Cuxhavens Deichband ist auf halber Strecke - was geschafft ist und wie es weitergeht
Ein kräftiger Regenbogen über Cuxhaven rahmt das Deichband-Projekt ein, während ein Platzregen die Gäste überrascht. Ein unerwarteter Moment, der die Transformation der Innenstadt symbolisiert und neugierig auf die weiteren Entwicklungen macht.
Es hätte ein nüchterner Besichtigungstermin werden können. Ein paar Grußworte, ein Rundgang, Applaus. Doch als die knapp hundert Gäste am frühen Mittwochabend neben dem NPorts-Gebäude an den dort extra aufgestellten Pavillons zusammenkamen, um die Halbzeit des Cuxhavener Deichband-Projekts zu begehen, war schnell spürbar: Dieser Termin wird mehr als eine Zwischenbilanz.
Oberbürgermeister Uwe Santjer, Stadtbaurat Andreas Eickmann, Projektleiter Marco Lammers und Planerin Julia Gäckle vom Büro Treibhaus Landschaftsarchitektur begrüßten Ratsmitglieder, Bürgerinnen und Bürger, Vertreter der Begleitgruppe und der beteiligten Büros sowie die Firma Steffen als ausführendes Bauunternehmen. Wer kam, sah: Die Innenstadt verändert ihr Gesicht. Und das sichtlich zum Besseren.
Uwe Santjer: Stadt soll zusammenwachsen
Uwe Santjer ließ keinen Zweifel daran, was das Deichband leisten soll, und er wählte dafür klare Worte: "Unsere Idee war, das, was sich eigentlich nicht so richtig zusammen angefühlt hat und was auch organisch gar nicht so zusammengepasst hat, zusammenzuführen." Die Verbindung vom Schloss Ritzebüttel über die Nordersteinstraße bis ins Lotsenviertel, das ist das erklärte Ziel. Eine Stadt, die sich nicht mehr in Teile zerfällt, sondern die einlädt, weiterzugehen, neugierig zu bleiben, zu verweilen. Santjer findet, das gelingt bereits zur Halbzeit: "Ich nehme wahr, dass viele Menschen sagen: 'Das ist einladend.‘ Das macht neugierig darauf, was an der nächsten Ecke kommt."
Ermöglicht wird das Vorhaben durch ein Gesamtbudget von 16 Millionen Euro, von denen 4,9 Millionen Euro über das Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" geflossen sind. Santjer wandte sich in seiner Rede direkt an den anwesenden Bundestagsabgeordneten Christoph Frauenpreis: "Nimm das bitte noch einmal mit nach Berlin." Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Ohne Fördergelder wären Projekte dieser Größenordnung für eine Stadt wie Cuxhaven nicht zu stemmen. Gleichzeitig versicherte der Oberbürgermeister, man werde auch künftig konsequent nach Fördermöglichkeiten suchen und Mittel nach Cuxhaven holen.
Fertigstellung bis Ende 2026 angepeilt
Der Zeitplan ist eng, aber nach Einschätzung aller Beteiligten erreichbar. Marco Lammers bestätigte am Rande der Veranstaltung, dass die laufenden Abschnitte planmäßig voranschreiten. Ende September soll die Einbindung bis zu den vier alten Linden fertig sein, danach folgen die Bereiche Lotsenviertel und Slippen. Lammers ist zuversichtlich, und er hat Grund dazu: "Ich denke, es hätte auch anders kommen können. Aber alle haben mitgezogen: die Firma Steffen, die anderen beteiligten Unternehmen, die ganze Koordination. Das kann nur gelingen, wenn alle mitdenken." Sein besonderes Lob galt den Mitarbeitern auf der Baustelle: "Das war meine Wahrnehmung, dass die da wirklich mit Spaß bei der Sache sind. Wir haben hier mal was, was nicht alltäglich ist."
Als dann nach den Ansprachen die gesamte Runde gemeinsam Richtung Deichfenster aufbrach, war der Himmel noch bedeckt, aber trocken. Dann, mitten auf dem Weg, öffnete der Himmel seine Schleusen. Ein kräftiger Platzregen prasselte auf die Gruppe nieder. Was als gemächlicher Spaziergang begonnen hatte, wurde zu einem hastigen Rückzug unter die schützenden Pavillondächer. Wer in diesem Augenblick trotzdem innehielt und den Blick hob, der sah es: Über Cuxhaven spannte sich ein vollständiger Regenbogen, der in seinem Bogen genau das Gelände des Deichband-Projekts einrahmte. Ein kurzer, stiller Moment inmitten des Trubels, fast unwirklich, fast zu schön. Die meisten sahen ihn nicht, zu beschäftigt damit, sich in Sicherheit zu bringen. Doch wer ihn sah, vergaß ihn so schnell nicht.
Glasscheiben als Punktlandung eingebaut
Das vielleicht schönste Detail des gestrigen Abends war eines, das nicht jeder sofort bemerkte, weil es so selbstverständlich wirkte: Das Deichfenster mit seinen Glaselementen steht. Gerade rechtzeitig zur Halbzeitveranstaltung wurden die Scheiben am Dienstag eingebaut, versehen mit einem Vogelschutzmuster, das Kollisionen verhindert. Lammers lächelte, als er gefragt wurde: "Wirklich auf den Punkt, oder?"
Planerin Julia Gäckle vom Büro Treibhaus blickte in ihrer kurzen Ansprache nach vorn: "Wir arbeiten mit Vollgas daran, dass das bis Ende dieses Jahres fertig wird. Wenn das Wetter mitmacht, sollte das funktionieren." Für den Herbst ist bereits der nächste Bauabschnitt geplant. Ganz zum Schluss soll die alte Deichschutzmauer angepackt werden, die als letzte große gestalterische Aufgabe noch aussteht. In einem zweiten Artikel berichtet unser Medienhaus über den moderierten Baustellenrundgang, der sich an die offiziellen Ansprachen anschloss.
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