Mängel gibt es keineswegs nur innerhalb einzelner Wohnungen. Bei einem Rundgang durch die Wohnanlage springt diese an einem Gemeinschaftsweg liegende Treppe ins Auge. Dass sie nicht verkehrssicher ist, erkennt auch ein Laie. Foto: Koppe
Mängel gibt es keineswegs nur innerhalb einzelner Wohnungen. Bei einem Rundgang durch die Wohnanlage springt diese an einem Gemeinschaftsweg liegende Treppe ins Auge. Dass sie nicht verkehrssicher ist, erkennt auch ein Laie. Foto: Koppe
Wohnen

Cuxhavener "Kapitänsviertel": Name hält nicht ganz, was er verspricht

von Kai Koppe | 05.08.2026

Eher Maschinenraum als Brücke ist das Quartier, um bei einem Bild aus der Seefahrt zu bleiben: In einer Wohnanlage in Süderwisch kämpfen Bewohner mit eklatanten Mängeln. Betroffen sind nicht nur Wohnungen, sondern auch Gemeinschaftseinrichtungen 

Externe Mitarbeiter seien im Einsatz. Nicht nur, um Leerwohnungen zu sanieren, sondern auch, um von Mietern gemeldete Mängel zu "prüfen" und "abzuarbeiten". Das hatte die Eigentümerin des sogenannten Kapitänsviertels in der vergangenen Woche angekündigt. Anwohner bleiben skeptisch: In der Wohnanlage im Süderwisch gibt es an vielen Ecken massiven Handlungsbedarf.

In der von der K1 Holding vermieteten Wohnanlage geht es nicht allein um individuelle Belange, also um Reklamationen, die in den vier Wänden von möglicherweise auf Krawall gebürsteten Mietern liegen würden. Ein Rundgang, zu dem unsere Redaktion von einer Gruppe von Bewohnern eingeladen wurde, offenbarte deutlich sichtbare Mängel im Bereich von Gemeinschaftseinrichtungen. Vielfach handelt es sich um Schäden, die keineswegs erst vor Kurzem aufgetreten sind, sondern schon vor Wochen, Monaten oder gar im vergangenen Jahr angezeigt wurden. Dazu gehört ein Feuchtigkeitsproblem im Keller des Hochhauses im John-Brinckmann-Weg: Schon im Herbst 2022 schlugen Bewohner wegen überfluteter Kellerräume Alarm. Heute, gut zehn Monate später, spiegelt sich der Schein der Deckenlampen nach wie vor in den Pfützen auf dem Betonboden. Ein modriger Geruch wabert jedem entgegen, der die Stahltür öffnet, um den Kellerbereich zu betreten.

Bröckelnde Stufen und zunehmend Sperrmüll

Zurück im Tageslicht setzt sich die Mängelliste fort. Ein Unterstand, eigens eingerichtet für die Elektromobile von Mietern mit Handicap, hat einen Wolkenbruch in der vorletzten Juniwoche nicht heil überstanden. Das Regenwasser schwemmte Teile des Erdreichs unter dem mit Gehwegplatten ausgelegten Unterstand fort, ein Seniorenmobil stürzte in das entstandene Loch. Seither funktioniere die Elektronik des Gefährts nicht mehr richtig, berichtet ein Mieter.

Ein klassischer Haftungsfall, sollte man meinen, den eine Hausverwaltung nach landläufigem Ermessen als Teil des laufenden Geschäfts abwickeln müsste. "Soll der entstandene Schaden der Versicherung gemeldet werden?", fragte die zum Monatswechsel ausgeschiedene Verwaltungsgesellschaft allerdings bei der Eigentümerin nach. Der beschädigte Carport ist seit der Regennacht nicht zu benutzen. Anwohner wollen ihn selbst mit Flatterband abgesperrt haben - wegen der Unfallgefahr, die mutmaßlich noch an anderen Ecken im 281 Wohnungen umfassenden Quartier lauert.

Nur ein paar Meter entfernt liegt ein durch die Anlage führender Fußweg, der allerdings nur über eine vollständig marode Treppe zu erreichen ist. Betonplatten, mit denen die Stufen einst befestigt waren, sind lose oder sogar herausgebrochen. Wegen Stolperfallen und gefährlichen Kanten dürfte die Treppe aus Sicht von Bewohnern nicht mehr benutzt werden. Letztere sprechen von einem schleichenden Verfall eines ursprünglich sehr soliden Wohnviertels: Wo die Vermieter den Anschein erwecken, sich nicht wirklich zu kümmern, nehmen es einzelne Bewohner mit den Spielregeln nicht mehr so genau: Ausrangierte Möbel türmen sich nicht nur im Kellergang. Auch im Entreebereich haben Unbekannte eine Fuhre Sperrmüll abgeladen. "Manche Mieter machen, was sie wollen." Der Hausmeister, heißt es, komme bei der Vielzahl von Baustellen gar nicht mehr hinterher.

"Eigentlich wollen wir nur in Ruhe hier leben"

Jammerschade findet das eine Mieterin, die sich vom Grundsatz her keinen besseren Wohnort denken kann als diesen ausgesprochen grünen Teil Süderwischs. "Eigentlich wollen wir nur in Ruhe hier leben", sagt sie, um der Vorstellung entgegenzutreten, dass es sich bei Mietern, die auf Missstände hinweisen, um Querulanten handele. "Wenn hier etwas laufen soll" - das hat sie allerdings inzwischen gelernt - "dann nur über Druck".

Entsprechend groß waren die Erwartungen im Viertel deshalb, als sich der Oberbürgermeister einschaltete und im September vergangenen Jahres zu einer Aussprache mit Mietern, einem Makler und einem Ansprechpartner der (damaligen) Hausverwaltung einlud. Was Bewohner frustriert: Ein damals in Aussicht gestelltes zweites Treffen, an dem Vertreter der Eigentümerin K1 Holding teilnehmen sollten, kam bislang nicht zustande.

Bei Starkregen sackte der Boden dieses Unterstands (gedacht für Elektromobile von Mietern mit Handicap). Auf eine Schadensanzeige hin erfolgte bislang - nichts. Das Absperrband wurde nach Mieterangaben von Bewohnern gezogen. Foto: Koppe

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