Die Hitze ist in Cuxhaven angekommen: Am Strand gibt es zumindest etwas Abkühlung. Für manche Menschen ist die Grimmershörnbucht ein Zufluchtsort. Foto: Larschow
Die Hitze ist in Cuxhaven angekommen: Am Strand gibt es zumindest etwas Abkühlung. Für manche Menschen ist die Grimmershörnbucht ein Zufluchtsort. Foto: Larschow
Im Juni schon Hitze ertragen

Hitze kommt in Cuxhaven an: Die Lage am Freitag - und der Blick aufs Wochenende

von Jens Potschka | 26.06.2026

Während die Hitze Deutschland fest im Griff hat, bietet die Nordsee eine vermeintliche Zuflucht. Doch die frische Brise täuscht: Auch hier lauern Gefahren, die Touristen und Einheimische gleichermaßen betreffen. Ein genauer Blick lohnt sich.

An diesem Wochenende ist das Leben an der Cuxhavener Küste langsamer geworden. Über 30 Grad zeigt das Thermometer schon am Freitag (26. Juni 2026). Der Strand füllt sich schon am Vormittag - und wer kann, sucht den Schatten. Familien suchen früh einen Platz unter dem Sonnenschirm, andere bleiben lieber gleich zu Hause. Die Hitze, die an diesem Wochenende über Deutschland liegt, ist für den Juni außergewöhnlich.

Hitzewelle erreicht ihren Höhepunkt

Annika Brieber, Meteorologin im Klimahaus Bremerhaven, bestätigt das. "Absolut ungewöhnlich, so früh im Jahr so eine Hitze", sagt sie auf Anfrage von cnv-medien.de und verweist darauf, dass anderswo in Deutschland am Wochenende sogar die 40-Grad-Marke erreicht werden könnte. Cuxhaven liegt nach ihren Worten noch auf der kühleren Seite. Für Sonnabend (27. Juni 2026) erwartet sie rund 32 Grad, am Sonntag (28. Juni 2026) soll es dann schon wieder unter 30 Grad fallen. Den eigentlichen Höhepunkt der Welle habe es bereits gegeben. Spürbare Abkühlung verspricht Brieber erst zur neuen Woche, von Sonntag auf Montag sinken die Temperaturen demnach auf etwa 25 bis 26 Grad, zur Wochenmitte beruhigt sich auch das Schauer- und Gewitterrisiko.

Auch am Wochenende sind im Landkreis Cuxhaven Temperaturen von über 30 Grad möglich. Foto: Heike Leuschner

Dass Cuxhaven trotz der Hitze ein attraktives Ziel bleibt, bestätigt Kurdirektor Olaf Raffel von der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH (NHC), auf CN/NEZ-Nachfrage. "Die Hitzewelle schwächt sich zu uns deutlich ab gegenüber den Ballungsgebieten mit 40 Grad", sagt er. Über die sozialen Kanäle gibt die NHC den Gästen an solchen Tagen gezielt Tipps, etwa für schattige Plätze im Kurpark oder im Wernerwald. Mit der Kampagne Coolcation wirbt das Nordseeheilbad inzwischen im zweiten Jahr in heißen Großstädten für einen Ausflug an die See. "Die Leute sagen dann, das ist ja brütend heiß hier, aber an der Nordsee ist es doch erträglich", so Raffel.

Kurdirektor Olaf Raffel hat die Lage in Cuxhaven im Blick. Foto: Witthohn

Risiko trotz Nordseebrise

Ganz harmlos ist die Lage trotzdem nicht. Der Landkreis Cuxhaven hat für den Freitag bereits eine Hitzewarnung der Stufe eins ausgegeben, weitere Warnungen werden fürs Wochenende erwartet. Wer glaubt, die frische Brise an der Küste schütze automatisch vor den Folgen der Hitze, irrt nach Einschätzung des Landkreises. Wind und kühlere Nächte vermittelten zwar ein Gefühl der Erholung, doch der Körper bleibe bei hohen Temperaturen weiterhin stark belastet, heißt es in einer Mitteilung der Kreisverwaltung. Die Nähe zur Nordsee bringe zudem eine höhere Luftfeuchtigkeit mit sich, wodurch der Körper schlechter schwitzen und sich weniger effektiv abkühlen könne.

Strandvergnügen trotz Hitze: Familien und Urlauber suchen Abkühlung an der Cuxhavener Küste, wo eine leichte Brise die Temperaturen erträglicher macht. Mehr als 30 Grad zeigt das Thermometer an diesem Wochenende in Cuxhaven. Mediziner warnen vor Kreislaufproblemen und raten zu ausreichend Flüssigkeit. Foto: dpa/Wagner

Auch Cora Strate, Referatsleiterin bei der Stadt Cuxhaven, sieht die Stadtverwaltung gefordert. Aktuell weiche die Lage zwar kaum von den Vorjahren ab, doch arbeite die Verwaltung an einem umfassenden Konzept für künftige Hitzeperioden. Älteren Menschen, chronisch Erkrankten und Familien mit kleinen Kindern rät Strate zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr, zum Schutz vor direkter Sonne und zum Aufsuchen kühler Orte.

