Ende Februar 1992 wurde der Staatsvertrag zwischen Hamburg und Niedersachsen unterzeichnet: Hamburgs Regierender Bürgermeister Henning Voscherau (l.) und Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder (3.v.l.) unterzeichneten den Vertrag im Beisein von Cuxhavens Oberbürgermeister Dr. Hans-Heinrich Eilers und Dr. Thea Dückert, Fraktionschefin der Grünen im Landtag in Hannover. Archivfoto: Rohde
Ende Februar 1992 wurde der Staatsvertrag zwischen Hamburg und Niedersachsen unterzeichnet: Hamburgs Regierender Bürgermeister Henning Voscherau (l.) und Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder (3.v.l.) unterzeichneten den Vertrag im Beisein von Cuxhavens Oberbürgermeister Dr. Hans-Heinrich Eilers und Dr. Thea Dückert, Fraktionschefin der Grünen im Landtag in Hannover. Archivfoto: Rohde
Nachruf

Thea Dückert gestorben: Sie hatte Cuxhavens Hafenentwicklung im Fokus

von Redaktion | 05.08.2026

Niedersachsen trauert um Thea Dückert, eine leidenschaftliche Politikerin, die mit Entschlossenheit Cuxhavens Hafenentwicklung vorantrieb und neue wirtschaftliche Perspektiven für die Region eröffnete.

Mit dem Tod von Dr. Thea Dückert verliert Niedersachsen eine engagierte Politikerin, leidenschaftliche Europäerin und überzeugte Verfechterin einer nachhaltigen Wirtschafts- und Strukturpolitik. Für die Stadt Cuxhaven bleibt sie jedoch vor allem als eine Frau in Erinnerung, die sich in einer entscheidenden Phase der Stadtentwicklung mit großer Entschlossenheit für die Zukunft des Cuxhavener Hafens einsetzte.

Thea Dückert (* 5. Juni 1950 in Berlin; † 30. Juli 2026 in Oldenburg) studierte Volkswirtschaftslehre in Bonn und Regensburg, promovierte 1982 zur Dr. rer. pol. mit einer Arbeit über arbeitsbeschaffende Maßnahmen. Anschließend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg und leitete später die Kooperationsstelle Hochschule-Gewerkschaften.

1985 trat sie der Partei Die Grünen bei und entwickelte sich rasch zu einer der prägenden Persönlichkeiten der niedersächsischen Grünen. Von 1986 bis 1994 gehörte sie dem Niedersächsischen Landtag an. Während der ersten rot-grünen Landesregierung unter Ministerpräsident Gerhard Schröder war sie Vorsitzende der grünen Landtagsfraktion und verantwortete insbesondere die Politikfelder Wirtschaft und Verkehr.

Eine Fürsprecherin für Cuxhaven

Gerade in dieser Funktion erkannte Thea Dückert früh die enorme Bedeutung des Cuxhavener Hafens für die wirtschaftliche Zukunft Niedersachsens. Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre befand sich Cuxhaven in einer schwierigen Umbruchphase. Der Niedergang der Hochseefischerei erforderte neue wirtschaftliche Perspektiven, gleichzeitig war der Amerikahafen, der sich noch weitgehend in hamburgischer Hoheit befand, über Jahre vernachlässigt worden.

Für Thea Dückert war dies nicht hinnehmbar. Rückblickend schilderte sie ihren persönlichen Einsatz mit den Worten:

"Dann musste er [Gerhard Schröder] in diesen Tagen auch noch mit mir zu Oberbürgermeister Voscherau nach Hamburg reisen, weil ich partout nicht akzeptieren wollte, dass der Amerikahafen in Cuxhaven weiterhin zu Hamburg gehören muss und verrottet. Und - siehe da, es ging auch anders."

Diese Aussage verdeutlicht, mit welcher Beharrlichkeit sie sich für Cuxhaven einsetzte. Ihr Engagement beschränkte sich nicht auf politische Erklärungen. Bereits 1990 war sie unmittelbar an Gesprächen zwischen Niedersachsen und Hamburg beteiligt, in denen die Zukunft des Amerikahafens verhandelt wurde. Gemeinsam mit Ministerpräsident Gerhard Schröder setzte sie sich dafür ein, die Entwicklungsmöglichkeiten des Hafens dauerhaft zu sichern.

Der Amerikahafen - eine Weichenstellung für Generationen

Die Übertragung des Amerikahafens auf Niedersachsen zählt heute zu den wichtigsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen der jüngeren Cuxhavener Geschichte. Der zwischen Hamburg und Niedersachsen geschlossene Staatsvertrag sah vor, den Übergang des Amerikahafens an Niedersachsen, die Konzentration neuer Umschlagsanlagen im Amerikahafen, den Verzicht auf konkurrierende Hafenplanungen im Grodenbereich sowie eine auf zehn Jahre befristete Container-Sperrklausel zugunsten Hamburgs.

