"Darm mit Charme"-Autorin Giulia Enders begeistert bei Lesung in Cuxhaven
Wie spannend der menschliche Körper sein kann, zeigte Giulia Enders am Donnerstag (25. Juni) im Cuxhavener EWE-Forum. Mit Witz und wissenschaftlicher Präzision begeisterte die Ärztin das Publikum bei der Lesung aus ihrem neuen Buch "Organisch".
Bereits zu Beginn zeigte sich Enders gut gelaunt und erfreut über das Wetter an der Nordsee: "Es ist so kühl in Cuxhaven", sagte sie mit Blick auf ihre Anreise aus Frankfurt, wo Temperaturen von bis zu 40 Grad erwartet würden. "Vielen Dank, dass ich hier sein darf."
Spätestens seit ihrem Welterfolg "Darm mit Charme", der sich rund acht Millionen Mal verkaufte und in 40 Sprachen erschien, zählt Giulia Enders zu den bekanntesten Sachbuchautorinnen Deutschlands. Elf Jahre nach ihrem Debüt richtet sie ihren Blick nun auf den gesamten menschlichen Körper.
In "Organisch" erzählt Enders von Lunge, Haut, Muskeln, Immunsystem und Gehirn. Dabei geht es ihr nicht nur um medizinische Fakten. Sie möchte den Körper als fein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener Organe begreifen und lädt dazu ein, ihn nicht länger als bloße Maschine zu betrachten.
Während der Lesung gab Giulia Enders Einblicke in die Entstehungsgeschichte ihres Buches. Sie plädiert für eine "körperliche Perspektive" und beschreibt die Organe nicht mit technischen Metaphern, sondern als "Familie von Organen", die gemeinsam auf körperliche und emotionale Bedürfnisse reagiert.
Überraschende Erkenntnisse über den menschlichen Körper
Dabei wurde deutlich, warum Enders ein Millionenpublikum erreicht. Mit Charme, Witz und anschaulichen Beispielen aus ihrer ärztlichen Erfahrung vermittelte sie überraschende Erkenntnisse über den menschlichen Körper und hinterfragte verbreitete Vorstellungen. So warb sie dafür, das Immunsystem nicht als kämpfende Armee, sondern als intelligentes Netzwerk zu verstehen, das den Körper schützt und sich kontinuierlich weiterentwickelt. Ihre Ausführungen ergänzte sie durch Fotos und kurze Videos, die auf den Bildschirmen im Saal gezeigt wurden.

Besonders persönlich wird "Organisch", weil Enders einzelne Organe mit Menschen aus ihrem Familien- und Freundeskreis verbindet. So verknüpft sie etwa ihre Urgroßmutter mit der Lunge. "Sie ist eine ganz weiche, gutmütige Frau gewesen", erklärte Giulia Enders. "So wie die Lunge, die ja auch ganz weich ist und uns auf ihre eigene, sanftmütige Art wichtige Dinge wie die Luft zum Atmen liefert."
Zum Ende der Lesung bezog Enders das Publikum aktiv ein. Sie bat die Zuhörerinnen und Zuhörer, sich einen Ton vorzustellen und ihn anschließend gemeinsam zu summen. Trotz der vielen unterschiedlichen Stimmen entstand ein überraschend harmonischer Klang. Mit diesem kleinen Experiment verdeutlichte sie ihre zentrale Botschaft: So wie viele verschiedene Zellen im menschlichen Körper gemeinsam ein funktionierendes Ganzes bilden, entsteht auch aus einer Vielzahl individueller Beiträge ein stimmiges Zusammenspiel.
Im Anschluss signierte die Autorin zahlreiche Exemplare ihres neuen Buches und kam mit vielen Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch. Die lange Schlange am Signiertisch zeigte, wie groß das Interesse an der promovierten Ärztin und ihrer ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Sicht auf den menschlichen Körper ist.

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