Beim Friseur: Wie das Cuxhavener Publikum auf das neue Döser-Speeldeel-Stück reagiert
Die Döser Speeldeel bringt mit der Komödie "Haarige Tieden" Steuerstress, Schummeleien und Situationskomik ins Stadttheater Cuxhaven. Wie die Premiere beim Publikum ankam.
Im Salon von Friseurmeisterin Moni Matschke und ihrer ungeschickten Gehilfin Celina liegen die Nerven blank. "Fachkräftemangel ist ein Albtraum", sagt die Chefin. Dann kündigt sich auch noch das Finanzamt zur Betriebsprüfung an. Was sonst für gepflegte Frisuren und entspannte Plaudereien steht, wird in "Haarige Tieden", dem neuen Stück der Döser Speeldeel, zum Schauplatz einer haarsträubenden Steuer-Affäre.
Moni ahnt zunächst nicht, wie tief ihr Ehemann Thorsten bei der Steuererklärung in die Trickkiste gegriffen hat. Der großspurige Gatte hat offenbar alles abgesetzt, was nicht bei drei auf dem Frisierstuhl saß: einen Hometrainer für wartende Kunden, Hundefutter für den angeblichen Hofhund und die feuchtfröhlichen Stammtischrunden seiner "Koma-Kolonne". Selbst Monis Botox-Behandlung taucht als "Reparaturausgabe" in den Büchern auf.

Auch das Gehalt des exzentrischen Ex-Mitarbeiters Silvio wird weitergeführt, obwohl er längst nicht mehr zum Team gehört. Aus vermeintlich cleverer Steuerersparnis wird so schnell ein Fall für die ganz große Schere. Denn Steuerprüferin Svenja Stanz steht vor der Tür: streng, unbestechlich und mit einem Blick, der selbst die hartnäckigste Dauerwelle zum Erschlaffen bringt.
Für Moni beginnt ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die drohende Enttarnung. Schließlich steht ihre geliebte Wohlfühloase auf dem Spiel. Während die Prüferin immer genauer hinschaut, wächst die Gefahr, dass Thorstens kreative Buchführung auffliegt.
Turbulentes Geschehen nimmt rasch Fahrt auf
In der farbigen, authentischen Friseursalon-Kulisse mit Kitteln, Schürzen und viel Salon-Atmosphäre nimmt das turbulente Geschehen rasch Fahrt auf. Zunächst versucht das Team, einen vermeintlichen Steuerbeamten mit einer Charme-Offensive aus Kopfmassage, Klangschale und gedimmter Meditationsmusik zu beeindrucken. Er soll sehen, dass in der Wohlfühloase Harmonie nach Recht und Gesetz herrscht. Dann springt der Mann aus Zeitgründen auf und entpuppt sich als Vertreter.

Umso größer ist das Entsetzen, als kurz darauf tatsächlich die strenge Steuerprüferin den Salon betritt. Zwischen Föhngebläse und Finanzamt, Klatsch und Kontenprüfung, Ausreden und raffinierten Manövern wird getrickst, getuschelt und gewunden. Jeder Rettungsversuch bringt Moni und ihr Umfeld noch tiefer in die Bredouille. Genau daraus zieht die Inszenierung ihren besonderen Witz.
Lust, Leidenschaft und Spielfreude
Das Ensemble der Döser Speeldeel wirft sich mit sichtbarer Lust, Leidenschaft und Spielfreude ins Geschehen. Die Figuren wirken lebendig, die Pointen sitzen, und die komödiantischen Verwicklungen greifen ineinander. Besonders reizvoll ist der Kontrast zwischen geschäftigem Salonalltag und der eisigen Genauigkeit der Steuerprüferin. Wo sonst über neuesten Klatsch oder den perfekten Haarschnitt gesprochen wird, geht es plötzlich um Belege, Bilanzen und die Frage, wer hier eigentlich wem einen Bären aufbindet.

Das Publikum dankt es mit Szenenapplaus, herzhaften Lachsalven und lang anhaltendem Beifall. Mehrfach müssen die Darsteller am Ende vor den Vorhang treten. Viel Anerkennung gilt auch Gastregisseurin Elke Münch, die das Ensemble zu großer Spielfreude geführt und die Rollen stimmig besetzt hat.
Diese "Haarigen Tieden" haben Tempo, Witz und eine gehörige Portion Schlitzohrigkeit. Die Döser Speeldeel zeigt, dass selbst trockene Steuervorschriften auf der Bühne ordentlich Schaum schlagen können. Wie die Geschichte ausgeht, kann das Publikum in den nächsten zwölf Vorstellungen erleben.
Von Joachim Tonn
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