Cuxhavener Hausarzt: Die Ära Akbar endet mit Perspektive für Patienten
Für viele Patienten war er nicht nur Arzt, sondern Ratgeber und Vertrauter Entsprechend schwer fiel am Freitag der Abschied: Nachdem er über Jahrzehnte hinweg als Praktischer Arzt tätig war, geht M. D. Sarwar Akbar in den verdienten Ruhestand.
"Das Ende einer Ära", brachten es zwei Weggefährtinnen auf den Punkt: Als medizinische Fachangestellte organisieren Stephanie De Mattia und Yvonne Weiland seit beinahe 30 Jahren den Praxisalltag. Am vergangenen Freitag allerdings schwieg das Telefon, und die Menschen, die zur Tür hineindrängten, suchten ausnahmsweise keine Behandlung. Es sollte gefeiert werden in den Räumen, die der Arzt im Juli 2002 bezogen hatte. Insgesamt habe er allerdings noch ein bisschen länger, nämlich 33 Jahre, in Cuxhaven praktiziert, wandte Akbar, Träger des amerikanischen Titels "Medical Doctor", im Gespräch ein. Zunächst hatte der aus Afghanistan stammende Mediziner - seit vier Jahrzehnten besitzt er die deutsche Staatsbürgerschaft - die Praxis von Dr. Alexander in der Hamburg-Amerika-Straße übernommen.
Nachfolger tauschte Berg- gegen Seeblick
Aus Platzgründen erfolgte nach einiger Zeit der Umzug ins "City Center Cuxhaven"; jenem Standort, an dem der Doktor Tag für Tag um zehn nach neun die Türschwelle überschritt: Hinein in eine Welt, die ihm einiges abverlangte - und ihn doch menschlich erfüllte. "Das waren nicht nur Patienten, das war für mich wie eine Familie", sagt der 77-Jährige im Rückblick.
Was mit all diesen Leuten passiert, wenn er sich zur Ruhe setze - das hatte sich der Mediziner zuletzt immer wieder gefragt. Und weitergemacht, als kein Nachfolger in Sicht war. "Ich bin froh, dass ich jetzt jemanden gefunden habe", bekennt Akbar. Vier Jahre lang dauerte die Suche; am Ende stieß er auf einen jüngeren Kollegen, der Bergblick gegen Seesicht tauschen wollte: Dr. Alexandros Soutis war in den vergangenen fünf Jahren als Arzt im Allgäu tätig, bevor er mit Frau und Tochter nach Cuxhaven übersiedelte, um einen Stamm von circa 1.400 Patientinnen und Patienten (und die Angestellten der Praxis) zu übernehmen. "Wunderschön" sei es hier, äußern die Neu-Cuxhavener in Erinnerung an ihren ersten Strandtag in Sahlenburg.
Nicht "irgendein Job", sondern Lebensaufgabe
Sarwar Akbar wird die Stadt an der Elbmündung verlassen und ein Stück nordwärts ziehen - aus familiären Gründen, wie er betonte. Er wolle Kindern und Enkeln nahe sein, erklärte er am vergangenen Freitag im Gespräch mit Cuxhavens Oberbürgermeister. Uwe Santjer hatte Akbar den Dank der Stadt ausgesprochen - für eine Tätigkeit, die beileibe nicht nur irgendein Job gewesen sei. Zahlreiche Menschen hätten ihre Gesundheit in Akbars Hand gelegt. Das sei ein großer Vertrauensbeweis.
Nicht minder anerkennend äußerte sich am Freitag das Team: "Die beiden haben Wahnsinns-Integrationsarbeit geleistet", betonte Stephanie De Mattia und bezog sich dabei auf ihren "alten" Chef und dessen ebenfalls praktizierende Frau. De Mattia erinnerte an die große Flüchtlingswelle in den Jahren 2015/16. In Spitzenzeiten seien an einem Vormittag bis zu 130 Leute in der Praxis vorstellig geworden: In der Hoffnung, dass der Arzt, der Farsi und ein paar Brocken Arabisch spricht, ein offenes Ohr für Beschwerden, Sorgen und Nöte habe.