Zwei Brüder, zwei Vorbilder: Höchste Ehrung des Landesverbands für Cuxhavener Imker
Wenn es über 100 Menschen, die sich sonst am liebsten in der Natur aufhalten, bei schönstem Sonnenschein in einen Kinosaal zieht, muss sich dort schon etwas Besonderes abspielen. Und so war es auch bei der Veranstaltung des Imkervereins Cuxhaven.
Während draußen der Frühling alles gab, versammelten sich am Sonntag rund 110 Naturfreundinnen und -freunde im Saal des Bali-Kinos in Cuxhaven. Was sich paradox anhört, hatte einen ganz besonderen Hintergrund, denn die Filmvorstellung bot die Kulisse für die Ehrung zweier verdienter Imker: Sieghard und Dankward Haude erhielten mit der Lehzen-Medaille die höchste Auszeichnung, die der Landesverband Hannoverscher Imker zu vergeben hat.
Ganz aus Peine war der Landesvorsitzende Jürgen Frühling nach Cuxhaven gekommen, um die Medaillen als Anerkennung für herausragendes Engagement zu übergeben. Dass sich zwei Brüder über Jahrzehnte als Vorsitzende in benachbarten Imkervereinen, nämlich Cuxhaven (Sieghard) und Hadeln (Dankward) engagierten, sei schon ein Alleinstellungsmerkmal. Die Leidenschaft für die Imkerei hatte in beiden einst der Schulleiter und Politiker Karl-Arnold Eickmeyer entfacht.

"Typen wie die Haude-Brüder brauchst du in dieser Stadt"
Auch Uwe Frommhold (Wingst), Vorsitzender des Kreisimkervereins Cuxhaven, und Oberbürgermeister Uwe Santjer würdigten die außergewöhnliche Leistung. "Typen wie die Haude-Brüder brauchst du in dieser Stadt, weil sie vorangehen, weil sie Vorbilder sind, weil sie sich für den Natur- und den Klimaschutz einsetzen und weil sie es geschafft haben, viele Menschen für die Imkerei begeistern und die zu schützen, denen es nicht gut geht", so Uwe Santjer. Die Imkerfamilie stehe aber auch für gute Nachbarschaft und eine tolle Bildungsarbeit.

Wissen und Hingabe auf andere übertragen
Hiermit war der Bogen zur Kino-Matinee geschlagen. Ehrenamtliches Engagement erfordert Menschen, die nicht nur Wissen, sondern auch Hingabe an andere weitergeben. In Cuxhaven hat das geklappt: Die Imkerei ist sichtlich jung geworden. Altgediente saßen neben vielen Familien mit kleinen Kindern im Kino.
Anfangs sollte die Filmvorführung nur das Ende des jüngsten Jung-Imkerinnen- und Imkerkurses darstellen - bis Tjark Makel den Vorschlag machte, daraus eine öffentliche Veranstaltung zu machen. Denn die Natur als Lebensraum hat Aufmerksamkeit nötig und auch das von den Bienen vorgelebte Miteinander - eine friedliche Gesellschaft auf engem Raum - biete viele Inspirationen für das eigene Leben, so Martin Kliebe, Vorsitzender des Imkervereins Cuxhaven.
Auch Wildbienen stellen Schatz von unschätzbarem Wert dar
Er erinnerte auch daran, dass bei aller Aufmerksamkeit für die Honigbienen auch Hunderte von Wildbienenarten einen unschätzbaren Wert für das Ökosystem darstellten und viele davon vom Aussterben bedroht oder bereits verschwunden seien. "Aber wir sind dem nicht hilflos ausgeliefert", erklärte er und nannte zwei Beispiele, wie der Imkerverein Cuxhaven Umweltbewusstsein vermittelt: So können Schulen und Kindertagesstätten beim Verein kostenlos Naturkoffer ausleihen.

Außerdem werden in 15 Grundschulen und Kitas blühende Oasen in recycelten Weinfässern entstehen; ein Projekt, das durch die Bingo-Umweltstiftung bezuschusst wird. "Hier beginnt Veränderung", so Martin Kliebe. Es lohne sich, alte Routinen zu überdenken und klein anzufangen: Zum Beispiel auf dem Balkon, in einer Gartenecke und mit seltener gemähten Grünstreifen.
Dieser Film lässt sein Publikum nicht kalt
Empathie erzeugte auf der Stelle der Dokumentarfilm "Tagebuch einer Biene", indem er die ausgeklügelten Vorgänge tief im Bienenstock sichtbar machte. Das auch noch verbunden mit gestochen scharfen Makro-Aufnahmen und den Stimmen von Anna Thalbach und ihrer Tochter Nellie als Winter- und Sommerbiene - ein Erlebnis.