Cuxhaven: Deichband-Projekt verändert Straße mit innovativem Klimastein
Ein besonderes Pflaster, das mehr kann als nur den Boden zu schmücken, sorgt in Cuxhaven für Aufsehen: Wasserdurchlässig und klimafreundlich verändert es die Deichstraße grundlegend. Doch das ist erst der Anfang des Großprojekts.
Wer dieser Tage über den teilweise zur Straße hin abgesperrten Gehweg der Deichstraße schlendert, reibt sich die Augen. Wo jahrelang schwarz-grauer, abgenutzter Asphalt das Stadtbild prägte, leuchtet jetzt ein helles, fast mediterranes Pflaster in einem feinen Gemisch aus Weiß, Grau und Gelb. Der Kontrast ist frappierend und er ist gewollt. Cuxhaven baut sich neu, Stein für Stein, Abschnitt für Abschnitt. Das Großbauprojekt Deichband nimmt Fahrt auf.
Vom Eingang des Lotsenviertels bis hinauf zum Friseurgeschäft auf Höhe der Mittelstraße wird derzeit jener besondere Klima-Stein verlegt, der mehr kann als nur schön aussehen. "Er ist wasserdurchlässig", erklärt Projektleiter Marco Lammers von der städtischen Bauverwaltung beim Rundgang über die Baustelle. "Wenn Wasser hereinkommt, geht es durch den Stein durch in den unteren Auflastkörper." Das klingt nüchtern, ist aber eine echte städtebauliche Weichenstellung: Die Regenwasserkanalisation wird künftig spürbar entlastet, weil das Niederschlagswasser nicht mehr ausschließlich über die Straßeneinläufe abgeführt werden muss, sondern zu einem guten Teil direkt im Untergrund versickert. Eine zweite Variante desselben Klima-Steins, mit gelbem Farbton, wird übrigens für den neuen Deichkronenweg entlang der Deichstraße eingesetzt.

Ein Klima-Stein, der atmet
Doch nicht nur der Stein selbst zeugt von Sorgfalt. Lammers hat sich vor der Entscheidung persönlich eine größere Referenzfläche in Bremen angeschaut. "Es ist wie wenn man sich zu Hause eine Fliese aussucht", sagt er. "Das muss man auf einer größeren Fläche sehen." Die Wahl überzeugt ihn und beim Blick auf die Baustelle auch den Beobachter.
Parallel zur Pflasterarbeit schreitet der aufwendigste Teil des Deichband-Projekts voran: der Einbau der neuen Treppenanlage mit Sitzblöcken aus Beton, direkt in den Deichkörper, auf Höhe der City-Marina. Dafür wurde die alte Deichmauer bewusst geöffnet. Die Gesamtbreite der neuen Öffnung beträgt rund 28 Meter. Die eigentliche Treppen- und Sitzanlage, inklusive barrierefreiem Aufgang, misst sieben Meter in der Breite. Wer sich von oben auf dem Deichkronenweg zur Wasserseite hinwendet, soll künftig bequem und einladend zur City-Marina hinuntergeführt werden. Eine neue Rampenanlage wird dort ebenfalls in den nächsten Wochen eingebaut.

Ein Puzzle aus Süddeutschland
Die massiven Betonelemente für diese Anlage stammen aus Süddeutschland und sind allesamt präzise gekennzeichnet. Jedes Teil trägt eine alphanumerische Bezeichnung - etwa "M1" bis "M7" - die exakt vorgibt, wo es im Gesamtgefüge zu liegen kommt. "Das ist ein wenig wie Lego", sagt Marco Lammers mit einem Schmunzeln. "Sonst steigen Sie da überhaupt nicht mehr durch."
Bis Ende April sollen die nächsten Lieferungen eintreffen. Danach auch jene Elemente, die für das sogenannte Deichfenster benötigt werden, jenen glasgefassten Durchblick, der zu den gestalterischen Höhepunkten des gesamten Projekts zählt. Die Glaselemente selbst fertigt die Firma Winkler aus Bremerhaven, verlegt werden sie von der Cuxhavener Firma Huth.
Zwei Kolonnen des Bauunternehmens Steffens sind derzeit gleichzeitig im Einsatz: eine im Bereich Deichstraße, eine weitere an der Treppenanlage beim Eingang zu City-Marina sowie im Bereich rund ums NPorts-Gebäude. Marco Lammers ist täglich vor Ort, jeden Morgen, um zu sehen, zu reagieren, zu koordinieren.

Ziel: Freigabe zu den Sommerferien
Ob Treppenanlage, Deichkronenweg oder Klimapflaster: Hinter allem steckt ein straffer Zeitplan. Lammers nennt die niedersächsischen Sommerferien als Zieldatum für die erste Freigabe der fertiggestellten Bereiche. Ob er dieses Ziel punktgenau trifft oder noch ein, zwei Wochen Puffer benötigt, mag er nicht versprechen. Aber die Richtung stimmt. Der Bereich rund um den Slippen, das südliche Ende der Deichstraße, bleibt vorerst ausgeklammert: Dort wird noch das neue Hotel fertiggestellt, große Betontransporte rollen an. Erst wenn die Bauarbeiten am Hotel zum Herbst oder Winter abgeschlossen sind, rückt auch dort das Deichband-Projekt an.
Eines jedenfalls ist jetzt schon sicher: Die Deichstraße wird heller, freundlicher und einladender. Und wer den Vergleich zum alten schwarzen Asphalt ziehen will, muss nur einen Blick auf das frische Pflaster werfen. Der Rest folgt in Bälde.