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Allein gegen Meer und Marlin: Stefan Hallmayer verabschiedet sich als Hemingways Fischer Santiago von der Bühne. Foto: Richard Becker
Allein gegen Meer und Marlin: Stefan Hallmayer verabschiedet sich als Hemingways Fischer Santiago von der Bühne. Foto: Richard Becker
Vier Gastspiele im Fokus

Stadttheater Cuxhaven: Vier Theater-Highlights im November - von Hemingway bis Hamlet

von Jens Potschka | 23.10.2026 Zuletzt aktualisiert: 23.10.2026 22:14 Uhr

Sturmwarnung für die Bühne: Vier packende Inszenierungen mit Fluchten aufs Meer, Familientragödien, rockigen Prinzen und rhetorischen Schlachten fordern das Stadttheater Cuxhaven heraus. Spannung garantiert, Überraschungen inbegriffen.

Der November bringt an der Küste Sturm. Im Stadttheater Cuxhaven bringt er diesmal vier Gastspiele, die es in sich haben. Binnen zehn Tagen erleben die Besucher einen alten Fischer im Kampf mit dem Meer, einen Vater im Kampf um seinen Sohn, einen dänischen Prinzen mit Rockband und eine junge Politikerin, die erst lernen muss, ihre Stimme zu erheben. Drei Abende gehören zum Abonnement, einer läuft als Sonderveranstaltung.

Ein Mann, ein Boot

Den Anfang macht am Montag, 2. November, um 20 Uhr ein Klassiker der Weltliteratur. Ernest Hemingways "Der alte Mann und das Meer" erzählt von Santiago, einem Fischer, der seit 84 Tagen nichts gefangen hat. Armut und Einsamkeit wachsen. Trotzdem fährt er jeden Morgen wieder hinaus. Dann beißt ein riesiger blauer Marlin an und zieht das kleine Boot aufs offene Meer. Es beginnt ein Ringen zwischen menschlichem Stolz und der Natur, ein Kampf ums Überleben.

Das Altonaer Theater und das Theater Lindenhof aus Melchingen bringen die Geschichte als Solo auf die Bühne. Regisseur Luca Zahn hat die Bühnenfassung geschrieben, Johannes Hofmann die Musik. Auf der Bühne steht allein Stefan Hallmayer. Der mehrfache Träger des Monika-Bleibtreu-Preises nimmt mit dieser Rolle Abschied vom Theater. Ein Abschied, der passt: Hemingways Fischer fragt, wofür wir kämpfen, woran wir uns festhalten und was bleibt, wenn die Kräfte schwinden. Wer in Cuxhaven lebt, weiß, wie nah das Meer solchen Fragen kommt. Das Theater Lindenhof erhält in diesem Jahr übrigens eine Auszeichnung beim Theaterpreis des Bundes.

Wenn Liebe nicht reicht

Weit näher an unserer Gegenwart liegt der Abend am Donnerstag, 5. November, um 20 Uhr. Der französische Dramatiker Florian Zeller erzählt in "Der Sohn" von Nicolas. Der 17-Jährige ist kein unbeschwertes Kind mehr. Abschlussjahr, Trennung der Eltern, die neue Familie des Vaters: Alles wird ihm zu viel. Er schwänzt die Schule und wird aggressiv. Auf eigenen Wunsch zieht er von der überforderten Mutter zum Vater Pierre und dessen neuer Frau. Pierre fühlt sich schuldig und will alles richten. Eine Weile scheint das zu gelingen. Dann zeigt ein Suizidversuch, wie ernst es um Nicolas steht. Pierre verzichtet dennoch auf professionelle Hilfe. Reicht seine Liebe, um den Sohn zu retten?

