Cuxhaven: "Siedlung" will Vorreiter bei Wärmepumpen in Altbauten sein
Wärmepumpen sind nicht nur etwas für Neubauten: Die städtische Siedlungsgesellschaft Cuxhaven will beweisen, dass moderne Technik auch Bestandsbauten funktioniert, ohne dass die Mieter in kalten Wohnungen sitzen.
Ohne eine Wärmepumpe kommt heute so gut wie kein Neubau mehr aus. Dennoch wirkt das Ganze auf viele Privatleute noch ziemlich exotisch. Nicht aber für die Siedlungsgesellschaft Cuxhaven, die angefangen hat, ihren Bestand an Geschossbauten, zum Beispiel im Lehfeld, nach und nach auf die neue Technik umzurüsten.
Die ersten Wärmepumpen und Solaranlagen sind installiert. "Die Sanierung von Bestandsbauten und der Klimaschutz sind für uns zu einem ganz großen Thema geworden", erläutert Vorstand Peter Miesner. Die Siedlung habe schon vor einiger Zeit beschlossen, ihren CO2-Ausstoß signifikant zu senken. Bestärkt worden sei dieser Kurs durch den Ukraine-Krieg. Und: "Wir wollen zeigen, dass es auch in Bestandsbauten - und zwar Altbauten - funktioniert", sagen Miesner und Arne Siegel, Bereichsleiter Technik.
Großteil des Bestands aus den 30er- und den 50er-Jahren
Ein Großteil des Gebäudebestands stammt aus den 30er- und den 50er-Jahren. "Es geht vielleicht nicht bei allen, aber doch bei den meisten Häusern", sagt Arne Siegel. Er ist einer von drei Mitarbeitern der Siedlung, die gerade eine Ausbildung zum Klimamanager durchlaufen. Gerne würde die Siedlung noch etwas schneller vorangehen, bekommt aber auch Lieferengpässe und steigende Preise zu spürenh.
Zusätzliche Wärmedämmung ist unumgänglich
Jeder Heizungsumbau erfordere Begleitmaßnahmen, so Siegel. Eine zusätzliche Wärmedämmung (Fenster, Keller, Fassade, Dach, Geschossdecken) sei unabdingbar, am besten auch die Installation einer Solaranlage. "Wärmepumpen arbeiten ausschließlich mit Strom. Unser Ziel ist, über das Jahr 60 bis 70 Prozent der benötigten Energie über Photovoltaik zu gewinnen."
Dauerhaft günstige Mietkosten sicherstellen
Keinesfalls dürften Mieterinnen und Mieter in kalten Wohnungen sitzen, sagt Peter Miesner. Daher sei für den Fall ausfallender Photovoltaik-Anlagen, unbedingt eine Hausanschlussversorgung erforderlich, was derzeit öfter mit Warten auf die auf die Energieversorger verbunden sei. Die Modernisierung solle aber auch gemäß dem Gebot der Wirtschaftlichkeit dauerhaft günstige Betriebskosten sicherstellen, auch wenn diese Nachhaltigkeit Investitionen erfordere.
Aufklärung sei dabei wichtig, räumt Arne Siegel ein: "Die Heizkörper werden ohne die hohen Vorlauftemperaturen nicht mehr brüllend heiß." Dafür aber steige der Energieverbrauch auch nicht signifikant, wenn der Thermostat höher gedreht werde als früher. Im vergangenen Winter sei vielfach extrem wenig geheizt worden. Bei einer Grundwärme unter 18 Grad fühle sich aber nicht nur der Mensch unwohl, sondern auch die Substanz leide. Die neue Technik erlaube das Wohnen bei ganz normale Raumtemperaturen. Über all dies würden die Bewohnerinnen und Bewohner bei jeder Maßnahme rechtzeitig aufgeklärt.
Am Ende dauerhafte Senkung bei den Nebenkosten erreichen
Im Idealfall erfolge die Sanierung mietkostenneutral: "Weil wir nur einen Teil der Investition umlegen, kann es allenfalls zu einer leichten Erhöhung der Kaltmiete kommen." Dafür winke aber eine kräftige Ersparnis bei den Energiekosten.
Die Experten können nur darüber staunen, wie sich Deutschland in dieser Frage selbst im Weg steht. Unverständlich sei die Kürzung diverser Förderungen. "Im Ausland, etwa in Dänemark, wird die Energiewende - inklusive des Umbaus von Immobilien - als vordringliche nationale Aufgabe mit einem ganz anderen Selbstverständnis gesehen", so Peter Miesner.
Für "gesunden Pragmatismus" beim Denkmalschutz
Dieser Hintergrund mache auch eine gesetzliche Neubewertung des Denkmalschutzes dringend erforderlich. Bei der Sanierung der Blöcke in der Delftstraße 1 bis 13 kam die Siedlung nicht um den Einbau von Holzfenstern herum und auch die Solarkollektoren auf dem Dach wurden verweigert. Der Idealfall konnte so nicht erreicht werden.
Die Siedlung investiere auch im Interesse der Allgemeinheit Jahr für Jahr Millionen in die Bestandsbauten, gibt der Chef zu bedenken: "Da wünsche ich mir eine gesunde Portion Pragmatismus." Ein erhöhter Pflegeaufwand schlage sich schließlich auch in den Mietpreisen nieder. Das sei ach im Aufsichtsrat Thema und habe eine Diskussion mit dem Landesdenkmalschutz ausgelöst.
Den Dialog strebt die Siedlung auch mit anderen Akteuren der Wohnungswirtschaft an, die ebenfalls nicht untätig seien. "Wir sind bereit, aufeinander zuzugehen und uns zu vernetzen. Alle können Wissen weitergeben, aber auch vom Wissen anderer profitieren", regt Peter Miesner an. Die Siedlung nehme diese Verantwortung ernst.
Während das eigene Gebäude in der Gorch-Fock-Straße noch nicht umgebaut sei, setzte die Gesellschaft auf Gesten im täglichen Betrieb: Im Service würden etwa statt Autos nun E-Bikes eingesetzt und die Autoflotte werde nach und nach auf Elektrofahrzeuge umgerüstet.

