Bad Zwischenahn und Cuxhaven: Zwei Bewerbungen zur Landesgartenschau, ein Fördertopf
Bad Zwischenahn bewirbt sich um die Landesgartenschau 2032, Cuxhaven um 2034. Dennoch geht es um dieselbe Landesförderung. Im Interview erklärt Christian Wandscher warum Bad Zwischenahn den früheren Termin anstrebt und wie die Bewerbung entstand.
Ministerpräsident Olaf Lies hat bei einem Besuch angedeutet, dass Bad Zwischenahn darauf hoffen darf, die niedersächsische Landesgartenschau 2032 auszurichten. Wie kam es eigentlich zu der Bewerbung?
Die Geschichte geht auf das vorletzte Jahr zurück: Bad Zwischenahn hatte sich für die Landesgartenschau 2030 beworben, die allerdings nach Duderstadt ging. In der Pressemitteilung des Landes dazu stand,, da Bad Zwischenahn ein gutes Konzept eingereicht habe, dass das Land die Gemeinde ermutige, sich für die nächste Landesgartenschau zu bewerben.
Regulär wäre das die Gartenschau 2034 gewesen.
Wir haben mit dem Land gesprochen: 2034 ist für uns eigentlich nicht die erste Option. Weil diverse Projekte, nämlich die Entwicklung des ehemaligen Bundeswehrkrankenhausgeländes, die Entwicklung der Kulturhalle und die Weiterentwicklung des Parks der Gärten 2032 wünschenswert wären - 30 Jahre nach der ersten Landesgartenschau am selben Standort. Das Land hat eine neue Ausschreibung veröffentlicht: für die Landesgartenschau 2034, aber mit dem ausdrücklichen Zusatz "oder früher". Dieses "früher" haben wir herausgepickt und uns um die Ausrichtung im Jahr 2032 beworben. Cuxhaven, Ihre Stadt, hat sich auf dieselbe Ausschreibung beworben, mit dem Ziel, die Gartenschau 2034 ausrichten zu können.
Dieser Zeitversatz von zwei Jahren wird in Cuxhaven so interpretiert, dass man sich gegenseitig keine Konkurrenz machen würde. Ist diese Wahrnehmung richtig?
Das Interessante an dieser Konstellation ist, dass es das Fördergeld nur einmal gibt. Beide Bewerbungen - Bad Zwischenahn für 2032 und Cuxhaven für 2034 - buhlen um dieselben vier Millionen Euro Landesförderung.
Warum ist es für Bad Zwischenahn wichtig, abermals eine Gartenschau präsentieren zu können? Geht es um die "runde Zahl", also das Jubiläum?
Im Endeffekt geht es uns vor allem darum, die Entwicklung Bad Zwischenahns so schnell wie möglich voranzubringen. In Ortsteil Rostrup soll ein Hotel entstehen, Ferienwohnungen, ein neues Wohngebiet — das alles soll bis 2029/30 fertig werden. Diesen Schwung wollten wir ursprünglich mit der Landesgartenschau 2030 nutzen. Als das nicht klappte, haben wir versucht, den Abstand zumindest auf zwei Jahre zu verkürzen. Wir haben den Termin 2032 auch angestrebt, weil wir das Projekt Kulturhalle - also den Neubau der Wandelhalle in Bad Zwischenahn haben, der ebenfalls drängt. Noch einmal zwei Jahre zu warten, würde zwei Jahre ohne Entwicklung bedeuten.
Läuft man nicht Gefahr, sich zu wiederholen, wenn man zum zweiten Mal eine Landesgartenschau durchführt?
Die Konzepte 2002 und 2032 sind nicht miteinander vergleichbbar. Außerdem ist es das Entscheidende, dass die Landesgartenschau 2002 keine Initiative der Gemeinde gewesen ist. Das Land Niedersachsen ist seinerzeit auf Bad Zwischenahn zugekommen und hat darum gebeten, dass wir die erste Landesgartenschau durchführen. Wir haben uns damals gar nicht beworben. Das war das Besondere. Seinerzeit gab es kein städtebauliches Konzept, keine Nachhaltigkeitsstrategie. Das Gelände des heutigen Parks der Gärten war als Niedersächsisches Gartenkulturzentrum geplant. Darauf wurde die Landesgartenschau "aufgesattelt". Der Vertrag sah vor, dass nach der Gartenschau alles für die Gartenschau "eingebaute" wieder entfernt werden sollte. Das war definitiv nicht nachhaltig.
Das heißt, dass die erste Schau als temporäres Event angelegt war.
Genau, als komplett temporäre Geschichte. Dass der heutige Park der Gärten in diesem Umfang daraus entstanden ist, ist eine glückliche Fügung gewesen. Erst der große Erfolg der Landesgartenschau im Jahr 2002 hat dazu geführt, dass vom ursprünglichen Plan der temporären Veranstaltung abgewichen wurde. Deshalb ist es nicht korrekt zu sagen, "Bad Zwischenahn macht das zum zweiten Mal'. Zwar wären wir zum zweiten Mal Gastgeber einer Landesgartenschau, aber zum ersten Mal auf eigene Initiative, zum ersten Mal mit einem Nachhaltigkeitskonzept und erstmalig mit einem städtebaulichen Entwicklungsplan.

