Cuxhaven: Ganz Groden macht sich für Erhalt der Hausarztpraxis im Dorf stark
Ein Cuxhavener Stadtteil macht sich stark für den Erhalt seiner Hausarztpraxis: Wenn sich der Grodener Hausarzt Claus Bohlmann zur Ruhe setzt, darf der Sitz nicht vakant bleiben, sagen die Bürger. Auch Fördermittel sollen helfen.
Die lokalen Institutionen und Vereine wie Bürgerrat, Kirche, Feuerwehr, Sportverein, Schützen und der Förderverein der Grundschule wollen - parallel zu den Bemühungen des Mediziners - Niederlassungswillige für ihren lebendigen Stadtteil begeistern. Der Erhalt der etablierten Praxis in der Papenstraße - Praxisstandort seit Generationen - sei vor allem für die ältere Generation essenziell.
Ältere sind auf wohnortnahe Versorgung angewiesen
"Viele Ältere hier sind mit dem Rollator unterwegs und können andere Stadtteile nicht einfach erreichen", erklärt Timo Becker vom Bürgerrat. Außerdem sei es wegen zahlreicher Aufnahmestopps überaus schwierig, überhaupt eine neue Hausarztpraxis zu finden. Ein Fahrdienst zur Sparkasse und zur Apotheke in Altenbruch bestehe ja bereits, ergänzt Franka Güntzler (Grodener SV); weitere Fahrdienste seien ehrenamtlich schwer zu organisieren. Viele Grodener wünschten sich, auch im Alter hierbleiben zu können.
Nah an den Wirtschaftsstandorten gelegen
Eine muntere Runde hat sich zum Pressegespräch vor der Praxis eingefunden, stellvertretend für das, was den Stadtteil ausmacht: "Unser Dorfleben ist intakt, hier passiert noch etwas", unterstreichen auch Sabine Güntzler vom GSV und Ursula Gimm vom Schützenverein mit Blick auf Kita und Schule, Vereinsleben, Einzelhandel und die Nähe zu den Arbeitsplätzen auf dem Biotechnologie-Campus, im Hafen und der Windenergie-Branche.
Stadt und Kreis stellen Fördermittel bereit
Auch für die Stadt Cuxhaven und die Agentur für Wirtschaftsförderung sei die nahtlose Neubesetzung der Hausarztpraxis von hoher Bedeutung, macht Jürgen von Ahnen, Agenturleiter für den Bereich der Stadt Cuxhaven, deutlich. Untermauert werde dies nicht nur durch Worte, sondern auch durch namhafte Fördermöglichkeiten im Rahmen des KMU-Programms (KMU = kleine und mittlere Unternehmen).
Dieses erlaubt die Förderung jedes neu geschaffenen Dauerarbeitsplatzes mit bis zu 7500 Euro; beschränkt auf bis zu vier Arbeitskräfte pro Unternehmen, also insgesamt bis zu 30.000 Euro, die zu gleichen Teilen von Stadt und Kreis getragen werden. "Das Geld kann beispielsweise für die Finanzierung von Umbauten oder die Anschaffung von Geräten oder Einrichtungsgegenständen verwendet werden", so Jürgen von Ahnen.
Unterstützung zugesichert
Der ebenso mögliche Einsatz für den Kauf der Immobilie entfällt in diesem Fall, da es sich bei der rund 170 Quadratmeter umfassenden Praxis um ein Mietobjekt handelt. Der Vermieter und der noch praktizierende Allgemeinmediziner Claus Bohlmann sichern einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger ebenfalls Unterstützung zu.
Erst im Mai ist eine Ärzte-Ansiedlung mit Mitteln aus dem KMU-Topf gefördert worden, bei dem Praxen allen anderen Unternehmen aus anderen Branchen gleichgestellt sind. Die frühere Differenzierung bestehe nicht mehr, berichtet Jürgen von Ahnen. Federführend bei der Mittel-Freigabe sei die Standortgemeinde, also hier die Stadt Cuxhaven.
Kassenärztliche Vereinigung fördert mit bis zu 60.000 Euro
Einen noch erheblicheren Anreiz sollte die Niederlassungsförderung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachen (KVN) darstellen: In ausgewählten Förderregionen kann auch 2024 eine Niederlassung mit bis zu 60.000 Euro gefördert werden. Im hausärztlichen Versorgungsbereich Cuxhaven stehen Mittel für zwei Sitze zur Verfügung.
Ohne Gegensteuern sieht es für den ländlichen Raum düster aus
Im Niederlassungs-Förderprogramm der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) für 2024 geht es um 46 Hausarzt- und acht Facharztsitze in ausgewählten Regionen, eine davon ist Cuxhaven. Angesichts der Prognose, dass von rund 5200 Hausärztinnen und -ärzten im Jahr 2035 nur noch 3750 tätig sein werden und vom Rückgang der ländliche Raum stark betroffen sein wird, hat die KVN 2016 mit der gezielten Förderung begonnen. Seither hat sie nach eigenen Angaben 232 Praxen gefördert (Stand Ende 2023).
In der fachärztlichen Versorgung wird vor einer drohenden Unterversorgung vor allem bei den Fachgruppen der Augenärzte, HNO-Ärzte, Hautärzte, Nervenärzte und Urologen gewarnt.
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