Dr. Thea Dückert, die frühere Fraktionschefin der Grünen im Niedersächsischen Landtag,k war häufig in Cuxhaven zu Besuch, auch später als Bundestagsabgeordnete. Hier wurde sie von dem früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Wolfgang von Geldern empfangen. Foto: CNV-Archiv

Was damals ein politischer Kompromiss war, erwies sich langfristig als entscheidender Schritt für die Entwicklung des Hafenstandortes. Nach Ablauf der Sperrklausel konnte Cuxhaven seine Hafenanlagen eigenständig ausbauen und neue Geschäftsfelder erschließen.

Heute gehört der Hafen zu den bedeutendsten deutschen Umschlagplätzen für Projektladung, RoRo-Verkehr, Schwergut und insbesondere für Komponenten der Offshore-Windenergie. Die Grundlagen dieser Entwicklung wurden in den frühen 1990er-Jahren gelegt - in jener Zeit also, in der sich Thea Dückert mit großem persönlichem Einsatz für die Interessen Cuxhavens stark machte.

Der alternative Ehrenring - eine außergewöhnliche Auszeichnung

Wie sehr ihr Engagement vor Ort geschätzt wurde, zeigt eine bis heute einzigartige Ehrung.

Am 28. Mai 1996 verlieh die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Cuxhavener Stadtrat Thea Dückert den ersten und bis heute einzigen "alternativen Ehrenring" der Stadt.

Der Ehrenring gilt nach der Ehrenbürgerschaft als höchste Auszeichnung Cuxhavens. Dass die Grünen eine eigene Form dieser Ehrung schufen, unterstreicht die außergewöhnliche Bedeutung, die sie Dückerts Einsatz für die Hafenentwicklung beimaßen.

Die Begründung war ebenso knapp wie eindeutig: "Für ihre Verdienste um die Cuxhavener Hafenentwicklung."

Diese Würdigung war weit mehr als eine parteiinterne Auszeichnung. Sie war Ausdruck der Überzeugung, dass Thea Dückert in einer entscheidenden Phase der Stadtentwicklung maßgeblich dazu beigetragen hatte, Cuxhaven neue wirtschaftliche Perspektiven zu eröffnen.

Weit über Niedersachsen hinaus engagiert

Nach ihrer Zeit im Niedersächsischen Landtag gehörte Thea Dückert von 1998 bis 2009 dem Deutschen Bundestag an. Dort war sie unter anderem arbeitsmarkt- und sozialpolitische Sprecherin, stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion sowie Parlamentarische Geschäftsführerin von Bündnis 90/Die Grünen.

Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag übernahm sie zahlreiche verantwortungsvolle Aufgaben. Sie war Mitglied des Nationalen Normenkontrollrates, gehörte dem Aufsichtsrat der Salzgitter AG an und wirkte im Verwaltungsrat des Norddeutschen Rundfunks, dessen Finanzausschuss sie leitete.

Cuxhaven verdankt ihr bleibende Impulse

Die Geschichte des Cuxhavener Hafens reicht weit zurück. Bereits im Jahr 1872 bezeichnete ein Chronist Cuxhaven als einen "von der Natur bestimmten deutschen Zentralhafen". Dennoch blieb dieses Potenzial lange Zeit ungenutzt. Erst mit der Entwicklung der Hochseefischerei, später durch den Ausbau des RoRo-Verkehrs und schließlich durch die Offshore-Windenergie entwickelte sich der Hafen zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte Norddeutschlands.

Thea Dückert erkannte diese Chancen früh. Sie setzte sich mit Nachdruck dafür ein, dass Cuxhaven die Möglichkeit erhielt, seine Hafenentwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Ihr Einsatz fiel in eine Phase, in der entscheidende politische Weichen gestellt wurden - mit nachhaltigen Folgen für Wirtschaft, Arbeitsplätze und die Zukunft der gesamten Region.

Mit Thea Dückert verliert Deutschland eine profilierte Politikerin und Niedersachsen eine engagierte Gestalterin. Cuxhaven verliert darüber hinaus eine überzeugte Fürsprecherin, die sich in einer entscheidenden Phase mit Ausdauer, Sachverstand und politischem Mut für die Zukunft der Stadt eingesetzt hat.

Der alternative Ehrenring, den sie 1996 erhielt, bleibt bis heute ein einzigartiges Zeichen dieser Anerkennung. Er erinnert daran, dass engagierte Landespolitik ganz konkrete Auswirkungen auf die Entwicklung einer Stadt haben kann.

Die Cuxhavener Grünen werden Thea Dückert als Freundin der Stadt, als Wegbereiterin einer zukunftsorientierten Hafenpolitik und als Persönlichkeit in dankbarer Erinnerung behalten. Ihr Wirken hat dazu beigetragen, dass Cuxhaven heute auf einem wirtschaftlichen Fundament steht, dessen Grundsteine in den bewegten Jahren der Hafenneuordnung gelegt wurden. (red)

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