Ein Vater kämpft um seinen Sohn: Florian Zellers Drama "Der Sohn" kommt mit Matthias Schloo und Dorothea Schenck in neuer Besetzung nach Cuxhaven. Foto: Urban Ruths

Kurz vor dem Gastspiel musste das Ensemble gleich zwei Hauptrollen neu besetzen. Hardy Krüger jr. sagt aus medizinischen Gründen ab. Den Vater spielt nun Matthias Schloo, den viele Fernsehzuschauer als Hauptkommissar Mattes Seeler aus der ZDF-Serie "Notruf Hafenkante" kennen. Auch Alexa Maria Surholt fällt aus gesundheitlichen Gründen aus. Für sie übernimmt Dorothea Schenck die Rolle der Mutter Anne. Die erfahrene Schauspielerin ist unter anderem aus der ARD-Serie "Großstadtrevier" bekannt. Krüger bedauert seinen Ausfall zutiefst und wendet sich mit persönlichen Worten an das Publikum: "Gehen Sie ins Theater und schauen Sie sich 'Der Sohn‘ an. Ich verspreche Ihnen, es lohnt sich!"  Quentin Lopes spielt weiterhin den Sohn, Nadine Menz die neue Frau Sofia. Holger Hauer führt Regie und übernimmt zugleich die Rolle des Arztes. Die Vorstellung findet wie geplant statt. Ein Stück, das wehtut und gerade deshalb lange nachwirkt.

Lederkostüme, Live-Band und Fechtkunst: Die Opernwerkstatt am Rhein bringt "Hamlet" als Rockmusical nach Cuxhaven. Foto: Opernwerkstatt am Rhein

Shakespeare trifft Steampunk

Ganz anders klingt es am Sonnabend, 7. November. Um 19 Uhr rockt die Opernwerkstatt am Rhein Shakespeares "Hamlet". Die Handlung bleibt die alte: Hamlets Vater ist tot, die Mutter heiratet hastig dessen Bruder Claudius, und der Prinz ahnt einen Mord. Statt Musicalschmalz erklingen Hits von den 80ern bis heute, live gespielt von einer sechsköpfigen Band: Talking Heads, Supertramp, Kate Bush und Adele.

15 Schauspieler, Tänzer und Sänger stehen in Kostümen aus Leder und Metall auf der Bühne. Choreografin Lara Diez mischt höfischen Tanz mit Hip-Hop und Rock'n'Roll. Fechtmeisterin Saskia Leder hat ein Duell in fünf Gängen einstudiert. Puppenbauer Hans Dieter Flerlage, bekannt durch die Satireserie "Hurra Deutschland", hat große Tragepuppen gebaut. Dass etwas faul ist im Staate, spüren derzeit viele. Die Macher halten Hamlet deshalb für hochaktuell. 

Vom Schlagabtausch zum Podcast: In "Mayas Kontra" werden zwei politische Erzfeinde zu Verbündeten. Foto: Kai Senf

Erzfeinde am Mikrofon

Zum Schluss wird es politisch und komisch zugleich. Am Mittwoch, 11. November, 20 Uhr, steht "Mayas Kontra" von Carolina Zimmermann auf dem Spielplan. Maya ist 23, frisch eingebürgert und will mit ihrem Parteibuch die deutsche Politik aufmischen. Dort zählen jedoch eher Ellenbogen und rhetorische Brillanz als Ideale. Ausgerechnet Dr. Christian Stahl, Schwergewicht der Gegenseite, pöbelt sie an. Ein Video davon geht viral. Stahls Partei verdonnert ihn zur Schadensbegrenzung: Er soll Mayas Rhetorikcoach werden. Aus Feindschaft wächst eine schräge Allianz zwischen Provokation, Traumaarbeit und Schopenhauer. Am Ende verlieren beide ihre politische Bühne, nicht aber ihren Mut, und starten gemeinsam einen Podcast. Eine bissige Komödie über Sprache, Haltung und Menschlichkeit und ein würdiger Schlusspunkt für einen Theaternovember, der Cuxhaven viel zu sagen hat.

Karten gibt es bei der Kulturinformation im Schlossgarten 2, telefonisch unter (0 47 21) 6 22 13, bei allen Vorverkaufsstellen der Tourist-Infos und online über Reservix.

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Jens Potschka

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