Wieder ein Jugendwanderkutter für Oberndorf: "Tante Erna" ist würdige Nachfolgerin
Die Tradition der Jugendwanderkutter-Touren ab Oberndorf kann nahtlos fortgesetzt werden: Denn rechtzeitig zur neuen Saison wurde am Sonnabend das Boot "Tante Erna" auf der Oste zu Wasser gelassen - begleitet durch ein gemütliches Hafenfest.
Durch und durch gemütlich ging es am Sonnabendnachmittag am Deich in Oberdorf zu, wo der Verein "Provinzwerkstatt" zu einem kleinen Hafenfest eingeladen hatte. Das aber nicht nur, um den Gästen einen Frühlingstag zu versüßen, der sich schon wie Sommer anfühlte, sondern aus einem besonderen Grund: Erstmals sollte der neue Jugendwanderkutter "Tante Erna" zu Wasser gelassen werden - als würdige Nachfolgerin des Vorgängers "Onkel Ernst". Denn der war im vergangenen Jahr mit einem Fest in Rente geschickt worden.
Flohmarkt ist immer ein Besuchermagnet
Die Idee, das Fest erstmals mit einem Flohmarkt - ganz ohne Anmeldung und Formalitäten - zu verbinden, kam gut an. In der wunderschönen Szenerie neben der Kirche direkt hinter dem Deich stöberten Interessierte herum, bevor sie einen Blick auf die andere Seite warfen. Bei Bratwurst, Kaffee und Kuchen auf dem "Ostekieker"-Schiff, Liedern des Chors "Shanty und Lerchen" und Kinderspielen ließ es sich gut aushalten.

Als sich am gegenüber gelegenen Ufer etwas zu tun begann, richteten sich alle Blicke aufs Wasser. Dort war nämlich der hölzerne Rumpf des Bootes "Emma" zum Vorschein gekommen, um gleich seine Seetüchtigkeit zu beweisen. Bis zum Schluss hatte die Kuttercrew des Vereins "Provinzwerkstatt" unter Anleitung des Holzbootbauers Elmar Specht im Winterlager in Bentwisch an dem Boot gebaut, das sechs Jahre lang kein Wasser mehr unter dem Kiel gehabt hatte. Nun wurde es spannend: Wieviel Wasser würde wohl durch die noch trockenen und nicht aufgequollenen Planken ins Boot eindringen?
Bootsbauer fuhr mit über den Fluss
Während Sven Pfeiffer, Mitglied der Kuttercrew, am Mikrofon Infos zu dem besonderen Moment gab, nahm neben den ehrenamtlichen Bootsbauern auch Profi Elmar Specht im Boot Platz, um die wenigen Meter über den Fluss zurückzulegen. Ohne Zwischenfälle kam "Tante Erna" am Anleger an. Der erwartete Wassereinbruch hielt sich in Grenzen und wurde mit fleißigem Pumpen eingedämmt.

Dennoch verzichtete der Verein für den ersten Tag noch auf Gästefahrten. Bald aber soll sich das ändern, denn der Jugendwanderkutter ist eindeutig dafür gemacht, mit Gästen auf Tour zu gehen. An jedem Freitag um 15.30 Uhr werden bis Ende September zweistündige Touren auf der Oste angeboten.
Mitfahrgelegenheit für Große und Kleine
Eine Anmeldung dafür ist unbedingt notwendig, und zwar bis spätestens zum jeweiligen Vorabend (Donnerstag) um 18 Uhr per E-Mail an kutter@provinzwerkstatt oder unter Telefon (0 47 72) 860 95 00. Je Ausfahrt können bis zu zehn Passagiere mitfahren. In Begleitung einer Betreuungsperson sind Kinder ab drei Jahren willkommen. Kinder, die schwimmen können, dürfen auch allein mitfahren. Das Angebot ist kostenlos, Spenden, die für den Unterhalt des Bootes eingesetzt werden, sind willkommen.
Die ebenfalls bis Ende September stattfindenden Sonntagsfahrten (Start jeweils 15 Uhr) sind nur für Kinder und Jugendliche gedacht. Auch Freundesgruppen können sich anmelden. Extra-Termine können ebenfalls vereinbart werden. Mit diesen Fahrten hofft der Verein Provinzwerkstatt Nachwuchs für die Kuttercrew und den Segelsport zu gewinnen. Auch hier ist eine Anmeldung erforderlich. Bei stürmischem Wetter wird nicht gefahren.
Verein Provinzwerkstatt hat Verantwortung übernommen
Mit dem Ruhestand für die gemeindeeigene "Onkel Ernst" im vergangenen Jahr ist auch die Zuständigkeit für das Projekt in die Hände der Provinzwerkstatt übergegangen. Angefangen hatte "Onkel Ernst" einst als Jugendkutter der Seglervereinigung Cuxhaven.

Mit den Wanderkuttern haben Jugendgruppen früher noch sehr viel öfter mehrwöchige Touren auf Elbe, Ost- und Nordsee unternommen, obwohl die offenen Segelboote weder über Kajüte noch Toilette verfügen. Soweit soll die "Tante Erna" gar nicht kommen, zumal die Fließgeschwindigkeit der Elbe nach den Elbvertiefungen dieses gemütliche Segeln nicht mehr zulassen würde. Auch die Oste biete sich schon als Revier an, um Segel- und Wassersportkultur zu vermitteln, hieß es. Für das kommende Jahr sei dafür zusätzlich eine Kooperation mit der Grundschule in der Wingst ins Auge gefasst worden.
Einer der letzten Holzkutter
Elmar Specht kennt sich gut mit der Historie und Kultur der Jugendwanderkutter aus. Wann immer möglich, würden an Bord die Segel gesetzt, Motorkraft sei verpönt, berichtet er. "Tante Erna", erbaut von Helmut Hateke in Flensburg, ist einer der letzten noch aus Holz gebauten Jugendwanderkutter. Der durch den Deutschen Seglerverband als eigene Bootsklasse anerkannte Typ wurde aus den Marinekuttern der kaiserlichen Marine entwickelt und entspricht ziemlich genau deren Rettungsbooten um 1900.
