"Der richtige Ort": Warum Cuxhaven das Lotsenviertel auf den Prüfstand stellt
Es ist schon das Vorzeigequartier zwischen Innenstadt und Hafen. Und doch nimmt die Stadt Cuxhaven das Lotsenviertel ins Visier. Es geht um die Zukunft des Quartiers.
In seiner jüngsten Sitzung hat sich der Rat einstimmig dafür ausgesprochen, die Situation im Cuxhavener Lotsenviertel zu hinterfragen. Im Vorzeigequartier zwischen Innenstadt und Hafen sollen Untersuchungen anlaufen, die später in ein Quartierskonzept münden. In diesem Papier möchte die Stadt aufzeigen, wo es im Viertel überall "hakt". Ziel ist auch, das Lotsenviertel in die Städtebauförderung aufnehmen zu lassen.
Unter dem Tagesordnungspunkt "Untersuchungsgebiet Lotsenviertel" begrüßte CDU-Ratsfrau Beatrice Lohmann die oben dargestellten Bestrebungen ausdrücklich. "Das ist der richtige Ort, den wir uns ausgeguckt haben", sagte Lohmann in der Sitzung am vergangenen Donnerstag.
Anregung: weitere Quartiere in Cuxhaven untersuchen
Zugleich regte sie an, weitere Bereiche in ähnlicher Form in den Fokus zu nehmen. Zum Beispiel Döse: Für Cuxhavens zweitgrößten Stadtteil könnte sich die Ratsfrau ebenfalls ein solches, in ein Quartierskonzept mündendes Verfahren vorstellen. Sie verwies zudem auf einen Ratskollegen von der SPD: Gunnar Wegener habe unter denselben Vorzeichen das Cuxhavener Musikerviertel ins Gespräch gebracht. "Vielleicht gibt es in Zukunft eine Prioritätenliste, das würde mich freuen", schloss Lohmann.
Im Lotsenviertel sieht die Verwaltung inzwischen erheblichen Handlungsbedarf. Eine Reihe von Gebäuden sei hier sanierungs- oder modernisierungsbedürftig, heißt es in der vorgelegten Beschlussvorlage, die bezüglich der Zustandsbeschreibung bereits relativ konkret wird. So sollen etwa 84 Prozent des Baubestands aus ungedämmten Gebäuden bestehen. Hinzu kommen Defizite bei Barrierefreiheit und technischer Ausstattung: Gas- und Ölheizungen dominieren in einem Quartier, das mit seinen überwiegend aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert stammenden Häusern einen hohen städtebaulichen und denkmalpflegerischen Wert besitzt.
Probleme sieht die Verwaltung ferner im öffentlichen Raum: Mehr als 80 Prozent der Flächen seien versiegelt - ungünstig, unter den Vorzeichen eines sich in Richtung extremerer Wetterereignisse entwickelnden Klimas: Bei Starkregen steigt die Überflutungsgefahr. An heißen Tagen heizen sich befestigte Flächen überproportional auf; Letzteres auch aufgrund fehlender Grünflächen. Plätze, die zum Verweilen einladen, sind ebenfalls rar, ein Manko sind ferner fehlende Spielmöglichkeiten im Viertel. Auf der anderen Seite sind einige Straßen sanierungsbedürftig und es herrscht hoher Parkdruck. Hinzu kommen sanierungsbedürftige Straßen und ein hoher Parkdruck.
Schillerstraße: Leerstandsproblematik trotz Umgestaltung vor 15 Jahren
Ein besonderes Augenmerk gilt der Schillerstraße - war sie doch bereits vor einigen Jahren mit Städtebaufördermitteln zur Einkaufs-, Aufenthalts- und Flaniermeile umgestaltet worden. Trotz solcher Maßnahmen haben Leerstände zugenommen, andere Ladenlokale werden mittlerweile als Büros genutzt. Die Verwaltung sieht dadurch den kleinteiligen Einzelhandel geschwächt, hält die Straße wegen ihrer Lage nahe dem Deich und des wertvollen Baubestands aber nach wie vor für entwicklungsfähig.
Bestätigung erhofft man sich von einem Fachbüro, das den Sanierungsbedarf im Viertel eruieren soll. Inwiefern entsiegelt werden, Barrierefreiheit hergestellt oder das Parken neu geordnet werden kann, gehört ebenfalls zu den zu stellenden Fragen. Auch die Entwässerungssituation soll im Zuge von Straßensanierungen berücksichtigt werden.
Die Untersuchungen sollen in den kommenden beiden Jahren erfolgen; auch das Quartierskonzept soll vor Ablauf dieser Frist vorliegen. Über eine Sanierungssatzung soll der Rat der Stadt nämlich ebenfalls noch im Jahr 2028 entscheiden. Besagter Zeitplan wurde nicht aus dem hohlen Bauch heraus festgelegt, sondern hat mit der Vergabe von öffentlichen Geldern zu tun. "Das Viertel würde davon profitieren, in die Städtebauförderung aufgenommen zu werden", hat die Verwaltung in der dem Rat vorgelegten Beschlussvorlage geschrieben. Bis Mitte 2028 muss sie sich um die Aufnahme in das Förderprogramm für 2029 beworben haben.
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