Auf Augenhöhe mit dem Publikum: Die Oberbürgermeister-Kandidaten Thomas Brunken, Alexander Bremer, Axel Schneider, Amtsinhaber Uwe Santjer und Günter Wichert (v.l.) diskutierten im Gemeindesaal Ritzebüttel mit Eltern und Lehrkräften über die Schulpolitik in Cuxhaven. Foto: Potschka
Auf Augenhöhe mit dem Publikum: Die Oberbürgermeister-Kandidaten Thomas Brunken, Alexander Bremer, Axel Schneider, Amtsinhaber Uwe Santjer und Günter Wichert (v.l.) diskutierten im Gemeindesaal Ritzebüttel mit Eltern und Lehrkräften über die Schulpolitik in Cuxhaven. Foto: Potschka
Podiumsdiskussion Stadtelternrat

Cuxhavens Schulpolitik: überraschende Lösungen bei OB-Debatte

von Jens Potschka | 28.08.2026

Die Diskussion um Schulpolitik in Cuxhaven brachte überraschende Wendungen: Auf Augenhöhe mit den Bürgern stellten sich die OB-Kandidaten den drängendsten Fragen und boten unkonventionelle Lösungen für altbekannte Probleme an.

Rund 25 Zuhörer kamen am Donnerstagabend in den Gemeindesaal Ritzebüttel der Martinskirche, um zu erleben, wie die Cuxhavener Bewerber um das Amt des Oberbürgermeisters mit den drängendsten Fragen der Schulpolitik umgehen. Eingeladen hatte der Stadtelternrat Cuxhaven. Dessen Vorsitzender Nils Fenske und seine Stellvertreterin Isabel Conde hatten zuvor Fragen aus Elternschaft und Lehrerkollegien gesammelt und moderierten den Abend.

Weil der Saal überschaubar blieb, verließen die Kandidaten das Podium und setzten sich mitten unters Publikum, auf Stühle, auf Treppenstufen, auf Augenhöhe mit ihren Zuhörern. Amtsinhaber Uwe Santjer (SPD) stellte sich ebenso den Fragen wie Thomas Brunken (CDU), Günter Wichert (FDP), Axel Schneider (Die Demokraten) und Alexander Bremer (Wählergemeinschaft Die Cuxhavener). Brunken musste die Runde nach gut einer Stunde wegen eines weiteren Termins verlassen. Die übrigen Kandidaten diskutierten fast anderthalb Stunden lang.

Streit um Ganztag und Hort

Gleich zu Beginn ging es um den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Santjer zeigte sich enttäuscht von der Landesregierung: "Ich bin ziemlich enttäuscht, was aus Hannover gekommen ist, was den Ganztag angeht." Er warb dafür, das gut ausgebaute Hortnetz der Stadt zu erhalten, solange die Ganztagsschule dessen Leistung nicht ersetzen könne. Schneider forderte vor allem verlässliche Mittel: "Wir brauchen genügend Mittel, um das eben alles auszustatten." Brunken verwies auf den chronischen Personalmangel bei Erziehern und Lehrkräften und mahnte eine langfristige Perspektive an: "Ich würde mir wünschen, dass wir nicht von fünf Jahren zu fünf Jahren denken, sondern einmal eine Generationenplanung machen." Bremer wollte einen städtischen Koordinator einsetzen, der Zuständigkeiten bündelt, und betonte die Bedeutung guter Verpflegung für die Kinder. Wichert sprach sich dafür aus, Hort und Ganztag stärker zu verzahnen, und sah im Hort ausdrücklich einen Mitbewerber der Schulen.

Eine Erzieherin aus dem Publikum brachte den Vorschlag ein, Hort und Ganztag wie in Nordrhein-Westfalen ganz zusammenzulegen, um doppelte Verwaltung zu vermeiden. Santjer nahm die Idee als Prüfauftrag mit. Wichert kündigte an, sich vertieft damit zu befassen.

