann schnell hingeworfenen Theorien und Urteilen in sozialen Netzwerken entgegentreten. Und wenn Sie nicht selbst Sitzungsvorlagen mit 13 Anhängen studieren wollen: Das machen wir für Sie.

Einladungen der Parteien: Warum nicht mal wahrnehmen? Das Angebot ist wirklich groß und die Themen betreffen oft unser unmittelbares Lebensumfeld. 

Jugendbeirat: Schwellenärmer geht es nicht, denn interessierte Jugendliche können dem Gremium, das sich regelmäßig im Haus der Jugend trifft, jederzeit beitreten. Der Jugendbeirat setzt sich öffentlich für Demokratieförderung ein, beteiligt sich an Veranstaltungen und Städtepartnerschaften, unternimmt Bildungsfahrten und steht mit anderen Jugendbeiräten in Deutschland in Kontakt. Anliegen und Berichte des Jugendbeirats werden im Ausschuss für Jugend, Soziales, Familie und Gleichstellung gehört und es bestehen enge Verbindungen in die Ratspolitik und ins Rathaus. Im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" kann der Jugendbeirat über die Verteilung eines ihm zugestandenen Budgets für jugendgerechte Aktionen zur Demokratieförderung eigenständig entscheiden.

Das Online-Tool "Mitwirk-O-Mat" ist eine Möglichkeit, seine Interessen zu ergründen und so zum passenden Ehrenamt zu kommen. Foto: Engagierte Stadt Cuxhaven

Mitwirk-o-mat weist den Weg

Ehrenamt: Der Einsatz für andere ist immer eine Möglichkeit, das Umfeld und die Lebensbedingungen in der eigenen Stadt zu verbessern, egal, ob das im Sportverein, im Chor, im Katastrophenschutz, in der Seniorenbegleitung oder der Jugendarbeit stattfindet. Besser geht's nicht! Beratung gibt es bei der Freiwilligenagentur der Stadt Cuxhaven (Haus der Jugend/Mehrgenerationenhaus). Welches Ehrenamt zu den eigenen Interessen passen könnte, kann online mit dem "Mitwirk-o-mat" getestet werden. Am Ende werden mögliche Institutionen genannt. Wer sich nicht dauerhaft engagieren kann oder möchte, kann sich als "Sporadi" registrieren lassen und einspringen, wenn es passt - ohne dauerhafte Verpflichtung.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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