Auch wenn das Wasser noch nicht vollständig aufgelaufen ist, bietet die Nordsee eine Möglichkeit, den Körper etwas abzukühlen. Foto: Larschow

Kliniken registrieren mehr Patienten

In den Notaufnahmen der Region ist die Hitze längst angekommen. "In unserer Notaufnahme beobachten wir Patientinnen und Patienten mit Kreislaufproblemen, Schwindel, Flüssigkeitsmangel oder Erschöpfungszuständen", berichtet Katharina Recht, Pressesprecherin der Helios-Klinik Cuxhaven, gegenüber cnv-medien.de. Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Pflegebedürftige, chronisch Erkrankte sowie Säuglinge und Kleinkinder. Auch Touristen, die sich in den Ferien oft stundenlang im Freien aufhielten, gehörten zu den Betroffenen. Die Klinik rät zu ausreichendem Trinken, zum Meiden der Mittagssonne und dazu, ältere Angehörige im Blick zu behalten.

Bei sonnigem Wetter kann der Strandkorb wichtigen Schatten spenden. Foto: Michael Bahlo/dpa

Im Krankenhaus Land Hadeln in Otterndorf zeigt sich ein ähnliches Bild, wenn auch ohne auffällige Zunahme gegenüber dem Vorjahr. "Die älteren Menschen sind eher davon betroffen", sagt Geschäftsführerin Jennifer Schroth auf NEZ/CN-Nachfrage. Eine gesonderte Abstimmung mit Pflegeeinrichtungen oder Hausärzten gebe es bislang nicht. Ihr Rat an Patienten und Angehörige fällt praktisch aus: nicht in der direkten Sonne sitzen, Kopfbedeckung tragen, Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor nutzen, Räume abdunkeln und körperliche Anstrengung vermeiden.

Gefahr lauert im Wasser

Wer der Hitze im Meer entfliehen will, sollte vorsichtig sein, warnt Dieter Sandforth, Vorsitzender der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Cuxhaven. Ein aufgeheizter Körper reagiert auf kaltes Wasser oft heftig. "Die Blutgefäße ziehen sich blitzartig zusammen und der Blutdruck steigt sprunghaft an", erklärt Sandforth. Die Folgen eines solchen Kälteschocks können Bewusstlosigkeit, Herzinfarkt oder Schlaganfall sein, für Schwimmer wie für Nichtschwimmer. Auch ein voller Magen ist riskant, weil er Blut für die Verdauung bindet. Wer schwer gegessen hat, sollte deshalb mindestens eine halbe Stunde warten, bevor er ins Wasser geht.

Das Buchthaischwimmen sorgt immer für ein besonders volles Ufer in der Grimmershörnbucht. Aber auch an diesem Wochenende dürften sich viele Menschen am Wasser tummeln. Trotz der Hitzewelle strömen die Menschen an den Strand von Cuxhaven, um die kühle Brise der Nordsee zu genießen. Ein beliebter Zufluchtsort inmitten der sommerlichen Temperaturen ist das Bojenbad. Die DLRG betreibt dort eine Rettungsstation. Foto: Potschka

Die Zahlen sprechen für sich, allein in den vergangenen fünf Tagen verzeichnete die DLRG-Ortsgruppe Cuxhaven vier Einsätze in der Wasserrettung. Vor allem an Wochenenden und mit Beginn der Ferien steigen die Besucherzahlen an Strand und Wattenmeer weiter, das nicht klimatisierte Personal an den Stationen gerät dabei selbst unter Druck. Sandforths wichtigste Regel lautet deshalb: langsam ins Wasser gehen, sich langsam abkühlen und auf keinen Fall hineinspringen. Wer mit Freunden schwimmen geht, sollte vorher fragen, wer ein sicherer Schwimmer ist, und auf Alkohol verzichten. Mittags zwischen 11 und 16 Uhr sollten sich vor allem Kinder und ältere Menschen im Schatten aufhalten und ausreichend trinken.

Zur neuen Woche dürfen Einheimische und Gäste an der Elbmündung dann wieder aufatmen. Nach den Worten der Meteorologin sinken die Temperaturen ab Sonntagnacht spürbar, auf erträgliche 25 bis 26 Grad. Bis dahin gilt für Cuxhaven, was Olaf Raffel so formuliert: Brütend heiß ist es woanders, an der Nordsee bleibt es erträglich, wenn man ein paar einfache Regeln beachtet.

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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