Die "Fortuna B" liegt still und abgeschirmt im Cuxhavener Hafen. Widersprüchliche Tracking-Daten werfen Fragen zur jüngsten Rettungsaktion auf. Foto: Brettschneider
Die "Fortuna B" liegt still und abgeschirmt im Cuxhavener Hafen. Widersprüchliche Tracking-Daten werfen Fragen zur jüngsten Rettungsaktion auf. Foto: Brettschneider
Nach Rettung von Buckelwal "Timmy"

"Fortuna B" liegt abgeschirmt im Cuxhavener Hafen: Trackingdaten werfen Fragen auf

von Bengta Brettschneider | 04.05.2026

In Cuxhaven liegt die "Fortuna B" im Hafen, nachdem sie Buckelwal "Timmy" von der Ostsee in die Nordsee gebracht hat. Die Polizei sperrte den Bereich - aus Gründen der Sicherheit. Widersprüchliche Tracking-Daten werfen Fragen auf. Was bekannt ist.

Still liegt sie im Hafen von Cuxhaven. Die "Fortuna B", verborgen hinter Hallen, verschlossenen Toren und Stacheldraht. Wer durch die Baudirektor-Hahn-Straße fährt, ahnt nicht einmal, dass hier eines der Schiffe liegt, das gerade noch Teil einer außergewöhnlichen Rettungsaktion war.

Anders als noch vor der Insel Poel blieb es in Cuxhaven ruhig. Keine Menschenansammlungen, keine sichtbare Aufregung. Nur dieses Schiff, abgeschirmt von den Augen der Öffentlichkeit. Erst von der anderen Seite, von der Neufelder Straße im Fischereihafen aus am Niedersachsenkai, lässt sich ein Blick auf den Schlepper werfen. Was hat dieses Schiff in den vergangenen Tagen erlebt?

Polizeieinsatz zur Personensicherheit

Die "Fortuna B" war beteiligt an der Rettung des Buckelwals "Timmy", der mehrfach vor der Ostseeküste gestrandet war. Nach Tagen verließ das Tier im Skagerrak zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden am Sonnabend, 2. Mai, das Transportdock.

"Hinter Stacheldraht verborgen: Die 'Fortuna B‘ liegt abgeschirmt im Cuxhavener Hafen, während widersprüchliche Tracking-Daten Fragen aufwerfen."

Am Sonntagabend (3. Mai 2026) kehrte der Schlepper zurück. Bei Marine Traffic war sie lange vor Neuwerk zu sehen und schien dann Kurs auf Wilhelmshaven zu nehmen. Kurz vor Mitternacht machte die "Fortuna B" dann aber im Hafen von Cuxhaven fest, begleitet vom Küstenwachschiff "Helgoland". Auch die Polizei war vor Ort. Teile des Hafens sollen abgesperrt worden sein. Nach Angaben von NPorts war bereits um 22.37 Uhr ein Sicherheitsbereich eingerichtet worden. Dieser sei gegen 0.40 Uhr wieder freigegeben worden, da sich der Schlepper ab dann in einem Sicherheitsbereich (ISPS Area) befand, der von Sicherheitsleuten überwacht wird. Unbefugten ist der Zutritt nicht gestattet. 

Die "Fortuna B" im Hafen von Cuxhaven: ein ruhiger Anblick, doch die jüngsten Ereignisse um das Schiff werfen Fragen auf. Foto: Brettschneider

"Unser Einsatz hatte mit der Personensicherheit zu tun", erklärte die Sachbearbeiterin Öffentlichkeitsarbeit der Polizeiinspektion, Benita Englich, gegenüber der Redaktion der CN/NEZ. "Zum einen wollten wir verhindern, dass die Menschen vor Ort aus Unachtsamkeit in das Hafenbecken fallen oder Zäune überwinden, um dem Schiff möglichst nah zu sein. Zum anderen meldete sich die Besatzung der 'Fortuna B', da es in den sozialen Medien und direkt bei der Besatzung zu einigen Störungsaufrufen kam", erläuterte sie weiter und verwies weiter an die Wasserschutzpolizei.

Georg Tramontin, Polizeihauptkommissar und Pressesprecher der Wasserschutz-Polizeiinspektion Oldenburg, teilte mit, dass der Einsatz nicht seitens der WSP Niedersachsen veranlasst worden war. Für weitere Informationen verwies er an die Pressestelle des WSA Elbe Nordsee (Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee). Die Antwort des WSA stand bei Redaktionsschluss noch aus. 

Von der Neufelder Straße im Fischereihafen aus lässt sich ein Blick auf den Schlepper "Fortuna B" werfen. Foto: Brettschneider

Positionsdaten abgeschaltet

Für Stirnrunzeln sorgen auch die Positionsdaten der "Fortuna B". Das automatische Ortungssystem zeigte zeitweise an, das Schiff befinde sich noch vor Helgoland - obwohl es längst im Hafen lag. Die Trackingdaten wurden abgestellt.

"Das Automatic Identification System (AIS) ist gemäß der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) und des SOLAS-Übereinkommens grundsätzlich einzuschalten", erläuterte Calvin Janovsky-Lauscher, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundespolizeiinspektion See Cuxhaven, auf Nachfrage von CNV-Medien. "Der Kapitän eines Schiffes kann das AIS jedoch unter bestimmten Bedingungen vorübergehend deaktivieren, wenn Sicherheitsgründe vorliegen oder staatliche Anweisungen dies verlangen", führte er weiter aus. Auch ein defektes System könne ein Grund für ein ausfallendes Signal sein. "Das aktive Ausschalten des Systems muss im Logbuch dokumentiert werden und ist somit nachvollziehbar." Die Bundespolizeiinspektion See Cuxhaven teilte zudem mit, dass sie weder an der Begleitung des Schleppers noch an der Absperrung im Hafen beteiligt war.

Streng gesichert: Der Zugang zum Bereich der 'Fortuna B‘ im Cuxhavener Hafen ist nur autorisiertem Personal gestattet. Foto: Brettschneider

Ob im Fall der "Fortuna B" ein solcher Ausnahmegrund vorlag - oder warum die Daten widersprüchlich waren -, ist bislang unklar. Warum Cuxhaven - und nicht der Heimathafen von "Fortuna B", Wilhelmshaven - als Zielort ausgewählt wurde, wollte keine der befragten Behörden beantworten. Voraussichtlich soll der Schlepper noch bis Mittwoch (6. Mai 2026) in Cuxhaven liegen. 

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Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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