Harald Nülle, Tino Dell und Tom Ziolek vom DLRG-Einsatzteam haben das Treiben im Bojenbad in der Grimmershörnbucht fest im Blick. Foto: Potschka
Harald Nülle, Tino Dell und Tom Ziolek vom DLRG-Einsatzteam haben das Treiben im Bojenbad in der Grimmershörnbucht fest im Blick. Foto: Potschka
Sicherheitshinweise am Wasser

Lebensgefahr in der Nordsee: Was Schwimmer unterschätzen

von Jens Potschka | 05.08.2026

Wenn Schwimmer die sicheren Bereiche der Grimmershörnbucht verlassen, wird aus Freizeitvergnügen schnell Lebensgefahr. Strömungen und Schiffsverkehr stellen eine unsichtbare Bedrohung dar, die in Sekunden zur tödlichen Falle werden kann.

Immer wieder verlassen Schwimmer die gesicherten Bereiche der Grimmershörnbucht. Sie ignorieren Lautsprecherdurchsagen und schwimmen Richtung Elbfahrwasser bis zur grünen Tonne. Bei Strömungen von bis zu fünf Kilometern pro Stunde und dichtem Schiffsverkehr entsteht dort akute Lebensgefahr. Auch bei der Rettungsstation Altenbruch kommt es wegen der Fahrwassernähe häufig zu kritischen Situationen.

Gefährliche Nähe zur Fahrrinne

"Bei Strömungsgeschwindigkeiten bis zu 5 km/h und dem Schiffsverkehr besteht dann akute Lebensgefahr", sagt Dieter Sandforth, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Cuxhaven. Besonders tückisch: der Leitdamm. Der verzögerte Wellenschlag vorbeifahrender Schiffe kann Menschen unvermittelt ins Fahrwasser reißen.

Auch die Priele im Watt bergen Risiken. Sie können binnen kurzer Zeit tief werden und starke Strömungen entwickeln. Ausschlaggebend sind Tidenhub, Mondphase und Wind. Dieter Sandforth rät deshalb dringend zu Wattwanderungen nur mit Gezeitenkenntnis oder in Begleitung eines Wattführers.

Unsichtbare Gefahren lauern

Nicht jede Gefahr ist auf den ersten Blick erkennbar. Schlickfelder bergen Einsinkgefahr, Muschelfelder drohen mit Schnittwunden, algenbewachsene Buhnen werden schnell zur Rutschbahn. Dieter Sandforth empfiehlt Urlaubern, Hinweistafeln, Warnschilder und das Personal der Rettungsstationen ernst zu nehmen. Auch Einheimische sind vor Fehlern nicht gefeit. Vermeintliche Routine bei häufigen Wattwanderungen nach Neuwerk führt mitunter zu falscher Sicherheit. Einen typischen Touristenfehler gebe es dagegen nicht, so der DLRG-Vorsitzende im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Rettungskette funktioniert schnell

Bei einem Notruf greift in Cuxhaven binnen kürzester Zeit ein eingespieltes System. Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehren, die Seenotretter der DGzRS, die Wasserschutzpolizei, die NHC und die Schnell-Einsatz-Gruppe der DLRG arbeiten Hand in Hand. Im Ernstfall kommen auch SAR-Hubschrauber der Marine aus Nordholz zum Einsatz. Sandforth spricht von einer "Blaulichtfamilie", die auf gegenseitigem Vertrauen basiere.

Sorge bereitet ihm dagegen das sinkende Schwimmvermögen der Kinder. Schulschließungen von Schwimmbädern und ausgefallener Unterricht während der Corona-Zeit hinterließen Spuren. Positiv wirke das Kooperationsprojekt "Seepferdchen": Aus acht Nichtschwimmern wurden dort binnen fünf Tagen begeisterte Schwimmer, gemeinsam mit den Grundschulen Nordholz und Dorum. Ein Projekt, das Wiederholung verdiene, so Dieter Sandforth abschließend.

Rettungseinsatz in der Grimmershörnbucht: Die DLRG-Crew ist stets bereit, um Schwimmer vor den unsichtbaren Gefahren der Nordsee zu schützen. Foto: Potschka

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Jens Potschka
Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

potschka@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Wohnen

Cuxhavener "Kapitänsviertel": Name hält nicht ganz, was er verspricht

von Kai Koppe

Eher Maschinenraum als Brücke ist das Quartier, um bei einem Bild aus der Seefahrt zu bleiben: In einer Wohnanlage in Süderwisch kämpfen Bewohner mit eklatanten Mängeln. Betroffen sind nicht nur Wohnungen, sondern auch Gemeinschaftseinrichtungen 

Nachruf

Thea Dückert gestorben: Sie hatte Cuxhavens Hafenentwicklung im Fokus

von Redaktion

Niedersachsen trauert um Thea Dückert, eine leidenschaftliche Politikerin, die mit Entschlossenheit Cuxhavens Hafenentwicklung vorantrieb und neue wirtschaftliche Perspektiven für die Region eröffnete.

Mittelalter im Fort Kugelbake

Drei Tage lang Historienspektakel in Cuxhaven: Gewinnerinnen freuen sich über Tickets

von Redaktion

Das Fort Kugelbake lädt zum 27. Historienspektakel ein. Drei Tage voller mittelalterlicher Erlebnisse mit Marktständen und Musik erwarten die Besucher. Drei glückliche Gewinnerinnen dürfen sich über Freikarten freuen.

Badespaß unterm Nachthimmel

Mitternachtsschwimmen in Oxstedt: Fast 100 Gäste kommen ins Freibad

von Christian Mangels

Bis tief in die Nacht war das Freibad Oxstedt voller Leben: Fast 100 Besucher folgten der Einladung zum Mitternachtsschwimmen. Musik, Licht und warmes Wasser sorgten für eine besondere Atmosphäre. Für den Förderverein steht fest: Das wird wiederholt.