Das Knistern der Vergangenheit: Im Cuxhavener Schlossgarten ertönen die Grammophone
Björn Ehring, Uwe Hartwig und Klaus Frick holen am Freitag, 1. Mai, ein Stück Klanggeschichte zurück ins Licht der Aufmerksamkeit: Mit originalen Grammophonen lassen sie im Cuxhavener Schlossgarten die Epoche der Schellackplatten wieder aufleben.
Ganz ohne Strom, allein durch Federwerk und Trichter, erklingen im Schlossgarten Aufnahmen aus den Anfangsjahren der Tonaufzeichnung. Es ist die Hochzeit einer Technik, die heute beinahe magisch wirkt: mechanisch, sichtbar, hörbar - und doch voller Leben. Jede Platte erzählt dabei nicht nur ein Lied, sondern auch von einer Ära des Aufbruchs, in der Stimmen und Orchester erstmals konserviert werden konnten.
Ob Billie Holiday, Elvis, Hans Albers oder Glenn Miller - jede Rille trägt ein Stück Zeitgeschichte in sich. Wenn die Nadel ihren Weg durch das schwarze Schellack zieht, entstehen nicht nur Töne, sondern Augenblicke vergangener Jahrzehnte: rau, warm, knisternd und unmittelbar.

Doch die Vorführung will mehr sein als ein nostalgisches Konzert. Ehring, Hartwig und Frick verstehen ihr Angebot als lebendige Zeitreise: Sie erklären die Funktionsweise der historischen Geräte, zeigen unterschiedliche Grammophon-Typen und laden zum Austausch ein. "Wer selbst noch Schellackplatten besitzt, darf diese mitbringen und vor Ort gemeinsam anhören", sagt Björn Ehring, der durch seinen Nachbarn Klaus-Dieter Frick erst so richtig für die Welt der historischen Tonträger begeistert wurde. Was einst als zufällige Begegnung begann, entwickelte sich schnell zu einer gemeinsamen Leidenschaft für Klang, Technik und Geschichte.
Dieses Stück Kulturgeschichte soll nicht in Vergessenheit geraten
Klaus-Dieter Frick sammelt bereits seit den 1960er-Jahren Grammophone und Schellackplatten. "Ich habe bestimmt 2000 Platten bei mir zu Hause liegen", sagt der 75-Jährige. Und nicht nur Schellackplatten und Abspielgeräte, sondern auch unzählige Nadeldöschen und allerlei Zubehör aus der frühen Zeit der Tonaufzeichnung hat er im Laufe der Jahre zusammengetragen. "Es wäre schade, wenn dieses Stück Kulturgeschichte in Vergessenheit gerät", sagt Frick und freut sich, einige Schätzchen seiner Sammlung am 1. Mai vorstellen zu können.
Die Veranstaltung im Schlossgarten ist bewusst niedrigschwellig gehalten: kostenlos, offen für alle und getragen vom ehrenamtlichen Engagement dreier Liebhaber historischer Klangtechnik. Für ein bis zwei Stunden verwandelt sich der Schlossgarten so in einen Freiluft-Salon vergangener Zeiten - mit Musik, Gesprächen und dem unverwechselbaren Knistern einer längst vergangenen, aber keineswegs vergessenen Epoche.
Die Eckdaten: Freitag, 1. Mai, ab 12 Uhr. Schlossgarten Cuxhaven, an der Mauer mit den zwei Bänken hinter dem Gärtnerhaus. Nur bei trockenem Wetter, Eintritt frei. Wer sitzen möchte, sollte selbst eine Sitzgelegenheit mitbringen.
