Wenn ein Gewitter im Anmarsch ist, gibt es für Strandbesucher Verhaltensregeln.  Foto: Reese-Winne
Wenn ein Gewitter im Anmarsch ist, gibt es für Strandbesucher Verhaltensregeln. Foto: Reese-Winne
Blitz und Donner am Wochenende?

Erneut Gewittergefahr an Nordsee in Cuxhaven: Was Sie wissen (und beachten) müssen

von Wiebke Kramp | 26.06.2026

Am vergangenen Wochenende hat es in Cuxhaven und Umgebung ordentlich gekracht. Ein heftiges Unwetter zog über das Cuxland hinweg. Wie sieht das Gewitterpotenzial für dieses Wochenende aus? Und wie sollte man sich bei Gewitter verhalten?

Der Meteorologe Niklas Anczykowski vom Deutschen Seewetterdienst erläutert auf Nachfrage von cnv-medien.de, dass die Gewinnerlage am Sonnabend (27. Juni 2026) steigt und es im Tagesverlauf zu punktuellen Entwicklungen vermutlich erst im Binnenland kommen könne. Für Cuxhaven und Umgebung sieht er vor Mittag kaum Risiko, aber ab nachmittags erhöhe sich das Potenzial für einzelne Gewitter aus Südwesten. In der Nacht zu Sonntag (28. Juni 2026) zieht ab der zweiten Nachthälfte ein größerer Gewitterkomplex aus Südwesten heran, der das Potenzial zu einem Unwetter mit Wind, hohen Regenmengen und eventuell Hagel habe. Auch der Sonntag selbst bleibe in Cuxhaven und Umgebung ein gewittriger Tag, so die Vorhersage des Meteorologen.

Am Wochenende könnte es wieder ungemütlich werden in Cuxhaven. Foto: Reese-Winne

Dass Gewitterlagen an der Küste durchaus Gefahren bergen, weiß die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Dieter Sandforth, Cuxhaven DLRG-Vorsitzender, gibt auf Nachfrage von cnv-medien.de Verhaltenstipps, um Gewitter unbeschadet zu überstehen.

Was sollten Strandbesucher bei aufziehenden dunklen Wolken beachten?

Nicht jede aufziehende dunkle Wolke bedeutet zwangsläufig eine Gefahrensituation. Es schadet aber nicht, das Wettergeschehen genauer zu beobachten. Dunkle, schnell wachsende Wolken können die ersten Anzeichen für Gewitter, starke Böen oder Starkregen sein. Unwetter kommen selten völlig überraschend, können aber an der Nordseeküste durchaus sehr schnell auftreten. Die meisten Gewitterfronten werden von den Wetterdiensten angekündigt, auch die auffälligen Cumulonimbus-Wolken, die bedrohlich hoch sind, deuten auf ein Gewitter hin.

Sollte ich den Strandbereich verlassen?

Warten Sie nicht so lange, bis das Gewitter oder der Starkregen direkt über dem Strandbereich ist. Verlassen Sie unbedingt auch sofort das Wasser, verlassen Sie den Strandbereich und suchen Sie einen geschützten Platz wie ein Gebäude oder Auto auf. Vermeiden Sie bevor allem exponierte, hochliegende Stellen wie den Deich, Stege oder Aussichtspunkte.

Wolf Dieter Sandforth ist Vorsitzender der DLRG Cuxhaven. Foto: Kuczorra

Darf ich ins Wasser gehen, wenn ich Donnergrollen nur in der Ferne höre?

Schwimmen ist eine der gefährlichsten Aktivitäten während eines Gewitters, da das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden, erheblich steigt. Es ist wichtig, daran zu denken, dass selbst wenn Sie den Blitz nicht sehen können, er dennoch eine Gefahr darstellen kann, wenn er sich in einer gewissen Entfernung befindet. Blitze können sich bis zu zehn Meilen horizontal und über acht Meilen vertikal von einer Gewitterzelle entfernen und ohne Vorwarnung einschlagen. Daher ist es wichtig, sich während eines Gewitters vom Wasser fernzuhalten. Donner und Blitze gehören zum selben Vorgang in einem Gewitter. Donnergrollen - auch wenn es nur in der Ferne zu hören ist - bedeutet = Wasser verlassen bzw. nicht mehr baden gehen! Es wird empfohlen, mindestens 30 Minuten nach dem letzten Donnerschlag zu warten, bevor man Aktivitäten im Freien und im Wasser wieder aufnimmt.

Bieten Strandkörbe oder Regen- oder Sonnenschirme ausreichenden Schutz vor Blitzen?