Man hört immer wieder, dass so eine Landesgartenschau einen erheblichen finanziellen Kraftakt bedeutet. Können Sie das aufgrund der Erfahrungen von 2002 bestätigen?
In unserem Fall nicht. 2002 kamen fast doppelt so viele Besucher wie geplant. Wir hatten mit 550.000 Gästen kalkuliert, 981.732 sind gekommen. Die Landesgartenschau 2002 war kein Zuschussgeschäft: Die eingeplanten 3,5 Millionen D-Mark Defizitausgleich des Landes konnten zurückgezahlt werden, und es blieb sogar ein kleiner Überschuss, der an die Gemeinde als Hauptgesellschafter zurückfloss. Es gibt nicht viele Gartenschauen, die das erreicht haben.
Wie erklärt sich dieser Erfolg? Gezieltes Marketing - oder schlicht der Effekt des Erstaufschlags?
Beides spielte eine Rolle. Wenn etwas neu ist, zieht es Interesse auf sich. Andererseits ist alles, was neu ist, auch noch vollkommen unbekannt. Was wir bei der ersten Landesgartenschau - und seither im Park der Gärten - versucht haben: eine Veranstaltung zu schaffen, die von Menschen als so wertvoll wahrgenommen wird, dass sie bereit sind, dafür Eintritt zu bezahlen. Das ist im gartenkulturellen Sektor keine Selbstverständlichkeit.. Wir arbeiten seit 25 Jahren daran, Gartenkultur als erlebnisreiche Kulturform darzustellen.
Haben Gartenschauen inzwischen ein Imageproblem - zumindest, wenn der Begriff allzu wörtlich genommen wird? Die Assoziation "Blümchen gucken" liegt nahe. Das sei doch etwas von gestern, heißt es mitunter.
Das sieht der eine so und der andere anders. Im Park der Gärten haben wir gerade einen "Musterpark für Klimaschutz" eröffnet. Dort zeigen wir, wie man im privaten Bereich einen Garten klimagerecht und klimaresilient anlegen kann. Es geht also nicht nur um Blümchen - es geht auch um andere Pflanzen, denn sonst wäre es eben keine Gartenschau. Beispiel: Wenn Sie für ein Motorradrennen Eintritt zahlen, und auf einmal Autos um die Wette fahren, würden Sie auch sagen: "Nicht das, was ich mir vorgestellt habe". Trotzdem - und da haben Sie Recht - gehört zu einer Landesgartenschau heutzutage sehr viel mehr dazu als ein paar Blumen einzupflanzen.
In Cuxhaven wird daraufhin gewiesen, dass man sich ohnehin an einem Tourismus-Hotspot befindet. Kritiker stellen deswegen die Idee, dass solch ein Event zusätzliche Besucherströme erzeugen würde, infrage. Wie war das damals bei Ihnen? Hat die Landesgartenschau 2002 Bad Zwischenahn bekannter gemacht?
Ich weiß nicht, ob Bad Zwischenahn und Cuxhaven da miteinander vergleicbar sind. Bei unswar die mediale Aufmerksamkeit enorm. Und von den knapp einer Million Besuchern kamen die meisten nicht aus Bad Zwischenahn. Viele waren zum ersten Mal in Bad Zwischenahn. Rund 100.000 Gäste haben auch den Ort selbst besucht. Dafür wurde eigens ein Shuttle-Bus eingerichtet. Die dortige Kaufmannschaft verzeichnete in den Bereichen Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel Zuwächse von 20 bis 30 Prozent — und das in einem wirtschaftlich schwachen Jahr 2002. Unterm Strich gab es einen messbaren touristischen Effekt und einen Bekanntheitsgewinn. Heute, fast 23 Jahre später, haben wir jährlich rund 260.000 Besucher im Park der Gärten. Und ein kulturelles Angebot, das in einer kleinen Gemeinde wie Bad Zwischenahn sonst nicht in der Form entstanden wäre.
Wozu würden Sie anderen Bewerbern vor diesem Hintergrund raten?
Aus der Erfahrung sprechend kann ich sagen, dass eine Landesgartenschau sehr positiv wirken kann. Bei allen negativen Aspekten, die es vielleicht auch gibt.: Es gibt immer ein Für und ein Wider, das abgewogen werden will. Übrigens sollte man dabei das Gemeinschaftsgefühl nicht außer Acht lassen, dass eine Landesgartenschau schaffen kann. Sie ist halt auch ein halbjähriges Bürgerfest. Die allerwenigsten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister würden deswegen sagen "Hätten wir das bloß nie gemacht". Und: Eine bestimmte Zahl von Gästen zu erreichen, ist tatsächlich nicht alles. Es geht darum, eine Stadt beziehungsweise eine Kommune weiterzuentwickeln, zukunftsorientierte Impulse zu setzen und das Miteinander zu stärken. Wenn man das erreicht, ist die Landesgartenschau ein Erfolg - unabhängig davon, ob am Ende eine Handvoll Besucher mehr oder weniger gezählt werden.
Herr Wandscher, vielen Dank für das Gespräch.
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.