Emotionen und Virtuosität: Musik-Duo begeistert mit "Love Letters" in Cuxhaven
Die Klarinettistin Kymia Kermani und die Pianistin Alba Gentili-Tedeschi entführten das Publikum beim Stadtklang-Konzert im Schloss Ritzebüttel in Cuxhaven in eine musikalische Welt voller Emotionen und Virtuosität.
Wenn man der von Mathias Christian Kosel künstlerisch betreuten Stadtklang-Konzertreihe etwas attestieren kann, dann ist es fraglos das Zusammenspiel von Angebotsvielfalt und ausgesuchter Qualität. Und genau das galt auch für das die Stadtklang-Saison abschließende Konzert "Love Letters - Musikalische Briefe" mit der Klarinettistin Kymia Kermani und der Pianistin Alba Gentili-Tedeschi im Schloss Ritzebüttel.
Allein schon der Blick auf das Programm mit Komponistennamen wie Johannes Brahms, Clara Schumann, Pablo de Sarasate, Wolfgang Andreas Schultz und Francis Lai spannt den Bogen vom 19. Jahrhundert bis in die Jetzt-Zeit und garantiert somit Vielfalt der Musikstile. Und vielfältig sind auch die menschlichen Beziehungen, die mit der an diesem Nachmittag gebotenen Musik ausgedrückt werden sollen. Da ist die Beziehung von Clara Schumann zu dem jungen Johannes Brahms - eine tiefe Freundschaft und sicher auch Liebe. Da ist die Leidenschaft Carmens aus Bizets gleichnamiger Oper, die der Spanier Sarasate in zündende Klänge umsetzt. Und da sind die "Träume" von Wolfgang Andreas Schultz, einem Komponisten unserer Zeit, geschrieben für das Duo Kermani-Gentili und im vergangenen Jahr uraufgeführt. Ein ganz neues Werk also.
Seit 2012 spielen sie zusammen - die niederländisch-iranische Klarinettistin Kymia Kermani und die italienische Pianistin Alba Gentili-Tedeschi. Wie sehr sie musikalisch "eine Sprache sprechen", erlebt ihr Konzertpublikum in jeder Minute ihres Spiels. Die beiden Interpretinnen hören sehr genau aufeinander, wissen auch die kleinste Veränderung klanglicher Facetten im Moment aufzufangen und zu einem absolut stimmigen Ausdruck werden zu lassen. Alba Gentili-Tedeschi dabei am Klavier zu beobachten, ist ausgesprochen spannend. Nicht zuletzt, weil sich an ihrem bewegten Spiel ganz einfach jede Phase des Miteinander-Konzertierens ablesen lässt.
Erstaunlich, welche Kraft in ihren kleinen Händen steckt
Beide - die Klarinettistin und die Pianistin - sind ausgezeichnete Musikerinnen. Kymia Kermani hat bei aller anfangs etwas irritierender Schärfe sehr bald einen vollen, runden und durchaus weichen Klarinetten-Ton. Dass der seine Klangpalette in Schultz‘ "Träume" oder im "Entr'acte" aus Sarasates "Carmen Fantasie" noch um einiges Überraschendes erweitert, ist klar und macht Kermanis Klarinettenspiel um vieles prägnanter. Dass Alba Gentili, im Zusammenspiel stets die so genaue Abstimmung im Blick, sehr wohl auch auf kraftvolle Pianistik setzen kann, beweist sie in Brahms‘ rhapsodischem Stück für Klavier solo. Erstaunlich, welche Kraft in ihren kleinen Händen steckt. Sie beherrscht in der Tat alle nur erdenklichen Facetten des Klavierspiels.
Mit den Sätzen aus Johannes Brahms‘ letzten beiden Kammermusikwerken - aus den Klarinettensonaten op. 120 f-Moll und Es-Dur - boten beide Interpretinnen gleich zu Beginn ihres Konzertes höchste Schwierigkeitsgrade. Das so komplexe Beziehungsgeflecht aus Themen, Motiven und Variationen, gepaart mit höchsten technischen Anforderungen, signalisierte unüberhörbar: Hier sind zwei Könnerinnen auf ihren Instrumenten am Werk. Intensiv und ausdrucksstark im Spiel, alle beide, temperamentvoll im Musizieren, wie dann der Konzertteil nach der Pause vor allem bewies.
Jeder Programmpunkt gleicht für Kymia Kermani und Alba Gentili-Tedeschi einem "Musikalischen Brief", was die beiden von Zeit zu Zeit mit gesprochenen Texten unterlegen. Der genaue Bezug zum Musikstück erschließt sich allerdings nicht immer klar, bleibt eher vage. Und da beide Musikerinnen sprachlich nicht sehr profiliert sind, bleibt die Wirkung begrenzt. Ganz anders die interpretatorische Leistung des Duos. Ihr gehört der nachdrückliche Beifall des Konzertpublikums.
Von Ilse Cordes