 Strandkörbe bieten lediglich einen gewissen Schutz gegen Wind und Regen, stellen aber keinen verlässlichen Schutz gegen Blitzschlag dar. Mit einem aufgespannten Regenschirm oder Sonnenschirm auf einer offenen Fläche wird man gegebenenfalls zum höchsten Punkt und die Metallteile können somit bei einem Blitzeinschlag Strom weiterleiten.

Was gilt für Wattwanderer?

Gewitter stellen für Wattwanderer ebenfalls eine sehr große Gefahr dar. Besonders kritisch ist die Situation, wenn diese unverhofft unwetterartig aufziehen und man sich zu weit vom Festland entfernt hat. Deshalb sollte man bei unsicheren Wetterlagen einige Maßnahmen treffen, indem man sich zum Beispiel vorab aktuelle Wettermeldungen wie Aushänge an den Haupteingängen zum Strand einholt und die Informationen einer Wetter-App (Regenradar) nutzt. Hilfreich sind auch entsprechende Warnsignale an den Rettungsstationen. Letztendlich hilft auch die einfache Beobachtung des Himmels nach großen aufziehenden Wolkenformationen (Cumulus Nimbus), gerade bei schwülem Wetter. Spätestens dann sollte man das Watt verlassen.

 Was ist, wenn ich bei einer Wattwanderung von aufziehenden Gewittern überrascht werde?

 Bei Gewitter stellen Wanderer im ebenen Watt die höchste Erhebung dar und können somit im schlimmsten Fall die Rolle eines Blitzableiters einnehmen. In solch einer Situation gibt es leider keinen absoluten Schutz. Behalten Sie trotz alledem Ruhe und versuchen nicht, in Panik zu geraten. Suchen Sie nach Möglichkeit die nächstgelegene Rettungsbake auf. Diese dient als Faraday'scher Käfig und schützt somit vor Blitzeinschlägen. Sollte diese nicht zeitnah erreichbar sein, gehen Sie mit geschlossenen Beinen in die Hocke.

Vertrauen Sie auch auf das Personal der Rettungsstationen, die solche Wettersituationen in der Entwicklung beobachten und bewerten, in der Folge sowohl Warndurchsagen durchführen als auch letztendlich über die Einsatzzentrale der Feuerwehr (Notruf 112) unter anderem Rettungskräfte der Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehren, der Nordseeheilbad Cuxhaven (NHC) und der DLRG alarmieren. Diese führen dann mit speziellen Rettungsfahrzeugen Evakuierungen des Wattenmeeres durch. 

Auch für Wassersportler gibt es klare Verhaltensregeln. Archivfoto: Reese-Winne

Was sollten Wassersportler wie SUPler, Kiter, Kanuten und Co. bei einer derartigen Wetterlage besonders beachten?

Neben dem allgemein gültigen Grundsatz "Sofort das Wasser verlassen und einen sicheren Ort aufsuchen" können vor allem plötzliche Starkwinde zu einem Problem werden, die je nach Windrichtung ein Erreichen des Ufers erschweren oder sogar unmöglich machen können.

Inwiefern kommen die DLRG-Strandwachen zum Einsatz?

 Das Personal der Rettungsstationen verfügt über Informationen (unter anderem vom Deutschen Wetterdienst, Regenradar und Warn-App, um vor außergewöhnlichen Wettersituationen sowohl rechtzeitig zu warnen als auch im Bedarfsfall eine Rettungskette auszulösen. Mithilfe von Radargeräten können auch Wattwanderer, die sich weit vom Festland und außerhalb der Prickenwege befinden, geortet und gerettet werden.

Kommt es häufig vor, dass die DLRG es mit Unvernunft und Unverständnis zu tun hat, wenn sie vor den Gefahren wie denen von Gewittern am Meer warnt?

Der Großteil der Menschen hat vor Wettererscheinungen wie Gewitter, Starkregen oder Hagel einen gehörigen Respekt. Dennoch gibt es aber Fälle, in denen Warnhinweise ignoriert werden. Vor allem auch nach einem vor kurzem abgezogenen Gewitter, wenn zu früh wieder ins Wasser gegangen wird. Im August 2021 kam es im Vorfeld eines aufziehenden Gewitters zu einer Evakuierungsmaßnahme von circa 50 Personen aus dem Wattenmeer. Mit Hilfe der perfekt funktionierenden Rettungskette - Einheiten der Berufsfeuerwehr, Freiwilligen Feuerwehren, NHC, DLRG und Wasserschutzpolizei - konnten damals alle Personen wohlbehalten sicher an Land gebracht werden. 

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

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