Neues Zuhause für Stefanie und Paul: Igelauswilderung in Cuxhavener Kleingartenverein
Sechs Igel erkunden ein neues Leben in zwei Cuxhavener Kleingartenvereinen. Mit fürsorglicher Pflege und reichlich Nahrung bereiten sie sich auf den Winter vor. Stefanie Röse von der Igelhilfe erklärt, worauf bei einer Auswilderung zu achten ist.
Sieglinde, Frank, Thomas, Albino, Stefanie und Paul sind umgezogen. Naturbelassener Garten, schickes Schlafzimmer, mehrere Mahlzeiten täglich. Alle sechs sind gesund, groß und gerade aus dem Winterschlaf erwacht.
Die Rede ist von Igeln, die von der Igelhilfe des Landkreises Cuxhaven ausgewildert wurden und jetzt in zwei Kleingärtnervereinen in Cuxhaven leben. Im Kleingartenverein "Schloßgarten" leben zukünftig vier und im Verein "Döse Nord und Gartenfrieden" zwei Igel. Stefanie und Paul sind in Michael Schröders Garten gezogen.

Die neuen Mitbewohner
Als in Michael Schröders Parzelle im vergangenen Jahr, genauer Ende September, kleine Igel herumliefen, brachte er sie zu Stefanie Röse in die Igelhilfe. Im Gespräch entstand die Idee, Igel nach dem Winterschlaf wieder im Kleingartenverein aufzunehmen. Gemeinsam mit zwei Tischlern aus dem Verein wurde dann den Winter über gewerkelt und Futter- und Schlafhäuser sind entstanden.
Michael Schröder ist im Vorstand des BV Cuxhaven (Bezirksverband Cuxhaven der Kleingärtner e.V.)
und nimmt als Fachberater auch Kontakt zu den anderen Kleingärten auf. Insgesamt gibt es 21 Stück in Cuxhaven.
Am Tag der Auswilderung waren die Kisten, die neuen Häuser der Igel, bereits gebaut und mit Stroh bestückt. "Alles war schon erledigt", schwärmt Stefanie Röse über die Kleingartenvereine. Die Glücklichen sind Sieglinde mit 1190 Gramm, Frank mit 1292 Gramm und Thomas mit 877 Gramm. Auch Albino ist umgezogen und bringt 882 Gramm auf die Waage, Stefanie 825 Gramm und Paul 885 Gramm.


Strahlende Augen am Tag der Auswilderung
"Es war eine richtig tolle Aktion", beschreibt Michael Schröder den Tag der Auswilderung. Er habe nur strahlende Augen gesehen. Kleingärtner sein bedeute für ihn mehr, als nur den Grill aufzustellen und ein Bierchen zu trinken. Es gehöre auch die Pflege des Gartens, der Anbau von Gemüse und Artenschutz dazu.
Das Jahr über werden sich die Menschen aus dem Verein "Döse Nord und Gartenfrieden" wie auch "Schloßgarten" um die Igel kümmern. Die stacheligen Gartenbewohner werden mit Katzennassfutter, Pastete (Rind oder Huhn) und auch Katzentrockenfutter (getreidefrei) versorgt. "Wenn ein Igel ausreichend Futter hat, bleibt er vor Ort in den Gärten. Würde er kein Futter finden, könnte er bis zu sechs Kilometer pro Nacht laufen", erklärt Stefanie Röse.
Im Kleingartenverein "Schlossgarten" soll zukünftig auch eine Wildtierkamera aufgestellt werden, damit die Igel beobachtet werden können. Schon jetzt freut sich Kleingärtner Michael Schröder auf den Sommer, wenn die Igel in seiner Parzelle unterwegs sind.


Reviererkundung und Nestbau
In den nächsten Tagen werden die Igel ihr Revier erkunden und sich einen Partner suchen. Viele würden wahrscheinlich in der Nähe ihrer Behausung bleiben, erklärt Stefanie Röse. Zusätzlich würden sie sich bis zu sechs eigene Nester bauen. Dafür war es wichtig, dass es bei der Auswilderung trocken ist, damit die Igel Baumaterial, wie Blätter und Moos finden.
In den selbstgebauten Häusern werden die Igel dann auch ihre Winterruhe halten. Diese findet zwischen November und März statt. "Sie gehen erst dann in die Winterruhe, wenn sie genug wiegen", erklärt die Igelhelferin. Ein Igel könne den Winter gut überstehen, wenn er über 600 Gramm wiegt. "Alles darunter ist sehr gefährlich und sie schlafen für immer ein." Deswegen sehe man auch im tiefsten Winter noch Igel, die auf der Suche nach Futter sind - sie haben ihr Gewicht noch nicht erreicht. Wer Igeln helfen möchte, sollte Nassfutter in den Garten stellen. Wichtig sei dabei, Katzenfutter zu nehmen und kein Igelfutter.
Schon seit vielen Jahren engagiert sich Stefanie Röse für Igel. Aktuell wartet sie auf einen positiven Bescheid zur Zulassung einer tierheimähnlichen Unterbringung durch die Untere Naturschutzbehörde und das Veterinäramt.
