Gerichtsstreit um Appel-Werk in Cuxhaven: 340 Jobs stehen auf der Kippe
Der Machtkampf um das Appel-Werk in Cuxhaven spitzt sich zu: Während Investoren um die Kontrolle ringen, stehen Hunderte Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Politik mischt sich ein, doch die Zukunft bleibt ungewiss.
Ein Rechtsstreit in Köln entscheidet über die Zukunft von 340 Arbeitsplätzen in Cuxhaven. Bei der Maris Food GmbH, besser bekannt unter der Traditionsmarke Appel, ringen drei Gesellschafter um die Kontrolle über das Unternehmen. Die heristo AG hat sich vollständig zurückgezogen, und ihren Anteil an Geschäftsführer Christian Krüger verkauft. Zwei weitere Investoren halten je ein Drittel: der Fisch-Manager Allan Jensen über seine dänische Jacque Holding und der Investor Peter Memminger über die Sustainable & Invest GmbH. Sechs Verfahren laufen derzeit gegen das Unternehmen vor dem Landgericht Köln. Eine schnelle Einigung ist nicht in Sicht.
Gerichtsstreit belastet die Belegschaft
Der Machtkampf an der Spitze lähmt das Unternehmen. Rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet Appel, in diesem Jahr wird die Bilanz bestenfalls ausgeglichen sein. Dabei arbeitete das Werk zuletzt profitabel. Oberbürgermeister Uwe Santjer hat das Thema ins Rathaus geholt und die Politik alarmiert. Im Verwaltungsausschuss sei die Botschaft eindeutig gewesen, sagt er: Appel und Cuxhaven gehörten zusammen. Wie ernst es ihm damit ist, macht ein Satz deutlich, den Santjer im Gespräch fallen lässt:
"Ich stelle mich auch vor das Werkstor."

Politik sichert Unterstützung zu
Santjer hat das niedersächsische Wirtschaftsministerium eingeschaltet. Staatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier will noch im Juli nach Cuxhaven kommen. Auch Bundestagsabgeordneter Christoph Frauenpreiß (CDU), zugleich Präsident des Deutschen Fischereiverbands, verfolgt die Entwicklung genau. Ein strukturelles Problem sehe er nicht, sagt Frauenpreiß gegenüber unserem Medienhaus, das Werk sei rentabel. Das Problem liege allein auf Gesellschafterebene. Sollte es zu einem Eigentümerwechsel kommen, brächten sich Bund und Land mit Fördermitteln oder Bürgschaften ein, so der Abgeordnete, sofern Investitionen in die Produktion fließen.
Auch die Landtagsabgeordnete Eva Viehoff von den Grünen beobachtet die Lage. Sie werde sich beim Land dafür einsetzen, dass der Fischindustriestandort Cuxhaven eine Zukunft habe, erklärt sie, warnt zugleich davor, dass der Gesellschafterstreit rasches Handeln erschwere. Auch die Cuxhavener SPD stellt sich hinter das Werk. Fischfang und Fischverarbeitung seien für die Region ein herausragender Wirtschaftsfaktor und prägten die Identität Cuxhavens, erklären der Landtagsabgeordnete Oliver Lottke, Vorsitzender der SPD Cuxland, und Gunnar Wegener, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion. "Wir werden mit aller Kraft für den Erhalt von Maris Food am Standort Cuxhaven kämpfen."

Krüger verspricht persönlichen Einsatz
Geschäftsführer Christian Krüger, gebürtiger Cuxhavener, hält sich mit Standortgarantien zurück. Das könne er persönlich nicht aussprechen, sagt er, diese Entscheidung liege bei der Gesellschafter-Mehrheit oder einem möglichen neuen Eigentümer. Zugleich betont er sein persönliches Engagement: Seine Lebenspartnerin und viele seiner Freunde arbeiteten bei Maris, er werde alles in seiner Macht Stehende für den Standort tun.
Als Gründe für die schwierige Ertragslage nennt Krüger den Wettbewerbsdruck durch günstigere Hersteller aus Osteuropa, gestiegene Einkaufs- und Personalkosten sowie einen Trend zu Eigenmarken. Der Gesamtmarkt für Fischdauerkonserven sei im ersten Quartal um neun Prozent geschrumpft. Pläne für neue Fertiggerichte liegen wegen hoher Investitionskosten und gestiegener Rohstoffpreise vorerst auf Eis. Zu möglichen Verkaufsgesprächen mit der Unternehmensgruppe Theo Müller äußert sich Krüger nicht, er verweist auf die Mitgesellschafter.

Betriebsrat fordert klare Zusagen
Auch der Betriebsrat blickt mit Sorge auf die Entwicklung. Bereits seit 2022 sei bekannt gewesen, dass sich heristo von Appel trennen wolle, das habe für erhebliche Verunsicherung in der Belegschaft gesorgt. Gefordert werden ein klares Bekenntnis der Gesellschafter zum Standort, der Erhalt der Arbeitsplätze und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Ein Verkauf an einen reinen Markeninteressenten berge Risiken, sollte dadurch Produktion verlagert oder reduziert werden. Rund 1000 Arbeitsplätze in der Region hängen nach Einschätzung des Betriebsrats direkt oder indirekt an dem Werk, wenn Zulieferer und Dienstleister mitgezählt werden. Die Fischindustrie gehöre zu Cuxhaven wie das Amen zur Kirche, so der Betriebsrat. Appel sei das letzte große Fischunternehmen am Ort.
Wie es in dem Gesellschafterstreit weitergeht, ist offen. Das Landgericht Köln hat bereits den nächsten Verhandlungstermin angesetzt. Bis dahin bleibt die Belegschaft in Cuxhaven zwischen Hoffnung und Sorge.
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