Sanierungsstau setzt Schulen zu

Beim Streit um die Prioritätenliste für Schulbauten wurde es hitzig. Wichert lehnt die bestehende Reihenfolge ab und fordert, alle vier Problemschulen gleichzeitig zu behandeln: "Wir können auch zum Mond fliegen, meine sehr verehrten Damen und Herren. Wir müssen es doch nur wollen." Er warf der Verwaltung vor, für das Wattenmeer-Besucherzentrum in Sahlenburg und das Museum Windstärke 10 Kapazitäten gefunden zu haben, nicht aber für die Grundschulen, was Santjer umgehend zurückwies: "Herr Wichert, das ist unfair." Der Oberbürgermeister verteidigte das gemeinsame Vorgehen und verwies auf den Neubau der Gorch-Fock-Schule an der Hermann-Allmers-Straße, für den seit Dezember 2024 ein Auftrag vorliegt und mit dem in rund vier Jahren gerechnet wird. Schneider und Brunken stützten die bestehende Priorisierung und mahnten Realismus an, da nicht alle Bauvorhaben parallel finanzierbar seien. Bremer forderte, Verantwortliche notfalls "mit Nachdruck" zur Umsetzung zu bewegen.

Bildungsgerechtigkeit als zentrale Frage

Auf die Frage einer Konrektorin der Grund- und Oberschule Süderwisch nach dem Stellenwert von Bildungsgerechtigkeit reagierten die Kandidaten unterschiedlich. Bremer sah die Stadt vor allem in der Pflicht, Infrastruktur und Ausstattung bereitzustellen: "Bei meiner Familie gilt: An Bildung und Essen wird nicht gespart." Schneider plädierte für mehr digitale Ausstattung an den Schulen. Santjer nannte Bildung den Ausgangspunkt für die Lösung vieler städtischer Probleme und kündigte an, zusätzliches Fachpersonal in Schulen mit besonderen sozialen Herausforderungen zu bringen: "Es reicht nicht alleine, in Steine zu investieren, sondern wir müssen in Köpfe investieren." Wichert warb für ein kommunales Startchancen-Modell nach nordrhein-westfälischem Vorbild und für mehr Anerkennung der Lehrkräfte.

Lehrkräfte fordern klare Verbindlichkeit

Zum Abschluss meldeten sich mehrere Schulleitungen zu Wort. Eine Rektorin bat die Kandidaten, künftig direkt mit den Schulen statt über sie zu sprechen. Eine weitere Schulleiterin forderte einen verbindlichen und transparenten Schulentwicklungsplan für die kommenden Jahre, damit Eltern und Kollegien wüssten, woran sie seien. Der Abend zeigte fünf unterschiedliche Handschriften in der Schulpolitik. Einig waren sich die Kandidaten am Ende nur darin, dass Cuxhavens Schulen dringend mehr Raum, mehr Personal und mehr Verlässlichkeit brauchen.

Auf einen Blick: Alte Gorch-Fock-Schule besichtigen 

Günter Wichert hat die rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion ausdrücklich eingeladen, sich am Sonntag, 30. August, in der Zeit von 15 bis 17 Uhr noch einmal die alte Gorch-Fock-Schule anzusehen. Dort veranstaltet er nach eigenen Angaben für einen begrenzten Personenkreis einen "Tag der offenen Tür". Besucher werden in kleinen Gruppen durch das Gebäude geführt, einzelne Bereiche bleiben abgesperrt. Das Betreten erfolgt ausdrücklich auf eigene Gefahr.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Jens Potschka
Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

potschka@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Rückblick

Wandel des Cuxhavener Quartiers Lehfeld: In 20 Jahren viel erreicht

von Kai Koppe

Vom stigmatisierten "Ostblock" zu einem lebendigen Stadtteil: Wie sich das Cuxhavener Lehfeld in zwei Jahrzehnten "gemausert" hat, stellte der Stadtteilverein kürzlich vor Gästen aus dem Bereich der Landesarbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte vor. 

Dölles Hotel

Ein Grandhotel mitten in Cuxhaven - bis 1967 der Abrissbagger kam

von Christian Mangels

Am 2. September 1876 eröffnete am heutigen Kaemmererplatz Dölles Hotel. Politiker und Admiräle logierten hier, Cuxhavener feierten im "Blauen Affen". Das Haus wurde zum Spiegel der Stadtgeschichte - bis es 1967 aus dem Stadtbild verschwand.

Oberbürgermeister-Wahl

Plakat-Diebstahl im Cuxhavener Wahlkampf: 500 Euro für entscheidenden Hinweis

von Kai Koppe

Ein Wahlplakat, das den OB-Kandidaten Alexander Bremer (Die Cuxhavener) zeigt, ist mitsamt seiner Befestigung verschwunden. Bremers Wählergemeinschaft bittet die Bevölkerung um Mithilfe.