Muslimische Gläubige erhalten in der Baitul Mukarram Nationalmoschee während des heiligen Fastenmonats Ramadan in Dhaka, Bangladesch, Essen zum Fastenbrechen. (AP Photo/Mahmud Hossain Opu)
Muslimische Gläubige erhalten in der Baitul Mukarram Nationalmoschee während des heiligen Fastenmonats Ramadan in Dhaka, Bangladesch, Essen zum Fastenbrechen. (AP Photo/Mahmud Hossain Opu)
Brücke zwischen Religionen

Gemeinsame Wochen des Verzichts verbinden: Fastenzeit und Ramadan in Cuxhaven 

von Bengta Brettschneider | 22.02.2026

Wenn Verzicht zur Brücke wird: Auch in Cuxhaven findet die Passionszeit und Ramadan zur selben Zeit statt. Kirche und Moschee zeigen, wie Fasten mehr sein kann als Tradition - Einladung zu Mitgefühl, Verantwortung und gelebter Gemeinschaft.

Wenn sich in diesem Jahr die christliche Passionszeit und der islamische Fastenmonat Ramadan zeitlich überschneiden, ist das mehr als eine Randnotiz im Kalender. Es ist eine Einladung zum Dialog. Und ein sichtbares Zeichen dafür, wie unterschiedlich gelebter Glaube doch ähnliche Fragen stellt: Was brauche ich wirklich? Was ist genug? Und wie viel Verantwortung trage ich für andere?

Von der Wüste in die Gegenwart

Die christliche Fastenzeit geht zurück auf die 40 Tage, die Jesus von Nazareth laut Überlieferung fastend in der Wüste verbrachte. Bereits im 4. Jahrhundert wurde sie kirchlich gefestigt, unter anderem beim Konzil von Nicäa. Im Mittelalter prägten klare Regeln das Leben: kein Fleisch, Buße, Beichte, Almosen.

Mit der Reformation änderte sich der Ton. Martin Luther lehnte verpflichtende Fastengebote ab. Nicht der Verzicht an sich mache gerecht, sondern der Glaube. Fasten wurde zur freiwilligen geistlichen Übung - eine Haltung statt ein Gesetz. Die christliche Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und endet am Karsamstag, dem Tag vor Ostern.

Während katholischer Gottesdienste am Aschermittwoch werden Gläubigen ein Aschekreuz als Zeichen der beginnenden Fastenzeit auf die Stirn gezeichnet. Foto: Matthias Bein

"7 Wochen Ohne" und Klimafasten

Heute knüpft die Evangelische Kirche in Deutschland daran an. Aktionen wie "7 Wochen Ohne" oder das Klimafasten rücken bewusstes Leben in den Mittelpunkt. Auch die Johanneskirche in Sahlenburg beteiligt sich - mit einem klaren theologischen Akzent.

"Beim Fasten, so könnte man meinen, und besonders beim Klimafasten, geht es um Begrenzung und Beschränkung. Soviel du brauchst - aber eben nicht mehr. Genug ist genug", steht es auf der Internetseite der Johanneskirche Sahlenburg. Ein Link führt weiter zu einer Website, die Impulse, Psalmen und Ideen für Einzelpersonen, Gruppen und Familien gibt - Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht.

Ramadan: Gemeinschaft im Alltag

Zeitgleich begehen Musliminnen und Muslime den Ramadan. Der neunte Monat des islamischen Mondkalenders erinnert an die Offenbarung des Korans an den Propheten Mohammed. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird gefastet - kein Essen, kein Trinken. Doch der Ramadan ist mehr als Verzicht.

"Es berührt uns, dass dieses besondere religiöse und gemeinschaftliche Ereignis Beachtung findet", betont Funda Neyis, Frauenbeauftragte der Türkisch Islamischen Gemeinde Cuxhaven e. V. "Das Fasten bedeutet weit mehr als den Verzicht auf Nahrung. Es soll Mitgefühl und Empathie wecken und den Blick für Menschen schärfen, denen es nicht so gut geht."

Palästinenser sitzen an einem langen Tisch inmitten von zerstörten Gebäuden zum Fastenbrechen (Iftar) während des muslimischen heiligen Monats Ramadan. Foto: Abdel Kareem Hana

In der Moschee gibt es täglich ein gemeinsames Iftar (Fastenbrechen). Die Mahlzeiten werden von Gemeindemitgliedern organisiert und gespendet. "Diese Abende sind geprägt von offener Gastfreundschaft und stehen allen Menschen offen - unabhängig von Herkunft, Religion oder persönlichem Hintergrund." Auch Kinder, Kranke oder Schwangere seien selbstverständlich willkommen.

Nach dem gemeinsamen Gebet klingt der Abend bei Tee aus. Gespräche entstehen. Beziehungen werden gepflegt. Missverständnisse ausgeräumt. Den Abschluss bildet das Zuckerfest, Eid al-Fitr - ein Fest der Dankbarkeit, der Versöhnung und des Neubeginns. Familien besuchen einander, Kinder werden beschenkt, Bedürftige unterstützt.

Fasten und konkrete Hilfe

Auch in Altenwalde verbindet sich Fasten mit Solidarität. Unter dem Motto "Fasten - Stiften - Helfen" lud die Stiftung Altenwalde am heutigen Sonntag (22. Februar 2026) zum achten Reisessen ein. Die Spenden kamen der Katastrophenhilfe der Diakonie zugute, insbesondere für Menschen in der Ukraine. Ein schlichtes Mahl aus Reis mit zwei Saucen - und doch mehr als ein Essen. Es ist ein bewusstes Zeichen: verzichten, um zu teilen.

Ob Kirche, Moschee oder Stiftung - in diesen Wochen zeigt sich, dass Fasten keine reine Privatangelegenheit ist, sondern gesellschaftliche Bedeutung haben kann. Im "Weniger" deutlich zu machen, wie viel wir miteinander teilen können und was uns verbindet - für viele liegt hierin der tiefere Sinn.

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Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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